"Horror-Haus"-Prozess: Sprach-Nachrichten schockieren

Der Prozess um Angelika (rechts) und Wilfried W. (links) geht weiter.
Der Prozess um Angelika (rechts) und Wilfried W. (links) geht weiter.  © DPA

Höxter/Paderborn - Nachdem der 32. Prozesstag, der eigentlich am 2. Oktober hätte stattfinden sollen, wieder einmal überraschend abgesagt wurde, soll am Dienstag der Fall von Angelika (48) und Wilfried W. (47) weiter verhandelt werden.

In der vergangenen Woche fiel die Verhandlung aus, da ein Schöffe plötzlich erkrankt war (TAG24 berichtete). Auch der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus wurde davon überrascht. Erst warteten alle Anwesenden auf das Erscheinen des Schöffen, bis klar wurde, dass er nicht kommen wird.

Ein Ersatzschöffe wurde nicht eingesetzt, da keine vierwöchige Pause drohte. So geht es jetzt weiter mit dem Prozess, der sich voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr ziehen wird.

Nachdem am 31. Verhandlungstag unter anderem Sprachnachrichten verlesen wurden, sollen die jetzt im Original abgespielt werden.

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie über Jahre hinweg mehrere Frauen in ihr Haus gelockt und dort schwer misshandelt haben sollen. Der 47-Jährige und die 48-Jährige sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien.

TAG24 berichtet ab Beginn wieder im Live-Ticker!

11.50 Uhr: Die Verhandlung wird fortgesetzt. Nun wird nochmals ein Video gezeigt, das Angelika W. mit ihrem Handy auf dem Gehöft in Bosseborn gefilmt hat. Wie schon zuvor spielt sich das Geschehen in der Küche ab.

Angelika filmt, Anika W. und Wilfried am Küchentisch sitzend. Das bereits gesehene Video zeigt eine unterwürfige Anika. Wortführerin ist Angelika, ab und zu wirft Wilfried etwas unverständliches ein.

Angelika im Video: "Nun erzähl mal, Anika. Was hat Dein Vater gemacht? Was hast Du heute gemacht? Ich will mich mit Dir unterhalten, das kann man aber garnicht. Du hast nicht geputzt, Du bis ein faules Stück. Vernünftig reden geht garnicht mit Dir.

Was tust Du denn hier? Den Wischlappen dreckig machen. Dafür braucht Dich Wilfried nicht. So einen Kotzbrocken wie Dich gibt es garnicht. Zu doof zum reden, zu doof zum Kochen, zu doof. Einfach nur verkommen. Primitiv. Guck Dich doch an."

Nun wird noch ein Video abgespielt, das ungefähr eine Woche vor dem Tod aufgenommen wurde.

Wieder ist Angelika die Wortführerin in dem Video. Sie ist aber kaum zu verstehen. Es sind wieder irgendwelche Vorwürfe, die sie Anika macht. Sie scheinen vor einem Supermarkt in Höxter zu stehen. Es geht um einen Joint, den Anika vermutlich rauchen will.

Anika ist kaum zu verstehen. Sie ist wieder leise und unterwürfig. Angelika: "Kannst Du auch ein bisschen lauter reden? Wir können uns doch hier ein wenig unterhalten. " Das ist nur eine kurze Frequenz.

Eine Woche später starb Anika dann auf dem Gehöft in Bosseborn. Die Leiche wurde erst in eine Tiefkühltruhe gesteckt, später zersägt und dann in kleinen Stücken im Wohnzimmerofen verbrannt. Ihre Asche wurde, vermengt mit Streugranulat auf den winterlichen Stra0ßen von Bosseborn verstreut.

Angelika berichtete vor Gericht: "Wilfried hätte mich nie filmen lassen, wenn er der Wortführer oder Anstifter für irgendetwas gewesen wäre. Ich hatte Angst, dass er Sachen findet, von denen er annehmen konnte, dass ich ihn damit erpressen will. Es gibt keine Videos, die Wilfried besonders belasten könnten."

Da die Stimme von Richter Emminghaus sehr strapaziert ist, wird er die Sitzung für heute beenden. Die nächste Verhandlung ist dann für den 24. Oktober 2017 anberaumt.

