Herthas Stadion: Umzug nach Brandenburg würde die Seele des Vereins töten!

Berlin - Während die sportliche Entwicklung von Hertha BSC durch mäßige Leistungen in den Hintergrund rückt, beherrscht eine der zukunftsweisendsten Entscheidungen den oft kritischen Fan-Kosmos. Da sich ein Stadion-Bau im Olympia-Park als schwierig erweist, muss sich der Hauptstadtklub nach Alternativen umgucken, womöglich auch im Berliner Umland. Die Stadion-Debatte entwickelt sich zur unangenehmen Schicksalsfrage! Ein Kommentar:

Das Berliner Olympiastadion ist seit 1963 die Spielstätte von Hertha BSC.
Das Berliner Olympiastadion ist seit 1963 die Spielstätte von Hertha BSC.  © DPA

Leicht verkatert aufgewacht, nach Hopfengetränk-riechend, schleppe ich mich zum üppig gefüllten Frühstücks-Tisch. Wie an einem Samstag üblich...

Im Stuhl versackend, blicke ich mit trübem Blick zu meinem gegenüber sitzenden Vater, der im blau-weißen Trikot auf seinem Hertha-Brettchen freudestrahlend seine Schrippe belegt.

Wie an Heimspieltagen üblich, fragt er mich nach meiner sportjournalisitischen Einschätzung, um seine völlig rationale Prognose zu stützen: "Na, wat meinste heute? Ick gloobe wir jewinnen heute 4:0!"

Als ich gerade versuche die ersten Worte des Tages im Kopf zu sammeln, beobachte ich, wie aufgeregt mein 56-jähriger Vater schon am frühen Morgen durch die Wohnung hüpft und "Nur nach Hause" trällert.

Ja klar, Hertha spielt. Sicher, wir freuen uns alle auf das Heimspiel, aber warum verhält sich mein Vater alle zwei Wochen wie ein kleines Kind wegen so "atemberaubenden" Heimspielen gegen Mainz, Augsburg oder Fortuna Düsseldorf?!

Umzug nach Brandenburg wäre "Worst-Case-Szenario"!

Herthas mögliche Arena im brandenburgischen Ludwigsfelde.
Herthas mögliche Arena im brandenburgischen Ludwigsfelde.  © DPA

Ganz einfach - Es sind die einzigartigen Hertha-Samstage, wenn es ins Olympiastadion geht. Wenn jener blau-weiße Hauptstadtklub spielt, gibt es nichts Schöneres und deswegen die große Freude meines Vaters.

Als ich an einem dieser heiligen Samstage neben ihm im Stadion sitze und er mich nach der exakten Strophe des neusten Fangesangs der Ostkurve befragt, erkläre ich ihm den genauen Wortlaut.

"Berliner Sportclub, du bist die Liebe meines, meines ganzen Lebens, ich lass Dich nie allein! Komme was wolle, ich werd‘ Dir immer treu sein, dass hab ich Dir geschworen, von jetzt bis alle Zeit."

Mein Vater zeigt sich von der rhythmischen Kreativität begeistert, hakt dennoch ein und thematisiert die momentane Stadion-Debatte: "Wenn Hertha nach Brandenburg ziehen würde, dann würde die Treue womöglich zu Ende gehen."

Ein wenig entsetzt, stimme ich zwar zu, aber fange an darüber nachzudenken, wie der Mann, der von Hertha-Schlüsselanhänger, über Hertha-Mauspad, Hertha-Bierdeckel bis hin zur Hertha-Weihnachtsmütze alles besitzt, nicht mehr zu seinem Verein ins Stadion geht. Ganz ehrlich - Es würde mir das Herz zerbrechen!

TAG24-Redakteur Max Priola: Berlin ohne Hertha? Unvorstellbar!
TAG24-Redakteur Max Priola: Berlin ohne Hertha? Unvorstellbar!  © DPA

Nach der bedauerlichen Absage des Berliner Abgeordnetenhauses das neue Stadion im Areal des Olympia-Parks bauen zu lassen, muss Hertha nach ernsthaften Alternativen umsehen, womöglich auch in Brandenburg. (TAG24 berichtete.)

Für die eigene Anhängerschaft kann nun das "Worst-Case-Scenario" wieder möglich sein. Der Standort Ludwigsfelde sorgt schon seit längerem für massenhaftes Kopfschütteln im Fan-Kosmos, soll wohl aber keine Option für den Verein sein.

Zu hoffen wäre es, denn ich will nicht meinen Vater vertrösten, wenn seine alte Dame identitätsverachtend, seinen Ursprung missachtend, in Brandenburg spielt.

Einen Umzug ins Umland würde auch das blau-weiße One-Way-Ticket in den fan-technischen Ruin bedeuten. Klare Message der Ostkurve: "In Berlin nur Hertha - Hertha nur in Berlin!"

Für die Hauptstadt wäre Herthas Rückzug ebenfalls haarsträubend, denn mit dem drohenden Weggang verliert die Weltmetropole ihr sportliches Zugpferd. Fader Beigeschmack - Stadtrivale Union kann das komplette Berliner Territorium "einnehmen".

Mit der Gründung im Wedding, der Gleichschaltung während des zweiten Weltkriegs, den ehrwürdigen "Plumpe"-Zeiten, die Berg- und Talfahrt zwischen Oberliga und Champions League, eng verbunden mit der weltoffenen Stadt Berlin, darf diese wechselhafte und doch erfolgreiche Vereinsgeschichte nicht nach Brandenburg führen. Die alte Dame ist "arm aber sexy" und keine Brandenburgische "Bratze" die im Speckgürtel anschaffen geht - Meine Meinung.

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