Hier kommen jede Nacht 80 Flüchtlinge an

Familien, Kinder und erschöpfte Flüchtlinge transportiert der Chemnitzer Willkommensdienst mit privaten Autos.
Familien, Kinder und erschöpfte Flüchtlinge transportiert der Chemnitzer Willkommensdienst mit privaten Autos.

Chemnitz - Grauer Alltag statt Willkommens-Euphorie: Von deutscher Gründlichkeit ist bei der Verteilung der Flüchtlinge wenig zu spüren. Was auch der Chemnitzer Willkommensdienst spürt. Die Ehrenamtler kümmern sich um jene, die nachts auf dem Hauptbahnhof stranden.

Seit Anfang September die Zahl der Asylbewerber stark anstieg, machen 80 Freiwillige beim Chemnitzer Willkommensdienst mit.

Von 19 bis 1 Uhr warten sie Nacht für Nacht an sieben Tagen in der Woche auf dem Hauptbahnhof auf Flüchtlinge, die in die sechs Kilometer entfernte Erstaufnahme in Ebersdorf müssen.

18.24 Uhr: Eine Frau steigt mit zwei kleinen Kindern aus dem Zug, irrt über den Bahnsteig. „Sie müssten zurück bis zum Bahnhof Hilbersdorf, dann zu Fuß 1,5 Kilometer in die Erstaufnahme“, sagt Helferin Celia (35) und hilft der Familie in den Wagen. „Den stellt uns ein Autohaus zur Verfügung.“ Benzin und Fahrkarten zahlen die Ehrenamtler aus eigener Tasche. Auch private Fahrzeuge sind im Einsatz.

Detlef Müller (51., li.) packt mit an, hilft einer Syrerin und ihren zwei Kindern vom Hauptbahnhof bis in die Erstaufnahme.
Detlef Müller (51., li.) packt mit an, hilft einer Syrerin und ihren zwei Kindern vom Hauptbahnhof bis in die Erstaufnahme.

„Viele kommen 0.35 Uhr mit dem letzten Zug aus Elsterwerda. Losgeschickt werden sie in Berlin. Aber warum so spät?“, ärgert sich Celia.

„Die Behörden in Bund, Land und Stadt sehen das Elend nicht und denken: Die Ehrenamtlichen machen das schon.“ 80 bis 200 Flüchtlinge kommen in manchen Nächten in Chemnitz an.

SPD-Stadtrat Detlef Müller (51) packte am Wochenende mit an, sagt: „Syrer, Iraker, Afghanen aus Bremen, Hamburg und Berlin - ein System kann ich nicht erkennen.“

Er will nun mit der CVAG sprechen. „Damit wenigstens im Winter ein, zwei Busse der Linie 21 nachts den Hauptbahnhof ansteuern und Flüchtlinge nach Ebersdorf bringen.“

Fotos: Uwe Meinhold


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