Deutsche Jugendfußballer rocken! Herthas U19 als Paradebeispiel

Berlin - Immer wieder hört und liest man, dass der deutsche Fußballnachwuchs hinterherhinkt. Ein Gegenbeispiel war am Dienstag die U19 von Hertha BSC, die in der Youth-League-Zwischenrunde den klaren Favoriten Paris Saint-Germain mit 2:1 niederkämpfte (TAG24 berichtete).

Während die PSG-Talente teilweise weinend den Platz verließen, bildeten die Herthaner eine Jubeltraube und feierten anschließend mit den stimmgewaltigen Fans in der Kurve den überraschenden Triumph.
Während die PSG-Talente teilweise weinend den Platz verließen, bildeten die Herthaner eine Jubeltraube und feierten anschließend mit den stimmgewaltigen Fans in der Kurve den überraschenden Triumph.  © Stefan Bröhl

Mit diesem Ergebnis hatten nur ganz wenige der 1831 Zuschauer im Berliner Amateurstadion gerechnet. Und nach 74 Minuten dürften auch diese optimistischen Menschen die Hoffnung bereits verloren haben.

Denn Hertha lag seit der 25. Minute mit 0:1 zurück und hatte noch nicht ein einziges Mal aufs Tor von PSG-Keeper Garissone Innocent geschossen.

Die Mannschaft von Trainer Michael Hartmann war besonders im ersten Abschnitt hypernervös, musste einen hohen läuferischen und kämpferischen Aufwand betreiben, um die vielen Ballverluste und Abstimmungsprobleme wieder auszugleichen und hatte mitunter auch zu viel Respekt vor dem Gegner, der sein Können aber nur aufblitzen ließ.

Dabei hatte sich schon zu Beginn in einigen Situationen gezeigt, dass Paris hinten durchaus anfällig ist. Allerdings trafen Herthas Offensivspieler noch zu oft die falsche Entscheidung, weshalb sie nie entscheiden durch- und zu Abschlüssen kamen.

Paris spürte das, spielte vielleicht auch deshalb teilweise arrogant, machte nicht mehr als nötig und brauchte eine Standardsituation, um in Führung zu gehen.

Hochdramatische Schlussphase

Der französische U17-Nationalspieler Adil Aouchiche (l.) im Duell mit Herthas laufstarkem Stürmer Ruwen Werthmüller.
Der französische U17-Nationalspieler Adil Aouchiche (l.) im Duell mit Herthas laufstarkem Stürmer Ruwen Werthmüller.  © Stefan Bröhl

Wenn die schnellen, spielstarken und technisch herausragenden Angreifer um Torjäger Arnaud Muinga, Ruben Providence, Tanguy Coulibaly und den begeisternd starken Zehner Kays Ruiz-Atil ihre Qualitäten allerdings auf den Platz gebracht- und nicht so viel Wert auf ineffektive technische Kabinettstückchen gelegt hätten, hätte es für Hertha richtig bitter werden können.

Wurde es aber nicht, weil PSG sich in der zweiten Halbzeit zurückdrängen ließ und durch die individuell erstklassigen Tore von Florian Krebs und Nikos Zografakis bestraft wurde.

Nun gingen selbst die reservierten Fans auf der Tribüne mit. Auch Rainer Widmayer, Herthas Co-Trainer der Profimannschaft, war Feuer und Flamme, rief von der Tribüne rein und lobte auch lautstark Akteure wie Florian Baak mit Rufen wie "klasse, Flo!".

Denn an Dramatik war diese Schlussphase nicht zu überbieten. Herthas Kicker waren mit den Kräften völlig am Ende, konnten keinen Ball mehr festmachen oder gar einen Entlastungsangriff starten.

PSG beorderte die beiden Innenverteidiger-Kanten Nianzou Kouassi und Raphael Nya in den Sturm und so segelte in der sechsminütigen Nachspielzeit Flanke um Flanke in- und durch den Hertha-Sechzehner.

Vieles verpuffte, doch als Paris in der vierten Minute der Extrazeit den Pfosten traf, stand den Anhängern auf der Tribüne die Erleichterung in ihre Gesichter geschrieben. Wenig später herrschte grenzenloser Jubel im Stadion am Wurfplatz.

Deutscher Nachwuchs obenauf!

Herthas spielstarker Sechser Florian Krebs (l.) bejubelt mit Ruwen Werthmüller (r.) sein Tor zum 1:1-Ausgleich.
Herthas spielstarker Sechser Florian Krebs (l.) bejubelt mit Ruwen Werthmüller (r.) sein Tor zum 1:1-Ausgleich.  © Imago

Denn danach passierte nichts mehr, das minutenlange Zittern hatte ein Ende und Hertha war ins Achtelfinale der Youth League eingezogen, das am Freitag ausgelost- und am 12. oder 13. März ausgetragen wird.

Dort ist übrigens auch die TSG 1899 Hoffenheim dabei. So schlecht ist es zumindest in dieser Saison anscheinend nicht um den deutschen Fußball bestellt. Dabei kritisieren viele fachkundige Experten sowohl die Trainerausbildung-, als auch die Talententwicklung.

Nun hat Hertha keinen überragenden Jahrgang wie in der vergangenen Spielzeit. Zwar dürfen drei jahrgangsältere Spieler in der Youth League mitspielen, aber sieben absolute Leistungsträger der Hertha-Meistermannschaft um Arne Maier, Palko Dardai und Julius Kade waren nicht dabei.

Dennoch reichte die vorhandene Qualität von Herthas U19 aus, um mit Paris ein französisches Spitzenteam zu schlagen, das in der Youth-League-Vorrunde 13 Punkte aus sechs Spielen geholt hatte und nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Zweiter hinter dem FC Liverpool geworden war.

Für eine Mannschaft, die in der A-Jugend-Bundesliga Staffel Nord/Nordost nur auf einem enttäuschenden siebten Rang steht, eine fantastische Leistung, die auch international für Aufsehen sorgen dürfte und belegt: Ganz so schlecht, wie viele Experten meinen, steht es um den deutschen Nachwuchs nicht.

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