10.55 Uhr: "Die Videos habe ich mir teilweise später noch einmal angesehen, aus Langeweile", sagt Angelika in ihrer Aussage vor Gericht. Wenn Wilfried andere Frauen besuchte, und ich im Auto warten musste, habe ich mir die Videos zum Zeitvertreib angeschaut.

Jetzt ist eine Pause von etwa 30 Minuten.

10.40 Uhr: Der Richter fragt Angelika W., warum sie die Aufnahmen gemacht hat, stundenlang: "Was war der Grund?"

Angelika: "Ich war der Entertainer im Hause Bosseborn. Ich wollte das ganze in die Länge ziehen. Ich wollte ebenso etwas in der Hand haben, wie Wilfried in diesen Situationen agierte und reagierte.

Zum Anfang hat mir Wilfried noch gesagt, ich soll Situationen filmen. Später habe ich selber die Entscheidungen getroffen. Ich hatte in einer Hand das Handy, der andere Arm war ja verletzt. So kam ich auch nicht in Versuchung, körperliche Gewalt anzuwenden, da ich keine Hand freihatte.

Der Strafverteidiger von Angelika sagte weiter: "Es gibt von dieser Sorte Video noch tausende andere Videos."

10.35 Uhr: Angelika W. zu Anika: "Damals haben Du und Wilfried dicke Ringe gekauft und geheiratet. Und heute ist alles Scheiße. Jetzt hast Du Dich als faules Ei entpuptp, Anika! Da werden wir Dich eben entsorgen, dann ist es auch gut. Wenn die dieses Handy mit den Videos irgendwann in tausend Jahren finden, werden die auch staunen, was hier los war in Bosseborn. Ein Hoch auf die Technik.

Willst Du jetzt die Wäsche wieder dreckig machen, Anika? Puffmutter und Krankenschwester, diese Begriffe passen doch für mich. Nimm das Handy, Wilfried, dann kannst Du Dir Anika angucken. Ich habe sie in Großaufnahme. Du brauchst Wilfried gar nicht anzuschauen, Anika, der hilft Dir auch nicht. Gleich schläft Anika ein. Wilfried kann irgendwann nervlich nicht mehr." Im Hintergrund murmelt Wilfried irgendetwas unverständliches.

Angelika: "Warum fragt die alte K. (Mutter von Anika) eigentlich nicht, wie es dem Köter von Anika geht? Vermutlich genau so verblödet. Wollte sich Deine Ehefrau nicht auch noch körperlich betätigen, Wilfried? Wischen sollte Sie, das Badezimnmer wischen. Guck nicht so blöd mit Deinem Kittauge, Anika. Da sind drei Lappen für Dich, kannst auch den Teppichboden wischen, Du faule Pute."

Soweit das Video. Es wurde von Anika aufgenommen und die Situation spielte nach den Geräuschen vermutlich in der Küche.

10.20 Uhr: "Sie verspricht Dir immer einen Haufen Scheiße, Wilfried, und am nächsten Tag hat sie alles vergessen. Sie ist zu blöd um zu hören!" So beschimpft Angelika in dem Video die eingeschüchterte Anika.

"Das heulende Elend, aber Mutti ist bei Dir", sagt Angelika mitleidig zu Anika."Guck Dir die Alte an, jede vernünftige Ehefrau in Deutschland kann das, sie kann noch nicht einmal richtig stehen, vermutlich Übergewicht".

Im Hintergrund lacht sich Wilfried halb über den Spruch von Angelika. "Sie scheint mir einen Hüftschaden zu haben. Hast Du die Alte damals nicht im Hellen gesehen. Sonst hast Du doch immer Geschmack gehabt. Den Hüftschaden hat sie vermutlich von ihrer Mutter. Wilfried macht alles für dich, und Du? Bist dreckig, schmutzig, hast Haare in der Zahnbürste, schläfst im schmutzigen Bett. Sie ändert sich einfach nicht, sie macht es nicht, heute Mittag kam sie wieder mit dem dreckigen Köter nach Hause."

Die Beschimpfungen und Beleidigungen sind auf tiefstem Niveau.

