Solche Qualen erlitt Susanne F. im Horror-Haus von Höxter

In diesem Haus wurde Susanne F. vom Horror-Paar bis zum Tod gefoltert. 
In diesem Haus wurde Susanne F. vom Horror-Paar bis zum Tod gefoltert.   © DPA

Höxter - Der Folterprozess von Höxter offenbart immer mehr schreckliche Details. Angelika W. und Wilfried W. quälten und drangsalierten zwei Frauen bis zum Tod. Jahrelang blieben sie im Verborgenen, doch dann trafen sie eine folgenschwere Entscheidung und flogen auf.

Das zweite Opfer der schrecklichen Folterer war Susanne F. (42). Ihre monatelange Leidenszeit hatte in der Nacht zum 22. April ein tragisches Ende. 

Angelika und Wilfried wollten die 42-Jährige an dem Donnerstagabend von Höxter nach Bad Gandersheim nach Hause bringen. Allerdings verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Susanne F. auf der Fahrt immer mehr. Auf halber Strecke, an einer Bushaltestelle in Eschershausen, hielt der Opel Corsa an. 

Angelika W. bat eine Anwohnerin, wegen einer Autopanne ein Taxi zu rufen. Gegen 22.35 Uhr erreichte das Taxi die Haltestelle. Als der Fahrer ankam, wimmelte ihn das Horrorpaar ab und erklärte, einen Rettungswagen zu brauchen anstelle eines Taxis. Unverrichteter Dinge fuhr der Mann davon. 

Kurze Zeit später gegen 22.50 Uhr ging ein Notruf bei der Northeimer Polizei ein. Angelika W. bat wegen der schlechten Gesundheit ihrer Freundin um einen Rettungswagen. Die hilfsbereite Bewohnerin sah kurz darauf Blaulichter von Rettungs- und Notarztwagen. 

Auf einer Trage lag eine Person. Daneben standen Angelika W. und Wilfried W. Der Notärztin hatte Angelika W. noch erzählt, dass Susanne F. einen Nierenkatheter habe. Sie hätte keine Angehörigen und käme aus einem Frauenhaus in Gelsenkirchen.

Angelika W. hielt sich bei Prozessbeginn eine rote Akte vor das Gesicht. Sie möchte nicht erkannt werden. 
Angelika W. hielt sich bei Prozessbeginn eine rote Akte vor das Gesicht. Sie möchte nicht erkannt werden.   © DPA

Um 23.24 Uhr erhielt der Taxifahrer erneut den Auftrag, zur besagten Bushaltestelle zu kommen. Nun sollte er Angelika W. und Wilfried W. nach Höxter-Bosseborn zurückfahren. 

Auf der Fahrt erzählte das Ehepaar die Geschichte von einer Freundin, die sie über eine Anzeige kennengelernt hätten und die aber etwas komisch sei. Auf der Fahrt nach Bad Gandersheim habe sie Krämpfe bekommen.

Dann erhielt die Polizei Göttingen gegen 1 Uhr in der Nacht einen Anruf aus dem Helios-Krankenhaus Northeim. Berichtet wurde über den ungeklärten Todesfall Susanne F.. Sie sei mit dem Krankenwagen eingeliefert worden und trotz einstündiger Reanimation verstorben. Als sie ankam, war sie schon total unterkühlt und nicht mehr ansprechbar gewesen.

Als die Leiche näher untersucht wurde, stellte die Polizei fest, dass die Verstorbene mehrere Blutergüsse, verschorfte Verletzungen, Einstichstellen an Armen und Beinen sowie ältere Schnittverletzungen hatte. Sie waren ein Zeichen für fürchterlichen Quälereien, die Susanne erfahren musste. 

Kennengelernt habe sich das Folterpaar und die 42-Jährige über eine Kontaktanzeige in der Zeitung: "Netter, 45, Jahre, Nichtraucher, 188 cm, 110 kg, suche nette Sie für feste Beziehung." Susanne F. wurde aufmerksam und meldete sich bei Wilfried W.. Es entstand ein so enger Kontakt, dass sie nach Bosseborn zu den beiden zog.

Wilfried W. zeigte sich der Öffentlichkeit.
Wilfried W. zeigte sich der Öffentlichkeit.  © DPA

Gute zwei Wochen später wurde die Dreiecksbeziehung beendet. Doch wenige Tage später zog es sie wieder nach Bosseborn, was ihr diesmal zum Verhängnis werden sollte. 

Ermittler fanden später einen Zettel in dem Haus: „Ich, Angelika, habe Susanne getreten, geschlagen, gewürgt, verbrannt, Haare ausgerissen, geschubst, beleidigt, angespuckt, wenn sie mich provoziert hat."

Angelika W. wollte nicht, dass Susanne F. in Bosseborn stirbt. Am 21. April sammelte sie die im ganzen Haus verstreuten Sachen des schwer verletzten Opfer zusammen und die Todesfahrt begann.

Am Mittwoch, 27. April, klingelten sechs Beamte der Bielefelder Mordkommission in Höxter-Bosseborn im Saatweg an der Tür. Angelika W. und Wilfried W. wurden festgenommen und zum Bielefelder Polizeipräsidium transportiert. 

Sie wurden in getrennten Zellen untergebracht. Bei ihren Vernehmungen gestand Angelika W., dass es noch ein zweites Opfer gäbe, Annika W..