Geisterfahrer im Wahn: 43-Jähriger fühlt sich als Teil eines Experiments

Hövelhof/Bielefeld - Im September ist ein 43-Jähriger als Geisterfahrer auf der A2 in Gütersloh unterwegs gewesen. Jetzt muss sich der Mann aus Hövelhof wegen des Verdachts des versuchten Mordes vor dem Landgericht in Bielefeld verantworten.

20 Autos kamen dem Mann aus Hövelhof entgegen. (Symbolbild)
20 Autos kamen dem Mann aus Hövelhof entgegen. (Symbolbild)  © DPA

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sowohl seinen eigenen als auch den Tod anderer beteiligter Personen verursachen wollte. Mit 100 km/h kam er 20 anderen Autos entgegen, deren Fahrern es gelang reflexartig auszuweichen, da es ansonsten wohl zu einem tödlichen Unfall gekommen wäre.

Der 43-Jährige soll zum Tatzeitpunkt unter einem akuten psychotischen Schub im Rahmen einer paranoiden Schizophrenie gelitten haben. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass er wegen mangelnder Einsichtsfähigkeit im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben soll.

"Ich hatte nur einen Gedanken: Ich darf nicht abbiegen, sonst gibt es einen Unfall", wird der Angeklagte vor Gericht von der Neuen Westfälischen zitiert. Dass er andere oder sich selbst töten wollte, bestritt er allerdings. Stattdessen hätte er im Wahn gehandelt.

Als Teil eines von seinen Ärzten organisierten Experiments habe er die Wahl gehabt: Entweder er fährt als Geisterfahrer auf die Autobahn oder seine Familie werden "fertig gemacht, und ich würde zum Sex mit meiner Tochter gezwungen."

Dass niemand verletzt wurde, sei für ihn "ein Wunder", allerdings auch noch Teil des Experiments gewesen. Selbst die Gerichtsverhandlung spiele ebenfalls in seinem Wahn noch mit. Das bestätigte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Titelfoto: DPA


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