TAG24-Bundesliga-Analyse: Hertha mit Windhorst-Millionen nach Europa?

Endlich geht es wieder los! Bereits am kommenden Wochenende starten die Bundesligisten im DFB-Pokal in die neue Saison. In der großen Analyse nimmt TAG24 alle 18 Klubs genau unter die Lupe und schätzt die Stärken, Schwächen und den Kader der Teams ein.

Berlin - Alles neu bei Hertha BSC? Mit einem neuen Trainer und einer Millionenspritze von Investor Lars Windhorst will Hertha BSC raus aus dem grauen Mittelfeld - am besten noch mit mutigem, offensivem Fußball. Kann Neu-Coach Ante Covic in seiner ersten Bundesligasaison dem Hauptstadt-Klub zu neuem Glanz verhelfen? Bei der Alten Dame ist alles möglich, sowohl vorne, als auch hinten.

Der Top-Transfer

Noch nie haben die Herthaner so viel Geld ausgegeben, wie für Dodi Lukebakio (21). Mit 20 Millionen Euro Ablöse ist der Belgier der Rekordeinkauf. Der 21-Jährige kennt die Bundesliga bereits bestens, war letzte Saison vom FC Watford an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen und hatte nicht nur wegen seinen zehn Treffer großen Anteil an der überraschend starken Saison der Fortunen.

Vor allem sein Auftritt bei Rekordmeister FC Bayern München, als er der pfeilschnelle Flügelstürmer alle drei Tore erzielte, dürfte den meisten Fußballfans noch bestens in Erinnerung bleiben. "Das war ein ganz besonderer Moment, ein unbeschreibliches Gefühl. Genau solche Momente möchte ich ganz oft mit Hertha erleben", erzählte der Bayern-Schreck bei seiner Vorstellung. Wiederholt sich die Geschichte? Wenn Bayern am 16. August die Bundesligasaison eröffnet, kehrt Lukebakio mit der Hertha zurück in die Allianz Arena.

Bayern-Schreck Dodi Lukebakio soll die Offensive von Hertha BSC verstärken.
Bayern-Schreck Dodi Lukebakio soll die Offensive von Hertha BSC verstärken.  © DPA

Alle Neuzugänge bei Hertha BSC

Vor Lukebakio konnte Manager Michael Preetz bereits Eduard Löwen (22), Daishawn Redan (18) und Dedryck Boyata (28) nach Berlin locken. Zudem gelang es Hertha, Marco Grujic (23) erneut und für eine Gebühr von zwei Millionen Euro vom FC Liverpool auszuleihen.

Während die Abwehrkante Boyata ablösefrei von Celtic Glasgow kam, überwies Hertha rund sieben Millionen Euro für den U21-Nationalspieler Löwen an den 1. FC Nürnberg. Der 22-Jährige verschärft den Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld. Redan, kam für rund 2,5 Millionen Euro von der U23 des FC Chelsea, darf als Investition in die Zukunft betrachtet werden. Das 18-jährige Sturm-Talent soll langsam an die Bundesliga herangeführt werden.

Solange das Transferfenster noch geöffnet ist, sind weitere Transfers nicht ausgeschlossen - auch dank Herthas wohl wichtigstem Neuzugang: Investor Lars Windhorst.

Dedryck Boyata soll Herthas Defensive mit seiner Erfahrung verstärken.
Dedryck Boyata soll Herthas Defensive mit seiner Erfahrung verstärken.  © Soeren Stache/dpa

Alle Abgänge von Hertha BSC

Mit Valentino Lazaro (23) hat Hertha BSC im Sommer nur einen Stammspieler abgeben müssen. Der Österreicher wechselte für etwa 20 Millionen Euro zu Inter Mailand. Der Rechtsverteidiger sorgte mit seiner Technik und Schnelligkeit vor allem in der Hinrunde für Furore, ehe er wie viele seiner Kollegen in der Rückrunde abbaute. Dennoch ist der Weggang des 23-Jährigen ein großer Verlust.

Sportlich ist der Abgang von Julius Kade (20) nachvollziehbar. Das Eigengewächs hatte vor zwei Jahren seinen ersten und bislang einzigen Einsatz in der Bundesliga absolviert, seitdem aber - auch verletzungsbedingt - nicht den Durchbruch geschafft. Sein neuer Verein dürfte aber für Zündstoff sorgen. Den Spandauer zog es zum Stadtrivalen 1. FC Union Berlin!

Ebenfalls nicht mehr dabei: Hertha-Urgestein Fabian Lustenberger (31). Nach zwölf Jahren hat der Schweizer Berlin verlassen. "Lusti" kämpft nun mit den Young Boys Bern um den Einzug in die Champions League. Keeper Jonathan Klinsmann (22) zog es ebenfalls in die Schweiz zum FC St. Gallen. Eigengewächs Marius Gersbeck (24) hingegen zum Karlsruher SC.

Valentino Lazaro wechselte von Hertha BSC zu Inter Mailand.
Valentino Lazaro wechselte von Hertha BSC zu Inter Mailand.  © Soeren Stache/dpa

Scheitert der Traum vom Pokalfinale am VfB Eichstätt?

Unter Pal Dardai hatte man sich zuletzt fast zu so etwas wie einer Pokalmannschaft entwickeln. Das Finale im heimischen Olympiastadion zu erleben ist der Traum vieler Hertha-Fans. Seit 1985 wird das Endspiel in der Hauptstadt ausgetragen - immer ohne Hertha. Lediglich die Amateure schafften 1993 den Finaleinzug, unterlagen dann aber Bayer 04 Leverkusen mit 0:1.

