Hier liegen Sie richtig! Dresdens Friedhöfe werben um neue Leichen

Dresden - Lage, Nachbarn, Anbindung an den ÖPNV: Solche Faktoren sind nicht nur bei der Suche nach einer neuen Wohnung wichtig, sondern auch bei der Wahl der letzten Ruhestätte. Die Friedhöfe in Dresden wollen sich das zunutze machen und haben eine Werbekampagne für die Stadtteilfriedhöfe gestartet. Denen macht seit einiger Zeit der Wandel in der Bestattungskultur zu schaffen.

Lara Schink (29), Heike Hofmann (47) und Ellen Hönl (53) haben gestern die Kampagne "Mein Stadtteil, mein Friedhof" gestartet.
Lara Schink (29), Heike Hofmann (47) und Ellen Hönl (53) haben gestern die Kampagne "Mein Stadtteil, mein Friedhof" gestartet.  © Thomas Türpe

Mit 27 großflächigen Plakaten, Postern und Postkarten wollen die Friedhöfe nun auf sich aufmerksam machen.

Unter dem Titel "Mein Stadtteil, mein Friedhof" werben sie augenzwinkernd unter anderem mit "individuellem Wohnraum in ruhiger Nachbarschaft".

Die Angebote zur letzten Ruhe sind durchaus attraktiv: Auf dem Trinitatisfriedhof kostet eine Wahlgrabstätte für eine Urne, die dann beispielsweise möglichst nah an einem Weg oder einer Haltestelle liegt, 429 Euro für eine Liegezeit von 20 Jahren.

Der Anlass für die Initiative ist ein immer drängenderes Problem:

"Es ist zunehmend zu merken, dass sich immer mehr Menschen nicht vorstellen können, auf einem traditionellen Friedhof beigesetzt zu werden", sagt Heike Hofmann (47), Verwaltungsleiterin des Striesener Friedhofs und stellvertretende Sprecherin des Netzwerks Dresdner Friedhofsverwalter.

Der Trend geht zum Gemeinschaftsgrab

Einzelgräber werden immer weniger nachgefragt. Der Trend geht zu Gemeinschaftsgräbern.
Einzelgräber werden immer weniger nachgefragt. Der Trend geht zu Gemeinschaftsgräbern.  © Thomas Türpe

"Das erschreckt uns." Denn die Einnahmen aus den Friedhofsgebühren werden gebraucht, um die parkähnlichen Anlagen zu erhalten.

Die Gründe für den Wandel sind vielfältig. Zum einen liegen Seebestattungen, Friedwälder und anonyme Bestattungen im Trend, zum anderen wollen immer mehr Menschen ihre Angehörigen nicht mit den Kosten und der Pflege eines Grabes belasten.

Deshalb entscheiden sich immer mehr Dresdner für ein Gemeinschaftsgrab. Auf den Annenfriedhöfen liege der Anteil an Feuerbestattungen bei 90 Prozent, erklärt Friedhofsverwalterin Lara Schink (29).

Die Hälfte der Urnen werde dann in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt. Das gleiche Bild in Striesen: "Von den knapp 400 Bestattungen im Jahr 2018 waren nur 40 Erdbestattungen", sagt Hofmann.

Der Anteil der Gemeinschaftsgräber liegt hier bei 40 Prozent.

Auf Dresdens Friedhöfen mittlerweile eine Seltenheit: die Erdbestattung.
Auf Dresdens Friedhöfen mittlerweile eine Seltenheit: die Erdbestattung.  © dpa/Federico Gambarini

Mehr zum Thema Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0