Hitze, Unwetter, Hochwasser: Woher kommt das Wetter-Chaos in diesem Sommer?

Anja Juckeland (44), Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig.
Anja Juckeland (44), Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig.  © Ralf Seegers

Leipzig - Hitze, Hagel, Hochwasser - und das manchmal alles zusammen an einem Tag! So launisch zeigte sich mancherorts der Sommer 2017 - wie ein wechselhafter April, der nicht weiß, was er will. Spielt das Wetter jetzt extrem verrückt? Hat uns der Klimawandel schon fest im Griff? Oder ist das alles vielleicht doch ganz normal?

Anja Juckeland (44), Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig, muss lange zurückdenken. Der letzte Super-Sommer liegt über ein Jahrzehnt zurück. „Mitte der 1990er-Jahre registrierten wir Sommer mit stabiler Hochdruckwetterlage.

Da gab es schon mal drei Wochen am Stück blauen Himmel, strahlenden Sonnenschein und tropische Nächte mit Temperaturen über 20 Grad“, erinnert sich Juckeland.

Und heute? Da prägen scheinbar immer öfter unbeständige Großwetterlagen mit Regen, Gewittern und sogar Hagelschauern im Gepäck das Sommerwetter. Die Wetterlaunen setzten Meteorologe Florian Engelmann (29) in den vergangenen Wochen unter Dauerstress.

Die Leipziger DWD-Wetterzentrale sieht aus wie die Kommandozentrale von 
Raumschiff Enterprise: Hier prophezeit Meteorologe Florian Engelmann (29) das 
Wetter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Leipziger DWD-Wetterzentrale sieht aus wie die Kommandozentrale von Raumschiff Enterprise: Hier prophezeit Meteorologe Florian Engelmann (29) das Wetter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.  © Ralf Seegers

Engelmann sitzt in der Leipziger DWD-Steuerzentrale vor einer Armada an Monitoren: „An manchen Sommertagen musste ich hunderte Unwetterwarnungen vor lokalen Gewittern und Starkregen herausgeben.“

Meckern also alle zu Recht über den miesen Sommer 2017? Seine Juni- und Juli-Temperaturen waren jedenfalls wärmer als im Durchschnitt! An der Station Leipzig-Holzhausen liegt der langjährige Juni-Mittelwert bei 16,6 Grad. Dieses Jahr wurden im Schnitt 18,5 Grad gemessen - fast 2 Grad „zu warm“.

Juckeland: „Auch der Juli war hier 1,1 Grad wärmer.“ Sogar im sonst eher kühlen Juni von Deutschneudorf im Erzgebirge mit einem Mittelwert von 13,0 Grad schaffte es die Quecksilbersäule diesmal auf durchschnittlich 15,1 Grad - stolze 2,1 Grad wärmer als dort normal wären!

Und der viele Regen, die Gewitter? „Die gingen meist örtlich nieder“, weiß Anja Juckeland. Die Wetterstation am Flughafen Dresden-Klotzsche hat seit 1. Juni 185 Liter Niederschlag gemessen. Bis Ende August sind üblicherweise 219 Liter drin. Da ist noch Spielraum, bevor man von einem verregneten Sommer sprechen kann.

„Sachsen wird bis zu 80 Prozent von westlichen Wetterlagen beherrscht“, weiß Juckeland. Heißt: Meist beeinflussen feuchte, kühlere Luftmassen vom Atlantik das Wettergeschehen im Freistaat. Die Folge ist wechselhaftes bis windiges Wetter bei gemäßigten Temperaturen.

„Das ist für unsere Breiten ganz normal“, beruhigt Juckeland. „Ein heißer, trockener Sommer ist für viele vielleicht schön, aber hierzulande eine seltene Ausnahmeerscheinung.“

Die Trefferquote von Bauernregeln

Wenn es nach den alten Bauernregeln geht, steht uns noch eine richtige Schönwetterperiode bevor.
Wenn es nach den alten Bauernregeln geht, steht uns noch eine richtige Schönwetterperiode bevor.  © DPA

Sie lassen sich leicht merken, weil sie sich meist reimen - doch stimmen sie auch? Bauernregeln haben oft eine niedrige Trefferquote, spiegeln aber langjährige Wettererfahrungen wieder.

  • Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag. Der 27. Juni soll den Trend der nächsten sieben Wochen bestimmen. In Ungarn und Österreich kommt das sogar zu 80 Prozent hin. Tatsächlich folgt auch in unseren Breiten auf ein Tiefdruckgebiet Ende Juni/Anfang Juli oft ein kühler, feuchter Sommer.

  • Die Hundstage sollen eine Periode heißer Tage zwischen 23. Juli bis 23. August markieren. Dieses Jahr steht uns die Schönwetterperiode wohl noch bevor.

  • Eine hohe Trefferquote haben dagegen folgende Bauernregeln: „Abendrot, schön Wetterbot‘“, „Morgenrot, schlecht Wetter droht“ und „Entfernen sich die Bienen nicht weit von der Beute, erwarten Schlechtwetter Land und Leute“.

Wetter-Rekorde in Deutschland

Etliche Unwetter brachen in diesem Sommer bereits über uns herein.
Etliche Unwetter brachen in diesem Sommer bereits über uns herein.  © Bernd März
  • Der meiste Niederschlag innerhalb von 24 Stunden wurde am 12. August 2002 in Zinnwald gemessen: 312 Liter pro Quadratmeter. Üblich für Zinnwald sind 102,5 Liter - allerdings im gesamten Monat August!

  • In Barth an der Ostsee fiel dagegen im Juli 1994 einen ganzen Sommermonat lang nicht ein einziger Tropfen Regen, ebenso im im Oktober 1908 in Doberlug-Kirchhain und Lindenberg (Brandenburg).

  • Den Höchsttemperatur-Rekord von 40,2 Grad stellten gleich drei deutsche Städte auf: Gärmersdorf/Amberg (Bayern) am 27. Juli 1983, Karlsruhe (Baden-Württemberg) am 9. August 2003 und Freiburg im Breisgau am 13. August 2003.

  • Am kältesten war es mit -37,8 Grad am 12. Februar 1929 in Wolnzach-Hüll (Bayern).

  • Die extremste Windböe wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze gemessen: 335 km/h.

  • Auf dem 2650 Meter hohen Zugspitzplatt wurde am 2. April 1944 die höchste Schneehöhe registriert: 8,30 Meter.

  • Der sonnenscheinreichste Ort der Republik war 1959 in Klippeneck auf der Schwäbischen Alb mit insgesamt 2329 Stunden (umgerechnet über 97 Tage).

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