Hertha in der Nachwuchs-Krise? So schlecht steht es um die Jugend!

Berlin - Bei Herthas Nachwuchs läuft es im Moment nicht. Nach dem Gewinn der deutschen U19-Meisterschaft und dem ersten Platz beim international angesehenen Mercedes-Benz-Junior-Cup bleiben die Erfolge und Talente aus.

Herthas U19 feierte den deutschen Meistertitel standesgemäß vor der Ostkurve. Mit dabei - Torschützenkönig Muhammed Kiprit.
Herthas U19 feierte den deutschen Meistertitel standesgemäß vor der Ostkurve. Mit dabei - Torschützenkönig Muhammed Kiprit.  © Imago

Im letzten Jahr war die A-Jugend der Hertha das Aushängeschild des deutschen Fußballs. In dieser Saison läuft es ganz anders.

In der U19-Bundesliga steht die Mannschaft auf dem enttäuschenden siebten Platz. Tabellenführer FC St. Pauli ist den Blau-Weißen schon 13 Punkte voraus.

Apropos siebter Platz. Diesen belegt das Team von Coach Michael Hartmann (44) auch beim prestigeträchtigen Mercedes-Benz-Junior-Cup, von lediglich acht Mannschaften. Die Chancen auf die Titelverteidigung wurden früh vernichtet und Herthas Nachwuchs konnte lediglich nur ein Spiel gewinnen.

Gerade die Ergebnisse gegen die deutschen Vereine sollten zum Nachdenken anregen. Im Spiel gegen den Nachwuchs vom VfB Stuttgart nahm Hertha eine herbe 0:4-Pleite hin und auch gegen Auswahl vom FC Bayern München zog man den Kürzeren.

Lediglich in der Youth-League (Jugend-Champions League) kann das Team überzeugen. Nach der erfolgreichen Qualifikation für das Sechszehntel-Finale kommt mit Paris Saint-Germain einer der stärksten Jugendmannschaften der Welt nach Berlin.

Mehmet Scholl nahm schon als TV-Experte kein Blatt vor den Mund.
Mehmet Scholl nahm schon als TV-Experte kein Blatt vor den Mund.  © DPA

Dennoch ist Herthas Nachwuchs das Sinnbild der aktuellen Jugend-Debatte im deutschen Fußball. Besonders in der Kritik steht die Ausbildung von Spielern, speziell die individuelle Entwicklung und Qualität lässt zu Wünschen übrig.

Schon vor zwei Jahren prophezeite Mehmet Scholl (48) in seiner eigenen Radiosendung "Mehmets Schollplatten" den Abstieg der DFB-Talente: "Die Kinder dürfen sich nicht mehr im Dribbling probieren." Scholl weiter: "Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen."

Damals noch verhöhnt und als "absolute Grütze" (Zitat, VfB Stuttgart-Vorstand Michael Reschke, 61) bezeichnet, ist dieser lapidare Spruch bittere Realität geworden. Der deutsche Talente-Rückgang zeigt sich auch in der Bundesliga.

Dieser Meinung ist auch Michael Zorc (56), Sportvorstand bei Borussia Dortmund, wie er im Interview mit der "FAZ": "Im Moment kommen auf jeden Deutschen – ehrlich gesagt – zwei interessante Franzosen, zwei interessante Engländer und Spanier sowieso."

Auch Bundestrainer Joachim Löw (58) pflichtet auf Nachfrage bei: "Wir sind überholt worden in den vergangenen Jahren."

Der Kritik angeschlossen hat sich auch Schalkes-Chefausbilder Norbert Elgert (61), der seit 22 Jahren in der Knappenschmiede Talente, wie Mesut Özil (30) oder Leroy Sane (22), zu Weltstars machte. "„Heutzutage wollen alle etwas sein, aber niemand will mehr etwas werden", kritisierte der U19-Trainer der Schalker in einem Interview mit "Sport 1".

Es läuft nicht nur bei Hertha nicht, sondern der gesamte deutschen Fußball leidet. Sicherlich kann der blau-weiße Negativlauf "jahrgangsäbhängig" sein. Dennoch sind die Berliner gewarnt. Ihr soll doch die Zukunft gehören, oder?

Für die Erfolge war der sogenannte "goldene 99er-Jahrgang" verantwortlich. Die Mannschaft, rund um Jahrhundert-Talent Arne Maier (20), galt als besondere Truppe, in der derzeit sieben Talente den Sprung in Herthas Profikader geschafft haben.

Herthas Nachwuchs am Boden? Nach der Jugend-DFB-Pokal-Finalniederlage 2016 werden Sidney Friede (li.) und Maurice Covic (re.) von Trainer Andreas Thom getröstet.
Herthas Nachwuchs am Boden? Nach der Jugend-DFB-Pokal-Finalniederlage 2016 werden Sidney Friede (li.) und Maurice Covic (re.) von Trainer Andreas Thom getröstet.  © DPA

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