Folterprozess: Drei Frauen im Zeugenstand

Über Zeitungsannoncen nahmen Angelika (48) und Wilfried W. (47) Kontakt zu Frauen auf.
Über Zeitungsannoncen nahmen Angelika (48) und Wilfried W. (47) Kontakt zu Frauen auf.

Paderborn - Es geht mittlerweile in die 25. Prozessrunde um das Folter-Paar aus dem Horror-Haus aus Höxter-Bosseborn. Den beiden Angeklagten Wilfried (47) und Angelika W. (48) wird vorgeworfen, dass sie mehrere Jahre lang Frauen auf ihr Gehöft lockten und sie dort misshandelten. Zwei Frauen starben dabei.

Der Mordprozess vor dem Paderborner Landgericht zieht sich mittlerweile immer mehr in die Länge. Andauernd werden neue Zeugen geladen, die vor dem vorsitzenden Richter Bernd Emminghaus aussagen.

Nachdem ein Vernehmungsbeamter der Kripo Bielefeld beim letzten Prozesstag berichtete, dass rund 15.000 Sprachnachrichten von Angelikas und Wilfrieds Handy ausgewertet wurden, werden dieses Mal drei Frauen als Zeuginnen aussagen.

Eine der drei Frauen ist eine Schiedsfrau, die vor rund drei Jahren einen Streit zwischen Angelika und einer Nachbarin schlichten sollte. Die zweite und dritte Zeugin lernte Wilfried über Kontaktanzeigen kennen. Mit ihnen traf er sich, allerdings nicht auf dem Hof in Bosseborn. Sie werden vermutlich ihre Erlebnisse schildern.

TAG24 berichtet ab Prozessbeginn wieder mit einem Live-Ticker.

Damit ist der 25. Verhandlungstag beendet. Noch in dieser Woche will Prof. Michael Osterheider das Gutachten zu Wilfried W. vorlegen. Alle warten mit Spannung auf das Dokument. In der nächsten Woche wird ein Zellengenosse von Wilfried W. gehört. Außerdem soll ein Gerichtsmediziner gehört werden zum Tod und Obduktion der gestorbenen Susanne F.

12.40 Uhr: Zeugin: "Ich bin zweimal von einer Kripobeamtin vernommen worden. Ich hatte panische Angst vor den beiden, als ich im Fernsehen mitbekam, was die beiden Angeklagten den anderen Frauen angetan haben. Wilfried gab immer die Kommandos, Angelika war sein Sklave. 'Abwaschen! Saubermachen! Tür schließen!', diese Kommandos gab es ständig von Wilfried gegenüber Angelika. Wilfried hat sehr viel telefoniert. Von den Inhalten habe ich nichts mitbekommen. Wilfried hatte eindeutig die Hosen an auf dem Gehöft in Bosseborn. Über Geld wurde mit mir nie gesprochen.

Nach dem Verlassen von Bosseborn hatte ich Angst. Ich habe mich immer am Tag eingeschlossen. Das mache ich heute noch. Ich wurde immer unruhig, wenn es dämmerte. Ich befürchtete, dass er wiederkommt. Er wusste ja, wo ich wohne. Wovor ich genau Angst hatte, kann ich nicht beschreiben."

12.30 Uhr: Zeugin: "An den nächsten Tagen hatten wir keinen Geschlechtsverkehr mehr. Ich wollte das nicht. Er folgte mir ins Bad. Da habe ich die Tür von innen zugeschlossen. Er hat geklopft, aber darauf habe ich nichts gegeben. Er ist dann wieder runter gegangen. Er hat mich nicht bedroht. Es gab keine Fesselungen und keine Schläge. Nach einer Woche hatte ich genug von Bosseborn. Mir passte Wilfrieds ständiger Wunsch nach Sex nicht. Vor den Tieren hatte ich keine Angst. Ich bin auch mit Tieren groß geworden. Wilfried wollte dann wieder Intimitäten, doch ich verweigerte mich und wehrte mich dagegen. Ich habe Wilfried einmal getreten und habe ihn auch mal geboxt. Da wurde Wilfried sauer, er hat aber darauf nicht reagiert. Ich habe ihm auch mal mit beiden Händen ins Gesicht geschlagen. Er sagte nur, was soll das. Schlägst du mich noch mal, kannst Du was erleben.

