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Horror-Haus von Höxter: Weitere Zeugen sagen aus!

Wie hat sich der Angeklagte Wilfried W. nach seiner Festnahme im April 2016 gegenüber den Ermittlern verhalten? Und was hat er ausgesagt? Dazu befragt das Landgericht Paderborn im Mordprozess von Höxter jetzt zwei Verhör-Spezialisten.
Bisher schweigt Wilfried W.. Aber im Prozess wird er immer unruhiger.
Bisher schweigt Wilfried W.. Aber im Prozess wird er immer unruhiger.

Paderborn - Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen im sogenannten Horrorhaus von Höxter befragt das Landgericht Paderborn am Dienstag eine Reihe von Zeugen.

Geladen sind zwei Polizisten, die den Angeklagten Wilfried W. (46) nach seiner Festnahme im April 2016 vernommen hatten. Aussagen sollen am elften Verhandlungstag aber auch weitere Zeugen aus Höxter und dem Heimatort des Todesopfers Susanne F. aus Bad Gandersheim in Niedersachsen.

Gemeinsam sollen Wilfried W. und seine ebenfalls angeklagte Ex-Frau Angelika W. (48) über Jahre hinweg mehrere Frauen in ein Haus ins ostwestfälische Höxter gelockt und schwer misshandelt haben. Zwei Frauen überlebten nicht.

Wilfried W. schweigt bislang vor Gericht. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord durch Unterlassen sowie mehrfache Körperverletzung.

TAG24 berichtet wie immer ab 9 Uhr im Live-Ticker von dem Prozess.

15 Uhr: Die Sitzung wird für heute geschlossen. Bernd Emminghaus kündigt an, dass der Angeklagte erst in zwei Wochen eine Einlassung abgeben wird, vermutlich wird die aber sein Strafverteidiger Binder vorlesen. Für den nächsten Sitzungstermin in einer Woche werden erneut Zeugen geladen werden.

14.45 Uhr: Als nächstes folgte eine 52-jährige Frau aus Höxter-Bosseborn als Zeugin.
"Wir haben den Stall etwa 80 Meter von dem Haus von Angelika und Wilfried W.", so die Frau.

"Als ich auf dem Weg zur Scheune war, fiel mir auf, wie eine junge Frau zwischen 30 und 40 auf die Straße lief, in der Mitte der Straße stehenblieb. Sie sah total fertig und krank aus. Ihre Haare waren büschelweise ausgefallen. Ich war ganz alleine, der Anblick der Frau war ein Schock."

"Ich drehte mich um, schaute nach hinten und sah sonst keinen Menschen auf der Straße und dachte, was mache ich jetzt. In dem Moment schaute ich nach vorne, und die Angeklagte lief zu dieser jungen Frau, nahm sie in die Arme und sagte, du sollst nicht alleine auf die Straße laufen. Ich dachte, da ist doch jemand, der sich um die Frau kümmert."

"Die ganze Situation war sehr unheimlich. Die Frau, die auf die Straße gelaufen war, hatte ich vorher noch nie gesehen. Es war wie in einem schlechten Film. Ich habe meinem Mann von meinem Erlebnis erzählt", so die 52-Jährige weiter.

"Ich habe diese Frau vorher nicht gesehen, dann ging durchs Dorf, dass Angelika und Wilfried W. festgenommen wurden, ein Frau gestorben sei. In der Zeitung sah ich ein Bild des Todesopfers, Susanne F. Ich glaubte es nicht, es war die Frau, die mir zwei Tage zuvor auf der Straße todkrank begegnet war."

"In dem Haus Saatweg 6 war es mehr als kurios. Schweine schrien im Stall, das Garagentor war mit einer schweren Kette verschlossen. In der Garage stand eine Kühltruhe, ich habe die Angeklagte gesehen, sie kam raus mit zwei Tüten, neben der Garage stand ein weisser Kastenwagen, der Mist wurde abends mit der Schubkarre weggefahren, alles war sehr ungewöhnlich. Ich habe allerdings nicht erlebt, dass Schweine verendet sind. Mein Mann ist bei der Stadt beschäftigt. Leute kamen zu uns an die Tür. Mein Mann solle doch mal in ein Waldstück fahren, dort würden tote Schweine liegen. Mein Mann hat sich dann darum gekümmert. Es wird viel gemunkelt."

"Ich weiß nicht, wem die Schweine gehörten. Das Ordnungsamt war auch mal bei den Angeklagten, um Tiere abzuholen. Ich habe es selber nicht gesehen, aber es war Dorfgespräch. In der ersten Etage des Hauses ist ein Fenster kaputt gewesen sein. Da soll ein Hund durchgesprungen sein. Ob der Hund sich dabei verletzte, weiß ich nicht. So wurde es im Dorf erzählt. Ich weiß, dass ein Dachdecker die Scheibe repariert hat. In das Haus selber kam er nicht rein. Und die kranke Frau auf der Straße habe ich wirklich gesehen, auch wie Angelika den Arm um sie legte und wegführte."