Nachdem die Blau-Weißen in den Jahren vor Dardai vor allem in der zweiten Runde das Zittern bekommen haben, hatten sie sich zuletzt etwas stabilisiert. In der vergangenen Spielzeit scheiterten sie im Achtelfinale erst in der Verlängerung am späteren Pokalsieger Bayern München (2:3).

Nun müssen die Berliner zum Regionalligisten VfB Eichstätt. Kein glanzvoller Name und doch wird der hochmotivierte Gegner der Alten Dame wohl alles abverlangen, wurde die Mannschaft in der vergangenen Saison in Bayern doch starker Zweiter. Die Generalprobe, bei der Hertha bei Crystal Palace 4:0 siegen konnte, stimmt zuversichtlich. Wenn Covics Team noch die Anfälligkeit bei Standards abstellt, sollte der Einzug in die nächste Runde ohne Probleme klappen.

Hertha überzeugte bei der Generalprobe bei Crystal Palace.
Hertha überzeugte bei der Generalprobe bei Crystal Palace.  © Isabel Infantes/PA Wire/dpa

Saisonziel von Hertha BSC

Ein klares Saisonziel geben die Herthaner erst zum Ende der Vorbereitung bekannt. Eines verriet Herthas Manager Michael Preetz vor der Premierensaison von Ante Covic schon vorab. Besser als in der vergangenen Saison (Platz 11) dürfte es schon sein. Salomon Kalou war da schon etwas offensiver und sprach von den Europapokalplätzen. "Bayern und Dortmund spielen um die Meisterschaft. Vielleicht können wir ja die Top sechs angreifen, wenn alles passt", sagte der 34-Jährige der "Bild".

Salomon Kalou kommt zum Trainingsplatz.
Salomon Kalou kommt zum Trainingsplatz.  © Soeren Stache/dpa

TAG24-Saisonprognose: Bei Hertha BSC ist alles möglich

Die beiden letzten Testspiele gegen West Ham United (3:5) und Crystal Palace (4:0) haben gezeigt: Bei Hertha ist alles möglich. Die vermeintliche erste Elf verfügt auch ohne die Neuzugänge über eine hohe Qualität. Bleibt Hertha diesmal vom Verletzungspech und der chronischen Rückrundenschwäche verschont, ist durchaus mehr drin als nur ein Platz im Mittelfeld. Das Auftaktprogramm hat es aber in sich. In den ersten vier Spielen müssen die Berliner dreimal in der Fremde ran. Die Gegner: Bayern München (Auswärts), Wolfsburg (Heim), Schalke (Auswärts) und Mainz (Auswärts).

In der Abwehr kämpfen mit Dedryck Boyata (28), Jordan Torunarigha (21), Niklas Stark (24) und Karim Rekik (24) gleich vier potenzielle Stammspieler um einen Platz in der Dreier- oder Viererkette. Die braucht Covic auch. In der Hinrunde der vergangenen Saison waren zwischenzeitlich alle Abwehrspieler verletzt. Neuzugang Boyata soll hinten für mehr Stabilität sorgen und hinterließ in der Vorbereitung gleich einen guten Eindruck. "Er hat eine gute Zweikampfführung, er besitzt enorme Erfahrung", lobte Ante Covic den WM-Teilnehmer. Momentan zwingen ihn muskuläre Probleme aber zu einer Zwangspause.

Nach dem Abgang von Valentino Lazaro setzt Hertha wohl auf eine interne Lösung. Herthas schnellster Spieler Lukas Klünter (23) hat das Rennen um den Platz als Rechtsverteidiger gewonnen. Mathew Leckie (28), der eigentlich weiter vorne zu finden ist, muss sich noch an seine neue Position gewöhnen. Routinier Peter Pekarik (32) fehlt weiterhin verletzt.

Im Mittelfeld tobt der Konkurrenzkampf. Ondrej Duda (24) und Marco Grujic (23) dürften zu Beginn gesetzt sein. Arne Maier (20), Sidney Friede (21), Per Skjelbred (32), Vladimir Darida (28) und Eduard Löwen (22) kämpfen um den freien Platz im zentralen Mittelfeld. Dabei scheint Herthas Dauerläufer Darida derzeit die Nase vorn zu haben.

Mit Javairo Dilrosun (21) und Dodi Lukebakio (21), der auch in der Sturmspitze spielen kann, verfügt Hertha auf den Außenbahnen über jede Menge Speed. Hinzu kommen noch U21-Nationalspieler Maximilian Mittelstädt (22) und Salomon Kalou (34). Im Sturm dürfte Kapitän Vadad Ibisevic (35), der am Dienstag 35 Jahre alt geworden ist, den Vorzug vor Davie Selke (24). Der Ex-Leipziger wartet weiterhin auf den endgültigen Durchbruch.

Die große Frage wird jedoch sein: Kann Ante Covic die Bundesliga? Der Dardai-Nachfolger, der seit Jahren Herthas U23 erfolgreich trainiert hatte, verantwortet nun zum ersten Mal eine Profimannschaft. Spannend wird auch zu sehen sein, wie schnell die Kicker seine neuen Spielideen und taktischen Vorgaben umsetzen können. Sein Team soll höher verteidigen, den Gegner so früh unter Druck setzen, um bei Ballgewinn schnell vor das gegnerische Tor zu kommen.

Ob im 4-3-3, 3-5-2 oder im altbewährten 4-2-3-1 - Hertha soll dabei gleich möglichst viele taktische Variationen beherrschen. Gelingt der jungen Mannschaft jetzt noch die richtige Balance aus Defensive und Offensive zu finden, könnte Hertha am Ende durchaus für eine Überraschung sorgen.

Ante Covic und Assistenztrainer Harald Gämperle beim Training.
Ante Covic und Assistenztrainer Harald Gämperle beim Training.  © Soeren Stache/dpa

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