Mit Angelika habe ich mich nur unterhalten, mehr nicht, wie ganz normale Menschen. Groß in Kontakt waren wir nicht. Bei Angelika war mir aufgefallen, dass sie auf der linken Seite eine Verbrennung hatte. Damals trug sie auch noch eine Brille. Ich habe ihr empfohlen, dass sie zum Arzt geht. Sie erzählte mir, dass der Wasserkocher runtergefallen sei und sie sich dabei den Arm verbrüht habe.

Bei Angelika fehlten auch Haare auf dem Kopf, ein kleiner Flecken war kahl. Ich habe nicht gefragt, wie das passiert ist. Ich habe der Polizei damals gesagt, dass ich angenommen habe, die Haare wurden herausgerissen. Angelika hat mir gesagt, beim Kämmen hätte sie sich die Haare herausgerissen. Geglaubt habe ich das nicht, aber es war kein Thema für mich.

Es gab keinen Streit mit Angelika, auch mit Wilfried nicht, nur wegen seines ständigen Drängens nach Sex habe ich dann Bosseborn verlassen. Damit hatte ich ein Problem. Ich hätte aber auch so nicht in Bosseborn leben wollen. Bei mir zu Hause war es schöner.

Ich bin damals, nachdem ich Bosseborn verlassen hatte, umgezogen, weil ich befürchtete, dass Wilfried vielleicht doch noch mal bei mir auftaucht. Wir haben damals verabredet, dass wir über SMS in Kontakt bleiben. Aber es war dann nichts mehr. Ich habe noch mal geschrieben, von Wilfried kam aber keine Antwort mehr. Dann habe ich mir gedacht: Aus dem Auge, aus dem Sinn.

Wilfried und Angelika sind ziemlich schroff miteinander umgegangen. Wilfried war dabei der Wortführer, er gab Angelika Anweisungen. Sie gingen sehr ruppig in einem Kommandoton miteinander um. Angelika war immer ein sehr ruhiger Typ im Gegensatz zu Wilfried."

12.20 Uhr: Die Verhandlung wird fortgesetzt mit der Vernehmung einer Zeugin, die kurzen Kontakt zu Wilfried hatte. Anfangs verneinte sie, Wilfried zu kennen, weil sie Angst hatte vor Wilfried. Sie habe aber gelogen, natürlich kenne sie beide Angeklagten.

Zeugin: "Ich bin von Wilfried nie misshandelt worden. Ich habe Wilfried über eine Kontaktanzeige kennengelernt. Bei der polizeilichen Aussage habe ich damals von Uwe gesprochen. Es war natürlich Wilfried. Ich kann mich erinnern, es war 2011. Da war mein zweiter Mann gestorben. Ich bin ein Mensch, der nicht alleine sein kann. Ich habe mich gemeldet auf die Anzeige. Zuerst gab es nur SMS-Kontakt zwischen Wilfried und mir. Wilfried machte mir das Angebot, er wolle mich zu Hause abholen. Er kam dann mit einem Auto. Angelika ist gefahren. Es war ein kleiner Transporter. Hinten war alles zu. Es waren dort keine Sitze. Ich musste auf einer kleinen Stiege sitzen.

Ich war dann insgesamt eine Woche in Bosseborn. Wir kamen in Bosseborn an, es war schon Abend. Ich habe mich erst mal ausgeruht, Wilfried hat mir seine Tiere gezeigt und dann war Schlafenszeit. Wir haben beide auf der Couch in der Wohnstube geschlafen, Angelika oben. Es war ganz normal. Er hat mich auch gestreichelt. Es wollte dann auch intimen Kontakt. Das wollte ich aber nicht. Wilfried hat sich daran gehalten. Am nächsten Tag sind wir aufgestanden, haben Kaffee getrunken, Angelika hat sauber gemacht. Er zeigte mir seine Schweine und Ziegen. Wenn ich Lust hätte, könnte ich auch ausmisten. Das habe ich dann auch gemacht. Wir haben dann irgendwo in der Stadt geduscht, aber getrennt. Angelika hat Futter besorgt für die Tiere. Der erste Tag war ganz normal in Bosseborn.

