Alles nur geklaut? SAT.1 wegen Impro-Comedy verklagt

Köln/Hamburg/Müchen - Maike Tatzig (44), die Erfinderin der Comedy-Impro "Schillerstraße", sieht in der Sat.1-Show "Mord mit Ansage" ihre Rechte verletzt. Ihr Anwalt - kein Geringerer als Medien-Profi Ralf Höcker (47), sieht in der Auseinandersetzung gar einen Präzedenzfall für die gesamte TV-Branche.

Maike Tatzig (44) hat Klage gegen Sat.1 eingereicht.
Maike Tatzig (44) hat Klage gegen Sat.1 eingereicht.  © DPA

Wie das Medienmagazin DWDL.de schreibt, hat die Kölner Moderatorin, Autorin und TV-Produzentin Maike Tatzig beim Landgericht München I eine Unterlassungs- und Schadensersatzklage gegen Sat.1 eingereicht. Der Vorwurf lautet Formatausbeutung.

Die "Schillerstraße" lief von 2004 bis 2011 bei Sat.1. Maike Tatzig selbst war damals Formaterfinderin, Executive Producerin und selbst als "Spielleiterin" in die Sendung involviert. Sie gab schließlich den unterschiedlichen Promi-Akteuren vor, was auf der Bühne abzugehen hatte...

In diese Schuhe schlüpfte wohl seit März erneut Sat.1 und schickte mit >> "Mord mit Ansage" ein ähnliches Format über den Äther. "Mord mit Ansage" sei laut Sat.1 ein völlig neues, eigenständiges Format.

Für Maike Tatzig aber führt "Mord mit Ansage" ihre altbekannte und erfolgreiche "Schillerstraße" "mit unwesentlichen Änderungen fort und verstoße damit gegen das Urheber-, Vertrags- und Wettbewerbsrecht.

Ihre Forderung vor Gericht: Sie möchte, "dass Sat.1 bei Androhung von 250.000 Euro Ordnungsgeld dazu verurteilt wird, Herstellung und Verbreitung von "Mord mit Ansage" zu unterlassen sowie den bereits durch die ersten vier Episoden entstandenen Schaden zu ersetzen", schreibt dwdl.

Medienanwalt Prof. Dr. Ralf Höcker (47) übernimmt den Fall.
Medienanwalt Prof. Dr. Ralf Höcker (47) übernimmt den Fall.  © Imago


Sie sagt gegenüber dem Medienmagazin weiter: "Ich bin entsetzt, aber auch ehrlich enttäuscht über das Verhalten von Sat.1. Ich hätte nicht gedacht, dass der Sender nach einer so langen und erfolgreichen Zusammenarbeit meine kreativen Leistungen einfach klauen würde. Und dann noch auf eine so dreiste Art und Weise."

Man hätte bereits im September 2017 das Gespräch mit Verantwortlichen von ProSiebenSat.1 gesucht. Aus Unterföhring sei damals die Entwarnung gekommen, man habe etwas ganz anderes vor. Das war aus Tatzigs Sicht offenbar nicht so. Eine Hamburger Anwaltskanzlei wurde beauftragt, ihre Rechtsauffassung klarzumachen.

Die Anwälte der Sendergruppe teilten im April mit, ihre Prüfung der geltend gemachten Ansprüche habe ergeben, "dass diese nicht bestehen". Schließlich gebe es "Improvisationstheater" seit Jahrhunderten, Improvisations-Comedy im Fernsehen seit Jahrzehnten, so die Argumentation.

Jetzt aber klemmt sich der bekannte Kölner Medienanwalt Ralf Höcker hinter die Plagiatsvorwürfe! Beu dwdl.de sagt Höcker: "Die Klage taugt zum Präzedenzfall. 'Mord mit Ansage' ist ein Klon der 'Schillerstraße'. Mir ist kein einziger anderer Fall bekannt, in dem ein Format so dreist kopiert wurde. Wir sind daher zuversichtlich, dass das Gericht endlich einmal eine Formatklage positiv bescheiden wird. Übrigens halten wir das Vorgehen von Sat.1 sogar für strafbar und erstatten daher auch Strafanzeige gegen die Verantwortlichen."

Weiter sagt er: "Mir ist kein anderer Fall bekannt, in dem ein Format so dreist kopiert wurde. Wir halten das Vorgehen von Sat.1 sogar für strafbar und erstatten daher auch Strafanzeige."

Maike Tatzig (Mitte) war Formaterfinderin, Executive Producerin und selbst als "Spielleiterin" in die Sendung "Schillerstraße" involviert.
Maike Tatzig (Mitte) war Formaterfinderin, Executive Producerin und selbst als "Spielleiterin" in die Sendung "Schillerstraße" involviert.  © Imago