10.05 Uhr: Inzwischen ist auch klar, dass es sich bei dem Opfer im vorgespielten Streitgespräch um Anika W. handelt. Sie war das erste Opfer auf dem Gehöft in Bosseborn, starb dort, wurde eingefroren, später verbrannt. Ihre Asche wurde mit Streugranulat vermischt und im Winter auf die Strassen um Bosseborn verstreut.

Die Mutter von Anika W., die seit Prozessbeginn am 26. Oktober jeden Verhandlungstag verfolgt, hat den Sitzungssaal verlassen. Sie sitzt draußen auf dem Flur, weil sie es nicht ertragen kann, die Stimme ihrer getöteten Tochter zu hören.

Im Gespräch geht es, akustisch kaum zu verstehen, um die Karatekünste von Wilfried, die Angelika herausstellt. Der Ton wird immer aggressiver, von Angelika und Wilfried W. Die Stimme von Wilfried überschlägt sich.

"Trotzkopf" beschimpft Angelia W. das Opfer Anika. "Du hast Deinen Mund nicht unter Kontrolle", beschimpft Angelika die eher zurückhaltend klingende Frau, die sich nur leise versucht zu verteidigen.

9.55 Uhr: Ein Bild ist von diesem Dokument, das auf dem Handy von Wilfried sichergestellt wurde, ist für Besucher und Medien nicht zu sehen. Strafverteidiger, Staatsanwalt, Vertreter der Nebenklage stehen im Rücken des Vorsitzenden Richters Bernd Emminghaus und schauen sich das Video an. Der Ton ist meist unverständlich.

Es geht um Belanglosigkeiten in dem Dreiergespräch zwischen Angelika, Wilfried und einem Opfer. Angelika W. ist die Wortführerin. In schroffem, herrischen Ton beklagt sie sich über das ständige Gerede im Haus in Bosseborn. Das Opfer kommt kaum zum Zuge.

Wilfried ist kaum zu verstehen, verschluckt Worte, bringt Sätze nicht zu Ende. Er spricht schnell, teilweise ebenso harsch und bestimmend wie Angelika.

Es geht auch um die Verhaltensweisen des Opfers im Hause Bosseborn. Sie soll Haare im Badezimmer hinterlassen haben, soll viel zu lange schlafen und nicht richtig auf die Wünsche von Wilfried eingehen, wobei es nicht um Sexualität sondern um ganz banale Dinge im Haushalt geht.

Angelika sagt, wenn sie nicht pariere, könne sie ihre Sachen unten in die Garage stellen und abhauen. Angelika agiert als Sprachrohr für Wilfried, sie artikuliert für ihren Ex-Mann Wünsche und Beschwerden. Das Opfer hat eine weiche, eher weinerliche Stimme und versucht sich zu verteidigen.

9.35 Uhr: Direkt zum Start des Prozesses hat Detlev Binder, Strafverteidiger von Wilfried W., den Antrag gestellt, alle mehr als 12.000 Dateien zu durchleuchten. Das Gericht würde so erkennen, dass Wilfried nur ein kindlicher Träumer sei.

Dem widersprach Peter Wüller, Verteidiger von Angelika W., deutlich! Aus seiner Sicht wäre es unerträglich, ein positives Bild von Wilfried zu erhalten. Er schließt sich dem Antrag des Kollegen an.

Der vorsitzende Richter Emminghaus erklärte daraufhin: "Wir wollen heute eine Audio- und Videodatei ansehen und anhören, danach vielleicht noch zwei weitere. Dann werden wir über den Antrag der beiden Strafverteidiger entscheiden, alle Dateien in Augenschein zu nehmen."

Ein Streitgespräch zwischen Angelika W., Wilfried W. und einem Opfer, das um viel Geld betrogen wurde, soll vorgespielt werden. Die Bilder können die Medien nicht sehen.

9.05 Uhr: Am heutigen Prozesstag scheint der Saal voll zu sein. In der letzten Woche musste die Verhandlung vor Beginn abgesagt werden, weil einer der Schöffen erkrankt ist und nicht im Gericht war (TAG24 berichtete).

Erneut startet der Prozess mit Verspätung in den Tag.

Titelfoto: DPA


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