In der zweiten Nacht haben wir auch gekuschelt, dann er wollte er wieder Sex, und ich habe dann eingewilligt. Das kann aber auch am dritten Tag meiner Anwesenheit in Bosseborn gewesen sein. Der intime Kontakt war dann doch nicht ganz in meinem Sinne. Wilfried wollte eigentlich jeden Tag Sex. Er gebrauchte obszöne Worte, die ich nicht kannte. Er wollte, dass ich wiehere wie ein Pferd. Auch das wollte ich nicht tun. Wilfried war ein bisschen ruppig. Auf jeden Fall hat Wilfried keine Gewalt angewendet."

11.20 Uhr: Jetzt fragt der psychiatrische Gutachter von Wilfried W. nach. Er bezeichnet die Frau als ein Wesen, dass mit beiden Beinen total auf dem Boden steht. Nun bricht die Zeugin wieder in Tränen aus. Sie sagt, sie hätte jedes Selbstwertgefühl verloren durch die Erlebnisse, die sie in einer Woche hatte.

"Nach dem vierten oder fünften Tag der Beziehung merkte ich, dass es gefährlich werden kann. Ich überlegte, was ich tun kann. Ich fühlte mich plötzlich verkehrt in dieser Beziehung. Ich fühlte mich bedroht und terrorisiert. Ich konnte meine Telefon leider nicht ausschalten, da ich für meinen behinderten Sohn Tag und Nacht erreichbar sein musste und wollte.

In der Woche bin ich nie auf die Idee gekommen, dass Wilfried und Angelika doch keine Geschwister sind. Ich hatte den Eindruck, dass die beiden 'Geschwister' gleichberechtigt waren. Sie waren ein eingespieltes Team, so habe ich das empfunden. Ich hatte das Gefühl, dass sich die beiden auf meine Kosten amüsieren und sich 'einspielen'. Die 'Gebrauchsanweisungen', wie ich mit Wilfried umzugehen habe, kamen nur von Angelika.

Wilfried hatte gefordert, dass ich mich, wenn ich nicht bei ihm bin, stündlich bei ihm melde. Wenn Angelika mit mir gesprochen hat, war oft Wilfried in seiner Nähe. Ich habe Wilfried des Öfteren im Hintergrund gehört. Wenn ich fragte, warum Wilfried nicht mit mir spricht, antworte Angelika, dass Wilfried nicht da sei und er mit mir sprechen werden, wenn er wolle. Ich hatte den Eindruck, dass ich immer zwei Gesprächsteilnehmer hatte, wenn ich mit Bosseborn telefonierte."

11.10 Uhr: Zeugin: "Ich hatte Wilfried sehr persönliche Dinge geschrieben, die er an Angelika weitergab. Das war die größte Enttäuschung für mich. Sie machten sich über mich lustig. Wenn beide zusammen gegen mich agierten, war das unerträglich.

Die Streitigkeiten gingen sowohl von Angelika W. als auch von Wilfried W. aus. Die Beziehung ging eine Woche, eine verdammte Woche. Da merkte ich, wie ich all meine Werte verlor. Ich bin ein gläubiger Mensch, gehe in die Kirche. Auch darüber haben sich die beiden Angeklagten lustig gemacht. Sie wollten, dass ich mit im Kiosk arbeite, aber kein eigenes Geld verdiene. Außerdem war nicht vorgesehen, dass ich jederzeit, wann immer ich will, das Haus in Bosseborn verlassen kann. Angelika habe ich nie persönlich gesehen. Alle Beleidigungen, jeder auf mich ausgeübte Druck, fand nur telefonisch statt."

10.47 Uhr: Zeugin: "Die ersten zwei Tage war ich total glücklich. Wilfried sagte, er wolle keine weitere Nacht mehr vor ihr getrennt sein. Er bat mich, stündlich SMS an ihn zu schicken. Er wollte meinen Tagesablauf kennenlernen. Ich sagte ihm das zu, denn ich hatte ja nichts zu verbergen. Am nächsten Tag fing dann der Terror an. Ich hatte Stress mit Angelika. W. Sie machte mir Vorwürfe, warum ich ihrem 'Bruder' Wilfried nichts zu trinken angeboten habe und nichts zu essen. Auch mit Wilfried gab es Ärger, weil ich ihm keinen Kaffee gekocht habe. Er hätte so, ohne Kaffee bei der Rückfahrt leicht gegen einen Baum fahren können. Ich habe mich dafür entschuldigt, auch bei Angelika.

