Hochhäuser auf der A100? Stadtplaner machen kuriosen Vorschlag

Wo in Zukunft unzählige Autos in einer Unterführung verschwinden werden, kämen laut Studie auch Wohnungen ziemlich gut.
Wo in Zukunft unzählige Autos in einer Unterführung verschwinden werden, kämen laut Studie auch Wohnungen ziemlich gut.  © DPA

Berlin - Die Verlängerung der Stadtautobahn A100 gehört in der Hauptstadt zu den umstrittensten Bauprojekten. Nun machten Stadtplaner einen äußerst kuriosen Vorschlag, wie man die Flächen und Trassen anders nutzen könnte, wie rbb|24 berichtet.

Warum nicht einfach ein paar Hochhäuser bauen gegen die akute Wohnungsnot? Was ziemlich konfus klingt, ist völlig ernst gemeint, schließlich sei dies auch wesentlich ökologischer.

In einem gemeinsamen Papier fordern Stadtplaner und A100-Gegner dazu auf, die A100 in Neukölln und Treptow nicht zu Verlängerung und stattdessen die freiliegenden Gebiete für eine großflächige Bebauung von Wohnhäusern zu nutzen.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Berliner Instituts für urbane Mobilität (ium) heißt es, dass sich durch die Errichtung von Wohnhäusern auf den A100-Flächen der Berliner Wohnungsmarkt entspannen würde und damit gleichsam der Mietenanstieg gebremst werde.

Weitere Effekte wären kürzere Wege für die Bewohner und weniger Autoverkehr.

Das Autobahndreieck Neukölln als künftige Schnittstelle der A100-Verlängerung nach Nordosten Richtung Treptower Park.
Das Autobahndreieck Neukölln als künftige Schnittstelle der A100-Verlängerung nach Nordosten Richtung Treptower Park.  © DPA

Bis 2022 soll der erste Bauabschnitt vom Autobahndreieck Neukölln bis zum Treptower Park führen. Wie Anwohner mussten trotz Klagen ihre Wohnungen für den Ausbau räumen.

Weitere Klagen werden in den kommenden Jahren hinzukommen, soll in einem 17. Bauabschnitt die A100 bis zur Storkower Straße führen - direkt durch dichtbebautes Wohn- und Gewerbegebiet.

Die drei Kilometer lange Strecke soll dann vom Treptower Park zum Teil unterirdisch über zwei Ebenen bis zur Storkower Straße führen. Dafür wurden im Zuge des Neubaus vom Bahnhof Ostkreuz eine erste Vorleistung getroffen. Unter dem Kreuzungsbahnhof befindet sich ein Autobahntunnel.

Auch wenn Rot-Rot-Grün diesen Bauabschnitt erstmal auf Eis gelegt hat, so hat der Bund bereits die Gelder dafür eingeplant. Das Projekt befindet sich schon als "im Bau".

Die A100-Gegner würden die alternative Bebauung von Wohnungen sicherlich willkommen heißen, ist ihr Protest gegen die Verlängerung bisher nicht von Erfolg gekrönt.
Die A100-Gegner würden die alternative Bebauung von Wohnungen sicherlich willkommen heißen, ist ihr Protest gegen die Verlängerung bisher nicht von Erfolg gekrönt.  © DPA

Laut Studie könnten auf der Autobahntrasse auf einer Fläche von 530.000 Quadratmetern 7.400 Wohnungen enstehen. Doch das Potential liegt weitaus höher. Bei entsprechender Bebauung könnten sogar 8.800 attraktive Wohnungen gebaut werden - für circa 22.000 Menschen.

Für dem unter dem Ostkreuz vorhandenen Autobahntunnel gibt es auch schon eine Idee: "In den bereits fertiggestellten Trögen und Tunneln könnten große Tiefgaragen für langzeitparkende private PKW entstehen", so die Stadtplaner.

Auf eine mögliche Protestwelle seitens der Bevölkerung, wie beim Flughafen Tegel, werden Stadtplaner mit ihrer Studie sicher nicht stoßen, schließlich gibt es genügend Gegner der A100-Verlängerung die sicherlich Wohnungen eher begrüßen.

So löblich und überraschend der Vorschlag auch sein mag, Wohnhäuser auf der A100-Fläche zu bauen, werden die dafür kalkulierten Bebauungskosten von fast zwei Milliarden beim Bund und dem Land Berlin kein Umdenken einläuten.

Noch müssen die Autos in einer Kurve auf die Grenzallee fahren. 2022 geht es dann direkt geradeaus weiter zum Treptower Park.
Noch müssen die Autos in einer Kurve auf die Grenzallee fahren. 2022 geht es dann direkt geradeaus weiter zum Treptower Park.  © DPA

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