Hinter Gittern. Häftling züchtet Cannabis

Alkohol, Handy und Cannabis-Pflänzchen: René S. (39. l.) ließ es sich in seiner Zelle richtig gut gehen.
Alkohol, Handy und Cannabis-Pflänzchen: René S. (39. l.) ließ es sich in seiner Zelle richtig gut gehen.

Görlitz - Die große Freiheit hinter Gittern: Glaubt mancher noch, dass es im Knast nur Wasser und Brot gibt, mangelte es René S. (39) an nichts. In seiner Zelle hatte er Alkohol, Drogen und telefonierte regelmäßig mit dem Handy. Weil er dann auch noch anfing, Cannabis anzubauen, landete er gestern auf der Anklagebank des Amtsgerichts Görlitz.

Das zehn Zentimeter große Pflänzchen auf dem Fensterbrett von Zelle 529 kam einem Aufseher am 12. August doch verdächtig bekannt vor: „Die kannte ich aus der Schulung“, so der Wachmann. „Da habe ich sie mitgenommen.“ Die Prüfung ergab: Cannabis!

„Einer durfte raus und hat mit die Samen mitgebracht“, gestand René S., der gerade zweieinhalb Jahre wegen Drogenhandels absitzt. „Das war nur für mich.“

Im Görlitzer Knast baute René S. Cannabis an.
Im Görlitzer Knast baute René S. Cannabis an.

Ebenso wie die 0,2 Gramm Marihuana, die elf Tage später in seiner Zelle lagen. „Wir haben mit unseren Geräten kontrolliert, wo jemand mit dem Handy telefoniert“, so ein weiterer Aufseher.

„Wieder war es bei S. Bei der Zellenkontrolle lag das Päckchen auf dem Tisch.“ Außerdem fanden sie das Handy und selbst angesetzten Alkohol. S. ist als Quasselstrippe bekannt: „Wir erwischen den im Schnitt einmal im Monat mit einem Handy“, so der Wärter.

Wenigstens mit den Drogen will René jetzt aufhören: „Mir hat einer im Januar falsche Kräuter verkauft, ich bekam davon einen Atemstillstand“, beteuerte er. „Ich will nichts mehr anrühren.“

Für sein High-Life hinter Gittern bekam er trotzdem noch mal einen Monat und zwei Wochen dazu.

Cannabis-Pflänzchen.
Cannabis-Pflänzchen.

Dresden - Ein Cannabis-Pflänzchen hinter Gittern - was unmöglich klingt, kommt tatsächlich immer wieder vor. Drei Pflanzen in Leipzig, zwei in Dresden und jeweils eine in Görlitz und Zeithain - so viele Hanfpflanzen wurden seit 2010 im Gefängnis gefunden.

Meist besorgen sich die Kiffer ihren Stoff fertig von draußen: Im ersten Halbjahr 2015 wurden 20,01 Gramm Marihuana hinter Gittern gefunden.

Die illegalen Gärtner sind aber nicht das einzige Problem in sächsischen Gefängnissen. Dazu kommen 33,08 Gramm Crystal und 0,04 Gramm Heroin. Gegen die Drogen setzt das Justiz-Ministerium neben Kontrollen verstärkt auf Therapieangebote, um die Sucht selbst zu bekämpfen.

Auch telefoniert wird im Vollzug im großen Stil: Im ersten Halbjahr fanden die Wärter 189 Handys bei den Häftlingen, im gesamten Jahr 2014 waren es 385. Das ist im Schnitt mehr als ein Telefon pro Tag. Um die Telefoniererei zu unterbinden, werden neben Peilgeräten auch spezielle Handy-Spürhunde eingesetzt.

Foto: Jens Trenkler, imago/Christian Ditsch, Jörn Haufe/dapd


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