Die beiden wollten dann, dass ich keine SMS mehr schicke, sondern mir WhatsApp einrichte. Angelika dachte immer, ich hätte noch einen anderen Freund. Sie war misstrauisch. Ihren Bruder bezeichnete sie als Goldstück, dem man die Füße küssen müsse. Wenn ich mit Angelika telefonierte, hörte ich im Hintergrund immer Wilfried, der etwas flüsterte. Sie hat im Prinzip die Fragen für Wilfried gestellt. An diesem Tag habe ich wirklich jede Stunde eine SMS geschickt. Nachmittags war ich aus dem Haus, habe mich um mein Auto gekümmert und einen Bekannten besucht. Ihm erzählte ich, dass ich am Wochenende einen neuen Freund besuchen würde. Ich hatte das Gefühl, es jemandem erzählen zu müssen. Falls ich nicht zurückkomme, hätte wenigstens einer gewusst, wo ich bin.

Irgendwann rief Angelika an und machte ich darauf aufmerksam, dass schon mehr als eine Stunde seit der letzten SMS vergangen sei. Ihr Bruder koche vor Wut, sagte sie mir und ich kriege das jetzt alles zu spüren. Angelika war sehr herrisch und übte Macht aus, auch über mich. Das war an einem Donnerstag. Am Freitag und Samstag habe ich mit Wilfried gar nicht telefoniert. Er sprach mir auf den Anrufbeantworter. Wenn ich ihn dann zurückrief, ist Angelika ans Telefon gegangen. Sie sagte: 'Hier ist nicht Schatzi, welchen Schatzi willst Du denn? Den hast du vielleicht schon verloren.'

Angelika forderte mich auf, Fotos von meiner Anmeldebescheinigung in Rehburg und von meinem Zeugnis zu machen. Weil ich kein Geld mehr auf meiner Prepaid-Handykarte hatte, konnte ich nichts schicken. Angelika rief mich an und beschimpfte mich als Betrügerin. Sie wolle mich anzeigen. Sie beschimpfte mich, ich sei prüde, hätte zu kleine Brüste und wäre beim Sex viel zu zurückhaltend. Ich war danach total enttäuscht von Wilfried, dass er alles von mir Angelika erzählt hatte. Dann bin ich zusammengebrochen. Ich war im Krankenhaus und habe dann gebeten, dass mich keiner mehr anruft.

Bei ihrer Vernehmung bricht die Zeugin immer wieder in Tränen aus und ringt nach Worten.

10.22 Uhr: Als nächstes wird eine Zeugin verhört, die Wilfried über eine Kontaktanzeige kennenlernte. Sie ist heute 42 Jahre alt. Sie ist Altenpflegerin. Die Frau war bereits zweimal vor Gericht geladen, war aber nicht erschienen.

Zeugin: "Ich habe Wilfried über eine Kontaktanzeige in den Schaumburger Nachrichten kennengelernt. Das war am 18. Oktober 2015. Ich schrieb über mich, dass ich gut kochen kann. In der Anzeige von Wilfried stand: Ich möchte eine Partnerin kennenlernen. Sie antwortete, noch am gleichen Abend kam ein Anruf von Angelika, der ihr eine Menge über Wilfried erzählte. Er sei romantisch und habe alte Werte. Es sei dann aber auch ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass er regelmäßig esse und trinke. Er habe Gicht und sei darauf angewiesen. Wilfried erzählte mir, dass er ein Kiosk betreibe, früher in einer Security-Firma gearbeitet habe.

Am Telefon klang Wilfried sehr sympathisch. Wilfried besuchte mich dann. Ich sah nie sein Auto. Alle Kontakte liefen nur per Handy. Er stand in meinem Schlafzimmer, und er wurde ganz unruhig. Ich habe ihm dann auch alle anderen Zimmer gezeigt. Dann wollte er noch ein wenig bleiben. Der Abend war romantisch. Ich verwöhne gerne meinen Mann. Schon am ersten Abend kam es zu sexuellen Kontakten. Es war harmonisch und nicht gewalttätig. Ich komme aus Kasachstan, und ich ordne mich einem Mann absolut unter. Jeder Wunsch wird erfüllt. Die Frau solle dem Mann immer untertan sein, unterwürfig, sie soll für ihn kochen. Ich bin so erzogen worden, die Frau muss es dem Mann recht machen."