Richter Emminghaus fragt die Zeugin, ob sie nicht beim Anblick dieser todkranken Frau etwas hätte unternehmen müssen, denn zwei Tage später sei Susanne F. ja gestorben.

"Ich hatte kein Telefon dabei. Als ich aber sah, wie fürsorglich Angelika den Arm um Susanne legte, dachte ich, alles wäre gut und habe nichts mehr unternommen."

14.25 Uhr: Um kurz nach 14 Uhr wurde ein seltsam auftretender Mann als Zeuge vernommen. Er wollte sich nicht mal auf den Stuhl setzen.

"Ich bin total verunsichert", sagt der Zeuge. Er weiß garnicht, was er hier soll. Er war ein Ex-Freund von Susanne F. (dem zweiten Todesopfer). "Susanne empfand ich als hilfsbedürftig. Ich wollte jemandem helfen und da kam Susanne gerade recht. Ich war mehrere Jahre in Haft und hatte nicht so viel Kontakt mit Frauen."

"Sie hatte mir immer wieder falsche Dinge erzählt, die ich nicht nachvollziehen konnte. Es gab immer Unterschiede zu dem, was sie tun wollte, und dem, was sie tat", sagte der 48-jährige Mann aus. Deshalb haben sie sich auch getrennt.

"Sie war eine sehr schwierige Person, auch was ihre Liebebedürftigkeit anbelangte." Der Zeuge wird entlassen. Es gibt keine weiteren Fragen an ihn.

Jetzt hatte der Zeuge allerdings noch eine Frage an den Vorsitzenden Richter, Bernd Emminghaus. Der Zeuge fragte das Gericht, wer überhaupt die W.s sind. Der Richter zeigte auf Angelika W. und Wilfried W. und der Zeuge war damit zufrieden, dass er auch die Angeklagten kennengelernt hatte.

13.55 Uhr: Der Kripobeamte Burkhard Kropp wurde aus dem Zeugenstand entlassen. Nach einer kurzen Pause geht es nun weiter. Es folgt nun die Aussage eines Taxifahrers.

Dieser hat die beiden Angeklagten am 21. April 2016 nach Bosseborn zurückgefahren. Er wurde gerufen, als Susanne F. von einem Krankenwagen auf der Fahrt nach Bad Gandersheim abtransportiert wurde. Das Auto von Angelika und Wilfried hatte gestreikt.

Der Fahrer erzählte: "Die Frau hatte Vorkasse geleistet. Ich hatte den Eindruck, dass die Frau der dominantere teil der Beziehung war. Am nächsten Tag rief mich die Polizei an, ob ich in der Nacht zwei Personen gefahren hätte. Die Polizei erklärte mir nicht, worum es ging."

"Ich war vorher schon einmal zum Ort gerufen worden, wo das Auto streikte. Da sagte mir eine Frau, vermutlich Angelika, sie bräuchten einen Krankenwagen und kein Taxi. Später wurde ich dann noch einmal gerufen.

Da stand ein Krankenwagen und fuhr kurze Zeit später weg. Ich lud Angelika und Wilfried in mein Taxi ein und wir fuhren Richtung Bosseborn", so der Taxifahrer weiter. Der Zeuge wird entlassen.

12.00 Uhr: Die Verhandlung wird fortgesetzt. Nach dem Anhören des Zeugen Norbert Freier, Kripobeamter , der Wilfried verhört hatte, wird nun Burkhard Kropp, Kripobeamter angehört.

"Wilfried W. bat mich, die Vernehmung mit einfachen Worten zu führen. Das hat sich ergeben, als wir mit ihm in die JVA fuhren. Ich merkte, dass Wilfried nicht richtig zuhörte oder nicht richtig verstand, was ich sagte. Ich wählte ganz einfache Worte, um ihn zu erreichen", so Kropp.

"Er hatte unterschiedliche Hilfsjobs, im Forst- und Bauwesen, das hätte ihm aber auch gereicht. Einen Schulabschluss habe er nicht.

Er erzählte über zwei Kinder, die er habe. Er war vorher bereits einmal verheiratet. Er habe zwei Kinder, Söhne, mit seiner ehemaligen Ehefrau und einer anderen Frau", berichtete der Zeuge weiter.

"Sexuell habe er noch Kontakte zu Angelika gewesen, 2-3 mal die Woche, das wäre aber aufgrund von Lustlosigkeit später ganz eingeschlafen. Angelika hatte kaputte Zähne und wäre nicht mehr ansehnlich gewesen."

