Hilfe! Rehe und Hirsche zerstören unseren Wald

Förster Carsten Lohr (44) zeigt Schäden, die das Wild in seinem Revier angerichtet hat.
Förster Carsten Lohr (44) zeigt Schäden, die das Wild in seinem Revier angerichtet hat.

Von Mandy Schneider

Crottendorf - Rehe und Hirsche haben den Erzgebirgswald zum Fressen gern: Mehr als ein Viertel der Bäume in der Region rund um den Fichtelberg ist laut des jüngsten Wildschadenmonitorings angefressen oder durch abgeschälte Stämme geschädigt.

Revierförster Carsten Lohr (44): „Wenn Stämme mehrfach abgeschält werden, sterben sie ab. Junge Bäume, deren Wipfelknopsen verbissen werden, wachsen verformt heran oder gehen ein. So massiv wie in diesem Jahr war es lange nicht.“

Der Sachsenforst sieht am Erzgebirgskamm gar den Waldumbau gefährdet: „Von 15.000 untersuchten jungen Bäumen im Forstbezirk Neudorf haben 23,1 Prozent Schäden durch Wildverbiss, weitere acht Prozent der Bäume sind durch abgeschälte Rinde geschädigt. Der Umbau instabiler Monokulturen von Fichten in stabile, naturnahe Mischwälder ist gefährdet“, so Sachsenforst-Sprecher Klaus Kühling(38).

Blick zum Fichtelberg: Die Bäume der Umgebung haben Rehe und Hirsche zum Fressen gern.
Blick zum Fichtelberg: Die Bäume der Umgebung haben Rehe und Hirsche zum Fressen gern.

Der größte Teil der Schäden entsteht im Winter, wenn Rehe und Hirsche auf Nahrungssuche vom unwirtlichen Kamm in tiefer gelegene Regionen ziehen.

In den vergangenen Jahren hatte Sachsenforst vor allem durch Jagd versucht, die Schäden einzudämmen - und sich damit den Unmut einer ganzen Region auf sichgezogen. Eine Petition mit mehr als 8000 Unterschriften, die die Erhaltung des Rotwildbestandes fordert, wurde im Juni eingereicht und soll demnächst im Petitionsausschuss beraten werden.

Forstminister Thomas Schmidt (54, CDU) versprach inzwischen, „das Rotwildmanagement artgerecht, tierschutzkonform und ökosystemgerecht zu modernisieren.“ Grundlage soll ein dreijähriges Forschungsprojekt zu erzgebirgischen Hirschen sein.

„Darin werden Wanderungsbewegungen und Struktur der Population untersucht. Start ist im Frühjahr“, so Sachsenforst- Sprecher Kühling.

Da kann der Rothirsch nicht widerstehen: Genüsslich frisst er die Rinde einer Fichte.
Da kann der Rothirsch nicht widerstehen: Genüsslich frisst er die Rinde einer Fichte.

Fotos: Thomas Fritzsch, dpa/H. Reinhardt


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