Schwere Vorwürfe gegen H&M: Undercover-Recherche deckt fragwürdige Methoden auf

Köln/München - Fragwürdige Methoden bei der beliebten Modekette H&M? So lauten die Anschuldigen vieler Mitarbeiter und ehemaliger Beschäftigten.

Eine H&M-Filiale auf der Münchner Kaufingerstraße. Auch diese wurde dicht gemacht.
Eine H&M-Filiale auf der Münchner Kaufingerstraße. Auch diese wurde dicht gemacht.  © imago images / Overstreet

Ein Rechercheteam des Kölner Senders RTL ist den Vorwürfen auf den Grund gegangen, wie es nun in einer Pressemitteilung heißt.

Vorausgegangen war eine E-Mail eines ehemaligen Beschäftigten. "H&M schließt derzeit eine Filiale nach der nächsten und macht teilweise ein paar Meter weiter eine neue auf, um Personal loszuwerden", so Peter Kawan. Nach 16 Jahren im Unternehmen wurde ihm einfach gekündigt.

Zuletzt arbeitete er in einer der fünf Filialen auf der Münchner Kaufingerstraße. Diese wurde nun dichtgemacht, weshalb er entlassen wurde. Doch obwohl in gleicher Lage ein neues Geschäft eröffnet habe, beabsichtigt H&M offenbar keine Weiterbeschäftigung für den langjährigen Mitarbeiter.

"Man hat von Anfang an gesagt: Nein, das machen wir nicht. Wir haben es gefordert, wir haben gebettelt, wir haben geweint. Es wurde nicht gemacht." Und er hat auch eine Ahnung, woran das liegen könnte: "Ich glaube, dass sie einfach keine Mütter und ältere Kollegen haben wollen, die nicht mehr hochflexibel sind, die nicht immer mehr samstags arbeiten können."

In einer Stellungnahme bestreitet die Modekette die Vorwürfe. Man möchte "selbstverständlich unsere Mitarbeiter*innen aus Schließungsgeschäften weiterbeschäftigen".

RTL begibt sich auf Undercover-Recherche

H&M bestreitet die Vorwürfe.
H&M bestreitet die Vorwürfe.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Eine "Punkt 12"-Reporterin bewarb sich daraufhin erfolgreich bei der neuen Filiale in der Münchner Innenstadt. Beim Bewerbungsgespräch sagte eine Vorgesetzte zu den gekündigten Mitarbeitern: "Die kommen nicht zu uns. Die machen ihr eigenes Ding, von denen ist keiner hier... Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied."

Die Reporterin bewarb sich außerdem in einem H&M-Geschäft in Lübeck, wo sie als ungelernte Kraft einen Stundenlohn von 9,50 Euro, also knapp über dem Mindestlohn, für zehn Stunden die Woche bekommen sollte. Doch der Vertrag hatte einige Tücken. Ihre Arbeitszeiten soll sie "mindestens vier Tage im Voraus" erhalten, außerdem kann die Vergütung "entsprechend dem Umfang des Stundeneinsatzes variieren". Somit sei es nicht gegeben, eine "stabile Einkommensgrundlage zu liefern".

H&M betont aber: "Wir sind ein wertebasiertes Unternehmen und sind sehr stolz darauf, dass wir sehr viele Mitarbeiter mit einer überdurchschnittlich langen Betriebszugehörigkeit haben. Wir arbeiten jeden Tag nach dem Motto: Unsere Mitarbeiter*innen sind unser höchstes Gut."

Felix Bussmann, ver.di-Anwalt für Arbeitsrecht, zur H&M-Problematik: "Es ist so, dass H&M jetzt einen Knallhart-Kurs fährt gegenüber ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Man will damit zum Ausdruck bringen, dass die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die, die nicht so flexibel sind, nicht mehr gebraucht werden. Man will sie einfach los werden."

Das Mittagsmagazin "Punkt 12" wird die Undercover-Recherche ab Montag zeigen, bei TVNow ist sie bereits seit Sonntag abrufbar.

Titelfoto: imago images / Overstreet

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