9.34 Uhr: Jetzt kommen Fragen von den Prozessbeteiligten: "Haben Sie mal überlegt, das Ordnungsamt anzusprechen, dass in dem Hause große Probleme hat?"

Zeugin: "Ich habe mit dem Amt gesprochen, die haben mir gesagt, man müsse über eine Entmündigung sprechen. Ich habe Angelika W. gefragt, warum sie nicht die Polizei rufe. Sie antwortete, sie wolle das nicht, da Wilfried schon einmal Kontakt mit der Polizei hatte."

Frage von Peter Wüller, Strafverteidiger von Angelika W.: "Warum haben Sie nicht die Polizei gerufen? Ihnen wurden erhebliche Körperverletzungen geschildert."

Zeugin: "Ich werfe mir selber vor, dass ich das nicht getan habe. Ich habe auch mit einem Polizisten telefoniert. Der sagte mir, wenn nicht gerade was passiert, können wir sowieso nichts machen."

Die Zeugin wird nicht vereidigt und entlassen.

9.29 Uhr: Viele Besucher im Gerichtssaal fragen sich jetzt, warum die Schiedsfrau in diesem Fall nichts unternommen hat. Eine Gang zur Polizei wäre vermutlich ratsam und angezeigt gewesen und hätte vielleicht das Leben von Susanne F. retten können. Die Schiedsfrau fühlte sich jedoch nicht zuständig für den Fall und verwies auf einen Kollegen, der Fälle in Bosseborn bearbeitet.

Bernd Emminghaus liest noch einmal das Schreiben von Angelika W. an die Schiedsfrau vor. Hier werden unglaubliche Zustände auf dem Gehöft geschildert. Gleichzeitig schreibt Angelika, dass es nie zu einer Vergewaltigung von Susanne F. durch Wilfried W. gekommen ist. Es wird ausführlich über die "Unsauberkeit" von Susanne F. geschrieben.

9.24 Uhr: Zeugin: "Am nächsten Tag besuchte mich dann Angelika W. persönlich. Ich sagte, dass ich für Bosseborn nicht zuständig sei, da gebe es einen für sie zuständigen Schiedsmann. Es schienen unglaubliche Zustände zu herrschen in Bosseborn. Es war das einzige Mal, dass ich Angelika W. gesehen habe. In dem Schreiben von Angelika stand weiter: 'Wir wollen es nicht zu einer Gerichtsverhandlung kommen lassen. Hier in Bosseborn hat jeder Schürfwunden und Verletzungen. Jeder in Bosseborn möchte nur noch seine Ruhe. Ich bitte um Schlichtung.'"

9.20 Uhr: Zeugin: "Angelika schrieb: 'Bei uns im Hause wohnt wie in einer Wohngemeinschaft Susanne F. Wir haben sie vor kurzem kennengelernt. Sie provoziert täglich. Sie ist unsauber: Fällt zum Beispiel ein Brot auf die Erde, legt sie es zum Essen auf den Tisch. Sie versucht, mein Trinken zu versalzen. Sie lässt Stalltüren offen, dass Mäuse ins Haus kommen. Ich bin dies alles vollkommen leid und verlange, fordere, dass es sofort zu unterbleiben ist.'

Ich bin dann nach Bosseborn gefahren, habe aber niemanden angetroffen."

09.12 Uhr: Die Verhandlung ist eröffnet. Als Zeugin wird zunächst die Schiessfrau gehört. Angelika W. bat sie bei einem Anruf im April 2016 um einen Termin. "Ich bat um schriftliche Unterlagen. Am nächsten Tag bekam ich Post." Angelika W. habe in Ihrem Schreiben von unglaublichen Zuständen geschrieben. Eine dritte Person habe sich auf dem Gelände befunden, schrieb sie, die Ärger machen würde, so die Schiedsfrau. (Anm. d. Red.: hierbei handelte es sich um Susanne F., die später an ihren schweren Verletzungen, hervorgerufen durch Quälereien, starb)

Wilfried W. (r.) spricht im Gerichtssaal vor Beginn des Prozesses mit seinem Anwalt.
Wilfried W. (r.) spricht im Gerichtssaal vor Beginn des Prozesses mit seinem Anwalt.
Auch am 25. Verhandlungstag ist Angelika W. im Gericht anwesend.
Auch am 25. Verhandlungstag ist Angelika W. im Gericht anwesend.

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