"Er will auch mal mit geschubst haben, hat sich auch mal verbal geäußert, körperliche Gewalt würde er nicht einsetzten. Er habe versucht, zu vermitteln. Bei den Schilderungen zu den Frauen, die nach Bosseborn kamen, war der Angeklagte sehr sprunghaft."

Angelika W. am elften Prozesstag mit ihrem Strafverteidiger Peter Wüller.
Angelika W. am elften Prozesstag mit ihrem Strafverteidiger Peter Wüller.

11.15 Uhr: "Ich habe ihm Fesselspuren bei Susanne F. vorgeworfen. Er hat das abgetan und eierte rum. Dann erklärte er es durch Fesselspiele mit sexuellem Hintergrund.

Susanne F. habe gefesselt und geschlagen werden wollen. Das wären die Wünsche beider Frauen, Angelika W. und Susanne F., gewesen. Die beiden hätten wohl eine lesbische Beziehung gehabt", erzählte der Beamte über die Vernehmung.

Auf die Verletzungen von Susanne F. angesprochen: Mal sprach er von Gewalt, dann mal von brutaler Gewalt, als es um Misshandlungen gegenüber den Frauen ging.

"Erst habe er die Frauen gestreichelt, dann geküsst, dann habe ich Susanne F. gefesselt, auf ihren Wunsch, erzählte mir Wilfried W.", so Freier.

"Wilfried W. schien bei der Festname überhaupt nicht überrascht zu sein. In der ersten Verhandlung war er sehr kooperativ. Meine Meinung ist, dass er sich durchaus auf die Situation vorbereitet hatte.

Ich glaube, es war zwischen Angelika W. und ihm einiges abgesprochen. Er dachte, dass er damit aus der ganzen Sache raus ist. Er war nicht immer in der Lage, die passende Antwort zu geben, zum Beispiel bei den Fesselungen von Frauen."

"Es war nichts besonderes bei der Vernehmung. Wilfried W. ist intellektuell eher im unteren Bereich anzusiedeln. Er hat wohl alle meine Fragen verstanden, konnte aber nicht immer antworten. Ich habe schon eine Intelligenzminderung wahrgenommen", stellte der Polizist weiter fest.

"In der gesamten Vernehmung von Wilfried W. gab es nur Widersprüche", so Freier. Abschließend sagte der Beamte: "Er hatte sich eine Geschichte zurechtgelegt, und ich glaube, er war der Überzeugung, dass die auch funktioniert."

Danach wurde der Zeuge entlassen. Es gibt nun eine kurze Pause.

10.15 Uhr: Bevor die ersten Zeugen vernommen werden, wird nochmals Angelika W. befragt. Der Richter befragte sie zu verschiedensten Themen.

Zum Beispiel wurde nochmal das Fesseln von Annika und Susanne an einem Heizkörper im Haus in Bosseborn aufgegriffen. Dazu sagte sie nochmal aus: "Ich habe immer nur von "festgemacht" gesprochen, aber nicht von fesseln. Festgemacht habe ich. Wilfried legte großen Wert darauf. Er hat mich öfters gefragt, wenn Annika in der Badewanne schlief, ob ich sie auch richtig festgemacht habe."

Auch der erste Zeuge trat nun in den Zeugenstand: Der Kripobeamte Freier wird vom Richter vernommen.

"Ich war Aktenführer in der Mordkommission und habe Wilfried W. nach seiner Verhaftung vernommen. Gegen beide Angeklagte lagen Haftbefehle vor. Mit der gesamten Kommission sind wir in den Saatweg gefahren."

Die Aufgabe des Teams war es, den Angeklagten festzunehmen und zu verhören. "Auf der Fahrt zum Präsidium habe ich ihm von dem Tötungsdelikt erzählt. Sinngemäß sagte er, er habe damit nichts zu tun. Das wäre Angelika gewesen. Ich habe das Gespräch protokolliert. In Höxter kam Wilfried W. in Polizeigewahrsam", so Freier weiter.

Wilfried W. schwieg bisher.
Wilfried W. schwieg bisher.

09.30 Uhr: Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus hat den elften Verhandlungstag eröffnet. Für 10 Uhr hat er die ersten Zeugenvernehmungen von zwei Kripobeamten angekündigt.

Außerdem soll der Taxifahrer befragt werden, der eine längere Fahrt mit dem Folterpaar gemacht hatte, als sie mit einem der Todesopfer, Susanne F., unterwegs war und das Auto streikte.

Jetzt befragt der Richter erst noch einmal Angelika W.. Es geht darum, ob sie außer den beiden Todesopfern, Susanne F. und Annika W., noch Kontakt zu weiteren Frauen hatte, die geschlagen oder misshandelt wurden.

Dazu zählen auch die beiden Opfer, die sich noch lebend aus Höxter retten konnten - Kati. K. und Christel P. Dies verneint Angelika W.

Fotos: DPA

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