Vorwurf Puff-Besuch: Nach Rauswurf rechnet Ex-Chef mit AfD ab

Schwerin - Schlammschlacht bei der AfD im Nordosten: Von einem "Jahrmarkt der Heucheleien" schreibt Holger Arppe im Zusammenhang mit seinem Rauswurf aus der Partei.

Holger Arppe war mal Landeschef der AfD in Mecklenburg-Vorpommern und wurde kürzlich aus der Partei geworfen.
Holger Arppe war mal Landeschef der AfD in Mecklenburg-Vorpommern und wurde kürzlich aus der Partei geworfen.  © dpa/Jens Büttner

Das Landesschiedsgericht hat den ehemaligen Landeschef der Partei in Mecklenburg-Vorpommern in der vergangenen Woche wegen gewaltverherrlichender Chats aus der Partei ausgeschlossen (TAG24 berichtete).

Nun wirft Arppe seinen ehemaligen Parteifreunden Heuchelei vor und packt pikante Details aus.

Auf seiner Internetseite schildert Arppe einen Puff-Besuch von AfD-Fraktionsmitgliedern.

Nach einem Abendessen soll es im Frühsommer 2017 in ein bekanntes Schweriner Bordell gegangen sein, "wo vor allem junge Brasilianerinnen ihre Dienste anbieten", schildert Arppe den Vorfall.

Für ihn "als homosexuell empfindender Mann" sei der Ort ungewöhnlich für einen Absacker nach dem Essen gewesen.

Beim Schnaps blieb es bei den meisten AfDlern anscheinend nicht. Im Puff hätten mehrere Politiker Pillen eingeworfen und seien dem "zweifelhaften Vergnügungen" nachgegangen.

Verwerflich daran: Unter den AfD-Abgeordneten sollen verheiratete Familienpolitiker und -väter gewesen sein. Ehebruch im Puff? Das passt nicht ins Bild der sonst in der Öffentlichkeit den Wert der traditionellen Familie hochhaltenden AfD.

Außerdem sei ein Politiker beleidigend und rassistisch geworden. Er soll gerufen haben, dass er "eigentlich keine dreckigen Negerfotzen ficken würde".

Ebenjene Parteimitglieder würden sich nun als Moralapostel aufspielen, dabei mangele es ihnen an Glaubwürdigkeit, meint Arppe.

Nach Angaben der Ostsee-Zeitung weisen zwei beschuldigte hochkarätige AfD-Mitglieder Arppes Anschuldigungen zurück.

Anscheinend hatte der 45-Jährige gehofft, durch sein Wissen von einem Parteiausschluss verschont zu bleiben. So schreibt er: "Wer um seine eigenen Fehler weiß, der hält sich fürderhin zurück, wenn es um die Fehltritte anderer geht."

Schon länger sieht sich Arppe als Opfer eines Konkurrenz-Kampfes in der AfD im Nordosten. Mit einer "fürchterlichen Rufmordkampagne" sollte seine Kandidatur als Fraktionsvorsitzender verhindert werden.

Seine Gewaltfantasie bezeichnet er als "Tagtraum" in einem sehr kleinen privaten Kreis und fasst seine Gedanken noch mal kurz zusammen: "die linksextremistischen Gegner der AfD am liebsten aufs Schafott zu schicken".

Andere Mitglieder der Chatgruppe, in der Arppe Gewalt verherrlicht haben soll, seien für ähnliche Sätze nicht zur Verantwortung gezogen worden. Der damalige Fraktionsvorsitzende und inzwischen im Bundestag sitzende Leif-Erik Holm habe nichts gegen sie unternommen.

Gegen seinen Parteiausschluss will Holger Arppe vor dem Bundesschiedsgericht der AfD vorgehen. Bis dahin dürfte es noch interessant werden. Im Titel seines Textes schreibt er "Teil 1 von 2".

Titelfoto: dpa/Jens Büttner


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