Hier kommt die Asylunterkunft zum Selberbauen

Das Holzhaus in dreifacher Ausfertigung. In einem Würfel können bis zu acht Menschen unterkommen.
Das Holzhaus in dreifacher Ausfertigung. In einem Würfel können bis zu acht Menschen unterkommen.

Von Torsten Hilscher

Dresden/leipzig - Die vielen Menschen, die sich derzeit vor Krieg und Verfolgung nach Europa retten, machen Sachsens Gemeinden zu schaffen. Wohin mit all den Flüchtlingen? Schulen und Turnhallen sind nur Notbehelf und reichen kaum noch aus. Eine Idee verspricht jetzt Entlastung: Kommunale Asylunterkünfte zum selber bauen.

Die Idee ist so einfach wie genial: Wohn-Holzwürfel mit einer Grundfläche von 5 mal 5 Metern, die im Innern auf zwei Etagen Raum für acht Bewohner bieten - inklusive Einbauregalen und Heizung.

Das Wichtigste: Sie lassen sich von Tischlerbetrieben vor Ort schnell und einfach herstellen, sind dazu noch günstig: 50 000 Euro Materialkosten pro Wohneinheit plus 22 000 Euro für die Handwerkerleistung. Das macht 9 000 Euro pro Flüchtling.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.
Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Zum Vergleich:

Dresden will ein Hotel für 3,6 Millionen kaufen lassen, in dem 115 Flüchtlinge unterkommen sollen. Jeder Platz würde dort damit 31 300 Euro kosten.

Entwickelt wurde der Wohnwürfel von Architekten im Auftrag des Deutschen Städte- und Gemeindetages (DStGB) mit dem Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, berichtet DStGB-Chef Gerd Landsberg. Die Baupläne werden zum Preis von 620 Euro an Kommunen abgegeben.

„Jeder Würfel ist modular erweiterbar, kann also ergänzt werden“, sagt die Sprecherin des Städtebundes, Agneta Psczolla. Und Landsberg schwärmt: „Die Fertigung kann in der jeweiligen Region vergeben werden. Dazu werden wir uns auch mit den Handwerkskammern in Verbindung setzen.“

Leipzig hat bereits Kontakt nach Rheinland-Pfalz. „Wir sind uns der Vorteile des modularen Holzbaus bewusst“, heiß es aus dem Leipziger Rathaus.

„Die Stadt beabsichtigt für 250 Personen im Gewerbepark Leipzig-Nordost (Braunstraße) eine Einrichtung in modularer Holzbauweise zu errichten.“

Neue Flüchtlinge: Sachsen hat noch wenige freie Plätze

Gerade für Flüchtlingsfamilien ist der Aufenthalt in Massenquartieren eine Qual.
Gerade für Flüchtlingsfamilien ist der Aufenthalt in Massenquartieren eine Qual.

In den kommenden Tagen werden wieder Hunderte Flüchtlinge erwartet. Allein am Mittwoch trafen 516 Menschen im Freistaat ein, sagte der Asylkoordinator des Landes, Dirk Diedrichs (52).

Fast die Hälfte aller Ankömmlinge stamme aus Syrien (49%), 17% aus Afghanistan, 12% aus dem Irak und drei Prozent aus Pakistan.

Um die Menschen unterzubringen, betreibt der Freistaat derzeit 41 Erstaufnahmeheime (EAE) mit insgesamt 14 389 Plätzen. Davon belegt sind 13 159. Von dort aus werden regelmäßig Asylbewerber an die Kommunen verteilt.

Donnerstag waren es 393, Freitag werden es 132 Menschen sein.

Neue oder erweiterte EAE sind unter anderem der Flugplatz in Görlitz, eine Soccer-Halle in Leipzig-Plagwitz, eine Zeltstadt in Leipzig-Mockau und die Kaserne in Frankenberg. Die Kapazitäten zur Registrierung der Flüchtlinge werden erweitert:

Mitte November nimmt eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Leipzig ihren Dienst auf, später eine in Dresden.

Unterricht für Flüchtlingskinder: Sachsen sucht dringend Lehrer

Deutschunterricht für Flüchtlingskinder in einer Willkommensklasse.
Deutschunterricht für Flüchtlingskinder in einer Willkommensklasse.

Das Land Sachsen sucht händeringend nach Lehrern für Schüler aus Flüchtlingsfamilien. Auf die Vielzahl der Zugereisten war einfach niemand eingestellt, sagt Kultusministerin Brunhild Kurth (61, CDU).

Wörtlich sprach sie von einer Ausnahmesituation: „Zurzeit gibt es an den allgemein- und berufsbildenden Schulen 25 671 Schüler mit Migrationshintergrund.“

5000 müssten erst einmal in Vorbereitungsklassen für den Schulalltag fit gemacht werden. Bis zum Jahresende rechnet die Ministerin mit 5300 Schülern in dieserart Klassen.

Lehrer, die mit den Schülern arbeiten, müssen eine Befähigung für „Deutsch als Zweitsprache“ haben. Daran mangele es. Daher würden die Unis in Chemnitz, Leipzig, Dresden mehr Lehrer ausbilden.

Neu: Auch Freie Schulen dürfen nun Flüchtlingskinder aufnehmen!

Freut sich über jeden neuen Lehrer: Kultusministerin Brunhild Kurth (61, CDU).
Freut sich über jeden neuen Lehrer: Kultusministerin Brunhild Kurth (61, CDU).

Fotos: Andreas Weihs, dpa, Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, Ove Landgraf


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