Hier gibt's eins auf die Rübe… und zwar mit Kopftuch!

Lübeck - Die Geräuschkulisse in der Sporthalle ist typisch für ein Boxtraining: das Peitschen der Springseile auf dem Boden, das dumpfe Klatschen, wenn ein Schlag einen Sandsack trifft. Doch der Anblick ist weniger typisch.

Die Boxerinnen Miriam Hamdoun (rechts) und Hazel Özcan trainieren beim Boxclub Lübeck im Boxring. Der 1976 gegründete Boxclub mit 200 Mitgliedern engagiert sich bei der Integrationsarbeit.
Die Boxerinnen Miriam Hamdoun (rechts) und Hazel Özcan trainieren beim Boxclub Lübeck im Boxring. Der 1976 gegründete Boxclub mit 200 Mitgliedern engagiert sich bei der Integrationsarbeit.  © DPA

Hier trainieren Boxerinnen, die trotz der schweißtreibenden Bewegungen lange Hosen, langärmelige Shirts und Kopftuch tragen. Immer samstags kommen im Boxclub Lübeck muslimische Frauen zusammen – nach den Regeln des Islams verhüllt.

Dazu sagt die 22-jährige Studentin Seyma Nur Muameleci: "Hier wird meine Religion respektiert". Und weiter: "Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass ich mal boxen würde, hätt ich ihn ausgelacht".

Mit dem Boxtraining habe sie eine Sportart gefunden, bei der sie sich richtig auspowern kann. Irgendwann würde sie sogar gerne mal bei einem Wettkampf antreten, erklärt Muameleci. Generell wünscht sie sich mehr Sportangebote für muslimische Frauen, die deren spezielle Bedürfnisse berücksichtigten.

Seit knapp anderthalb Jahren gibt es im Boxclub Lübeck die Trainingsgruppe für muslimische Frauen. Dann haben Männer keinen Zutritt zum Club, sodass die Frauen und Mädchen sich unbeobachtet von Männerblicken bewegen können.

"Das Ganze war die Idee eines Trainers, der Mitglied der muslimischen Gemeinde ist", sagt die mehrfache deutsche Meisterin im Halbfliegengewicht, Annemarie Stark.

Die 15-jährige Miriam Hamdoun hat ihr Haar dagegen mit einem schwarzen Schal bedeckt, eines der Schalenden fällt ihr lose über ihre Schulter. "Das Kopftuch ist mit einer Nadel fixiert und behindert mich nicht beim Training", versichert sie. Zum Boxsport sei sie durch eine Schulfreundin gekommen, die sie mal zum Training mitgenommen habe, erzählt die 15-Jährige.

Auch Hamdoun trainiert inzwischen mehrmals in der Woche, teils in gemischten Gruppen. "Auch nur unter Frauen ist es mir wichtig, die islamischen Kleidungsvorschriften einzuhalten. Mein Kopftuch ist für mich Ausdruck meines Glaubens, das ich auch beim Sport nicht ablege", sagt sie.

Boxerin Miriam Hamdoun trainiert beim Boxclub Lübeck vor dem Spiegel. Seit einem Jahr boxen 20 Mädchen und Frauen mit und ohne Kopftuch in der Frauenboxgruppe.
Boxerin Miriam Hamdoun trainiert beim Boxclub Lübeck vor dem Spiegel. Seit einem Jahr boxen 20 Mädchen und Frauen mit und ohne Kopftuch in der Frauenboxgruppe.  © DPA

Titelfoto: DPA

Mehr zum Thema Hamburg Kultur & Leute:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0