Historischer Konjunktureinbruch in der Corona-Krise

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft hat auf dem Höhepunkt der Corona-Krise einen noch nie da gewesenen Einbruch erlebt. Im zweiten Quartal ging die Wirtschaftsleistung dramatisch nach unten.

Das ist eine Menge Geld: Im zweiten Quartal sank das deutsche Bruttoinlandsprodukt um mehr als zehn Prozent. (Symboldbild)
Das ist eine Menge Geld: Im zweiten Quartal sank das deutsche Bruttoinlandsprodukt um mehr als zehn Prozent. (Symboldbild)  © Daniel Reinhardt/dpa

Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte. 

Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970. 

Bereits zum Jahresanfang war die Wirtschaftsleistung deutlich gesunken. Europas größte Volkswirtschaft steckt in einer tiefen Rezession.

Nach Angaben der Wiesbadener Behörde sind im zweiten Quartal die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen erheblich eingebrochen sowie die privaten Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen wie Maschinen. Der Staat erhöhte dagegen seine Konsumausgaben während der Krise.

Im Vorjahresvergleich brach die Wirtschaftsleistung um 11,7 Prozent ein. 

Zeichen stehen "eindeutig auf Erholung"

Durch den Coronavirus gab es zahlreiche Einschränkungen, auch auf dem Arbeitsplatz - wie hier bei der Porsche-Produktion in Stuttgart. (Archivbild)
Durch den Coronavirus gab es zahlreiche Einschränkungen, auch auf dem Arbeitsplatz - wie hier bei der Porsche-Produktion in Stuttgart. (Archivbild)  © Marijan Murat/dpa

Den bisher stärksten Rückgang gegenüber einem Vorjahresquartal hatte es während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit minus 7,9 Prozent im zweiten Quartal 2009 gegeben.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr anzieht, vorausgesetzt die Infektionszahlen steigen nicht wieder deutlich an. 

Die wegen des Virus verhängten Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft wurden seit Mai zunehmend gelockert. 

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stehen die Zeichen "eindeutig auf Erholung". Es werde aber wohl zwei Jahre dauern, bis der historische Einbruch vom Frühjahr wettgemacht sei.

Konjunkturpaket soll im zweiten Halbjahr helfen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz über das Anfang Juni beschlossene Konjunkturpaket. (Archivbild)
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz über das Anfang Juni beschlossene Konjunkturpaket. (Archivbild)  © Michael Sohn/POOL AP/dpa

Der Deutschen Bundesbank zufolge dürfte der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Aktivität bereits im April erreicht worden sein. Im zweiten Halbjahr dürfte sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzen. 

"Dazu wird auch das zuletzt beschlossene Konjunkturpaket beitragen", schrieben die Experten im jüngsten Monatsbericht.

Die Bundesregierung hat für die Jahre 2020 und 2021 ein insgesamt 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket aufgelegt. 

Unter anderem wurde die Mehrwertsteuer vom 1. Juli an für ein halbes Jahr gesenkt: von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise 7 auf 5 Prozent. Das soll den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln.

Bundesregierung rechnet für 2020 mit BIP-Rückgang von 6,3 Prozent

Die Bundesregierung rund um Kanzlerin Angela Merkel rechnet 2020 mit der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Bundesregierung rund um Kanzlerin Angela Merkel rechnet 2020 mit der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Nach Auffassung der GfK-Konsumforscher zeigen sich bereits erste Effekte. "Die Anschaffungsneigung ist sehr stark angestiegen", sagte Konsumforscher Rolf Bürkl bei der Vorstellung der Konsumklima-Studie für Juli.

"Die Verbraucher beabsichtigen offenbar, geplante größere Anschaffungen vorzuziehen, was dem Konsum in diesem Jahr hilft."

Auch in den Unternehmen hat sich die Stimmung aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli den dritten Monat in Folge.

Die Bundesregierung rechnet trotz der erwarteten Erholung im Gesamtjahr mit der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie ging zuletzt von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,3 Prozent aus. 

Ähnlich düster sind andere Vorhersagen. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das deutsche BIP um 5,7 Prozent geschrumpft.

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa

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