Stark loyal und übertrieben sozial? So sieht sich Wilfried W. selbst!

Wilfried W. scheint eine merkwürdige Selbstwahrnehmung zu haben.
Wilfried W. scheint eine merkwürdige Selbstwahrnehmung zu haben.  © DPA

Paderborn - Kaum ist das neueste psychiatrische Gutachten zu Wilfried W. (47) da (TAG24 berichtete), kommen immer mehr Details zu dem Angeklagten im Höxter-Mordprozess ans Licht.

Weder dem 47-Jährigen noch seinem Anwalt Detlev Binder dürften die Ergebnisse von Psychiater Prof. Dr. Michaels Osterheider schmecken. Denn wie beim ersten Versuch kam der Gutachter wieder zu dem Schluss, dass Wilfried W. voll schuldfähig ist.

Erneut empfiehlt er, den Angeklagten nach einer Verurteilung in Sicherungsverwahrung zu nehmen. Auch von der Feststellung, dass Wilfried W. zu erheblichen Straftaten neigt, rückt er nicht ab.

In dem 100-seitigen Gutachten kommt Osterheider zu dem Schluss, dass der Patient an einer sadistischen und dissozialen Persönlichkeitsstörung leidet.

Sein aggressives, impulsives und verantwortungsloses Verhalten und das Missachten von sozialen Normen seien typisch für Menschen mit solch einem Krankheitsbild. Empathie sucht man bei diesen Patienten vergebens, auch Schuldgefühle sind ihnen fremd.

Prof. Dr. Michael Osterheider erstellte zum zweiten Mal das psychiatrische Gutachten von Wilfried W..
Prof. Dr. Michael Osterheider erstellte zum zweiten Mal das psychiatrische Gutachten von Wilfried W..  © DPA

Von den Misshandlungen und Quälereien, die auf dem Gehöft in Höxter-Bosseborn stattgefunden haben sollen und für die er sich gemeinsam mit seiner Ex-Frau Angelika W. (48) verantworten muss, will Wilfried W. erst aus Erzählungen der Mitangeklagten erfahren haben. Bis heute streitet er eine Mittäterschaft ab.

Er ist der Ansicht, dass er sich lediglich deshalb schuldig gemacht habe, weil er die Dinge geschehen lassen hat, ohne einzugreifen oder den Opfern zu helfen, wie es in der Neuen Westfälischen heißt.

Wer das schon unglaublich findet, sollte sich jetzt festhalten! Noch unglaublicher klingt nämlich die Selbsteinschätzung von Wilfried W.! In zwei Selbstbeurteilungsverfahren beschrieb er sich demnach als eine hilfsbereite Person.

Er habe ein stark loyales Verhalten, stelle eigene Wünsche zurück, sei emotional, übertrieben sozial und pflege ein rücksichtsvolles und soziales Verhalten.

Mit dieser Einschätzung stimmt das Resultat, zu dem Psychiater Osterheider kommt, irgendwie so gar nicht überein. Der Gutachter spricht nämlich von "hohem Aggressionspotential und schweren anderen seelischen Abartigkeiten".

Titelfoto: DPA


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