"Sensen-Högel": Pflegerin erinnert sich an grauenvolle Nacht mit Patientenmörder

Oldenburg - Zeugen mit Erinnerungslücken gab es im Prozess um den Oldenburger Patientenmörder Niels Högel schon häufiger. Am Mittwoch sagte dagegen eine frühere Krankenpflegerin aus, die sich an grauenvolle Details erinnert.

Der wegen Mordes an 100 Patienten angeklagte Niels Högel betritt an einem Prozesstag den Gerichtssaal.
Der wegen Mordes an 100 Patienten angeklagte Niels Högel betritt an einem Prozesstag den Gerichtssaal.  © DPA

Zunächst beschrieb sie ihren ehemaligen Kollegen als freundlich und hilfsbereit.

Sie erinnerte sich aber auch an eine gemeinsame Nachtschicht, in der es zu einer auffälligen Häufung von Reanimationen im Oldenburger Klinikum gekommen sein soll.

Am Mittwoch sagte die 54-jährige Zeugin vor dem Landgericht in Oldenburg, es habe in jener Nacht sechs Reanimationen gegeben.

"Hier spukt es wohl, wir mussten fast von einem Zimmer zum anderen rennen", erinnerte sich die Zeugin. "Es war grauenvoll."

Högel sei auch schon zu dieser Zeit als regelrecht "reanimationsgeil" bekannt gewesen, Kollegen hätten ihn auch als "Sensen-Högel" bezeichnet, sagte die 54-Jährige weiter.

Der bereits Verurteilte steht seit Oktober erneut vor Gericht und muss sich wegen 100 Morden in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst verantworten (TAG24 berichtete). Seinen Opfern soll er dabei nicht angeordnete Medikamente gespritzt haben, um sie anschließend heldenhaft zu reanimieren (TAG24 berichtete). Doch das gelang nicht immer.

Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte das Landgericht Oldenburg den Mann bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Prozess sagten am Mittwoch auch weitere Verwaltungsangestellte und Mitarbeiter der Kliniken aus. Die Anhörung des Oldenburger Klinik-Geschäftsführers Dirk Tenzer wird mit besonderer Spannung erwartet. Ihm hatte ein ehemaliger Krankenpfleger vergangene Woche vorgeworfen, die Klinikleitung habe Zeugen unter Druck gesetzt.

Das Krankenhaus habe ihm einen Anwalt zur Seite stellen wollen, um seine Aussagen zu kontrollieren. Tenzer hatte dies auf Anfrage bestritten.

Titelfoto: DPA


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