Schlamperei im Wilke-Skandal? Ministerin Hinz spricht jetzt von drei Todesfällen

Darmstadt/Korbach - Die hessische Verbraucherschutz-Ministerin Priska Hinz (Grüne) geht nun von drei Todesfällen durch Keime in der Wurst aus. Der zuständige Landkreis soll nun schnell einen Bericht vorlegen. Ob dort geschlampt wurde, will die Ministerin noch nicht bewerten.

Vom zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg erwartet Ministerin Hinz in den nächsten 14 Tagen einen Bericht zum Wilke-Skandal.
Vom zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg erwartet Ministerin Hinz in den nächsten 14 Tagen einen Bericht zum Wilke-Skandal.  © Bild-Montage: dpa

"Seit gestern wissen wir drei Todesfälle", sagte Hinz am Freitag in Darmstadt. Der nordhessische Landkreis Waldeck-Frankenberg, der für die Überwachung und die Schließung der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf verantwortlich war, sprach bislang von zwei Opfern aus Südhessen. Das stimmt aber nicht.

Dem Robert-Koch-Institut zufolge sind Patienten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt "direkt oder indirekt an der Listeriose" verstorben.

"Natürlich werden wir dem Landkreis eine Frist setzen", sagte Hinz. Sie erwartete in den nächsten 14 Tagen einen Bericht.

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein.

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer (TAG24 berichtete). Die Firma wehrt sich gegen die Schließung: Wilke reichte am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag ein. Dieser richte sich gegen die Anordnung des Landkreises, der die Produktion gestoppt hatte.

Warum wurde Wilke Wurstwaren erst am 2. Oktober geschlossen?

Am 16. September habe das Ministerium von Todesfällen im Zusammenhang mit Listerien-Funde in Wilke-Produkten erfahren. Geschlossen wurde der Betrieb am 2. Oktober.
Am 16. September habe das Ministerium von Todesfällen im Zusammenhang mit Listerien-Funde in Wilke-Produkten erfahren. Geschlossen wurde der Betrieb am 2. Oktober.  © DPA

Nach Angaben des Verbraucherschutz-Ministeriums gab es ab dem 5. September Anweisungen für eine grundlegende Desinfektion in dem Betrieb und eine Reinigung der Schneidegeräte.

Das Ministerium habe erst am 16. September von dem Zusammenhang der Listerien-Funde mit Krankheits- und Todesfällen erfahren.

Ab dem 20. September hätten von jedem Produkt Proben genommen werden müssen. Geschlossen wurde die Firma Wilke erst am 2. Oktober.

Ob da beim Kreis geschlampt worden sei oder nicht, könne sie noch nicht sagen. "Das maße ich mir nicht an", sagte Hinz. Es müsse nun erstmal der Bericht abgewartet werden.

Hinz forderte aber erneut mehr Befugnisse des Landes. In diesem Fall habe man den Landkreis nur bitten können.

"Wir haben auf eine Schließungs-Verfügung gedrungen", sagte Hinz. Letzten Endes zuständig sei aber der Kreis. "Wir werden das jetzt aufarbeiten."

Titelfoto: Bild-Montage: dpa


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