Auschwitz Komitee: Wegen Antisemiten-Duo ist der Echo "moralisch mausetot"

Berlin - Schon seit Wochen war es Thema: Darf ein Lied mit einer von vielen als antisemitisch verstandene Textzeile mit einem Preis gekrönt werden? Und wo endet künstlerische Freiheit? Bei der Echo-Verleihung lässt die Debatte nicht lange auf sich warten: Das Rapper-Duo Farid Bang und Kollegah und "Die Toten Hosen"-Frontmann Campino liefern sich einen Schlagabtausch.

Der Rapper Kollegah hält eine Karrikatur von Sänger Campino mit Heiligenschein hoch.
Der Rapper Kollegah hält eine Karrikatur von Sänger Campino mit Heiligenschein hoch.  © DPA

Campino steht auf der Bühne und spricht das an, was im Vorfeld der Veranstaltung schon seit Wochen die Gemüter erhitzt hat. Wo hört die künstlerische Freiheit auf und wo ist die Grenze?

"Wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht" sei für ihn die Grenze überschritten, erklärt er. Großer Applaus und stehende Ovationen im Publikum. "Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?", fragt Campino, der ein bisschen nervös wirkt. Die Debatte sei wichtig und nötig.

Und dann das: Kollegah und Farid Bang gewinnen tatsächlich den Echo. "Das ist ja fast schon wie ein Trostpreis nach Campino", sagt Farid Bang zum Preis für das Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3". Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, sagt Kollegah.

Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum zeigt er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle. Mehrere Medien berichten bereits vom "Echo der Schande".

Heubner kritisiert den Ethikrat und verurteilt den Skandalgewinn des Rapper-Duos.
Heubner kritisiert den Ethikrat und verurteilt den Skandalgewinn des Rapper-Duos.  © DPA

Dieser Ansicht schließt sich auch Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitee, an.

"Das war eine gespenstische Veranstaltung. Man schaltet ab wie nach einem Albtraum", So Heubner zur BILD-Zeitung. Doch er fand auch anerkennende Worte: "Dank an alle Gäste, die sich durch Buhrufe und Pfiffe bemerkbar gemacht haben."

Bereits im Vorfeld der Verleihung äußerte sich das Komitee über die Nominierung empört. Diese Meinung hat sich nach dem skandalträchtigen Gewinn weiter verschärft. "Nach dem eklatanten Versagen des Ethikrats und der damit erst möglichen Auszeichnung des Antisemiten-Duos ist der Echo moralisch mausetot, und man fragt sich, was in Deutschland so alles möglich ist", ergänzt der Exekutiv-Vizepräsident.

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, findet die umstrittene Textpassage "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" inakzeptabel und äußerte sich in einem aktuellen BILD-Interview besorgt darüber.

"Solche Zeilen verletzten nicht nur Holocaustüberlebende, sondern auch ihre Familien. [...] Es ist sehr problematisch, dass damit auch noch Hunderttausende junger Menschen erreicht werden. Einer renommierten Veranstaltung wie die Echo-Preisverleihung ist das nicht würdig".

Titelfoto: DPA


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