Hier entsteht Sachsens größtes Staubecken

So würde es im Ernstfall aussehen, aber immer nur für wenige Tage. Vorn die S183 aus Dipps kommend. Die Straße führt unterirdisch durchs Becken.
So würde es im Ernstfall aussehen, aber immer nur für wenige Tage. Vorn die S183 aus Dipps kommend. Die Straße führt unterirdisch durchs Becken.

Von Torsten Hilscher

Niederpöbel - Flutschutz für Zeiten, wenn aus dem jetzigen Wassermangel wieder Überfluss wird ... Sachsen stöhnt unter hohen Temperaturen und niedrigen Wasserpegeln. Aber vielerorts werkeln Spezialisten schon am Schutz fürs nächste Hochwasser. Zum Beispiel in Niederpöbel (Osterzgebirge), wo zurzeit ein Megastaubecken entsteht.

„Ein kleines Gewässer, das Ärger machen kann“, sagt Frank Hering (61) und deutet auf den Pöbelbach, hier im Pöbeltal, zehn Kilometer entfernt von Dippoldiswalde. Das Bächlein sieht wirklich unschuldig aus.

Doch Bauingenieur Hering weiß: „2013 stand das Wasser im Tal 40 Zentimeter hoch.“ Um das künftig zu verhindern, vor allem jedoch, um Dipps und die Gemeinde Malter samt Talsperre zu schützen, bauen Hering und Kollegen bis 2018 das größte Staubecken im Freistaat.

Bauleiter Frank Hering (61). Im Hintergrund das Fundament des künftigen Staudamms.
Bauleiter Frank Hering (61). Im Hintergrund das Fundament des künftigen Staudamms.

„Becken“, darauf legt Hering als Angestellter der Landestalsperrenverwaltung Wert. „Das wird kein Stausee.“

Das gemeinhin leere Becken soll sogenannte Spitzen abfangen. Also große Wassermengen, die das alte Bachbett heute überfordern. Länger als drei Tage wird das Riesenbecken später jedoch nie voll sein - es soll immer gleich (dosiert) abgelassen werden. Dazu entstehen eine Staumauer und Sperrventile.

Die S183 von Schmiedeberg nach Oberpöbel führt dann in einem 65-Meter-Tunnel durch den Damm.

Gesamtkosten: 49 Millionen Euro. Die gehen auch für die Öko-Gestaltung des künftigen Bachbetts sowie für eine Fledermaushöhle am Hang drauf. Und für die Sicherung uralter Erzstollen nebenan.

„Wir haben Bergbau aus dem 12. und 13. Jahrhundert gefunden“, berichtet Hering. In seinen Worten schwingt Hochachtung. Denn die vorgefundenen Arbeitsbedingungen von einst waren urzeitlich. Das Becken hingegen ist ein Hightech-Bau; errichtet aus sächsischer Ingenieurskunst, von Bauleuten aus Bernburg in Sachsen-Anhalt.

Lieblich und unscheinbar. Der Pöbelbach kann aber auch Fluten führen. Hier prüft Lisa Kühne (21, li.) von der Talsperrenverwaltung das Wasser. Blick Richtung Oberpöbel vom Dach des künftigen Tunnels im Staudamm.
Lieblich und unscheinbar. Der Pöbelbach kann aber auch Fluten führen. Hier prüft Lisa Kühne (21, li.) von der Talsperrenverwaltung das Wasser. Blick Richtung Oberpöbel vom Dach des künftigen Tunnels im Staudamm.

Quelle, Landestalsperrenverwaltung, Repro; Fotos: Thomas Türpe


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