Rassistischer Radiomoderator hetzt in "Hot Air" gegen Flüchtlingskinder!

Dresden - Heftig! In "Hot Air" (ab dem 5. September in den deutschen Kinos) geht es gleich zu Beginn ordentlich zur Sache. Denn Radiomoderator Lionel Macomb (Steve Coogan) spricht das aus, was viele denken - das ist zumindest seine Meinung.

Tess (Taylor Russell) führt ihrem Onkel den Spiegel vor Augen.
Tess (Taylor Russell) führt ihrem Onkel den Spiegel vor Augen.  © PR/Kinostar Filmverleih

Er hat eine Radioshow, der Millionen Leute zuhören und beeinflusst brisante Debatten um Einwanderung, Flüchtlinge und die US-Gesundheitsversorgung erheblich.

Vor allem geht es ihm im direkten Live-Telefongespräch mit einem Zuhörer aber darum, immer die Oberhand zu behalten, was ihm dank seiner außergewöhnlichen Schlagfertigkeit auch gelingt.

Doch er schürt den Hass in der Bevölkerung mit seinen Hetzreden, was ihm seine aufgeweckte Nichte Tess (Taylor Russell) vor Augen führt.

Sie taucht im Alter von 16 Jahren erstmals in Lionels Leben auf, weil ihre Mutter Laurie (Tina Benko) mal wieder einen Entzug macht und sie keinen anderen Ort mehr zum Bleiben hat.

So nimmt Lionel sie widerwillig bei sich auf. Seine Freundin Valerie Gannon (Neve Campbell) und Macombs Assistent Tyler (Griffin Newman) sind deutlich freundlicher zu dem intelligenten Teenager.

Dank ihr lernt mit der Zeit auch Lionel, umzudenken und sich endlich seiner bewegten Vergangenheit zu stellen...

Steve Coogan, Neve Campbell und Taylor Russell überzeugen in "Hot Air"

Lionel Macomb (Steve Coogan) steht gerne im Rampenlicht und sorgt mit seinen heftigen Aussagen für Aufsehen.
Lionel Macomb (Steve Coogan) steht gerne im Rampenlicht und sorgt mit seinen heftigen Aussagen für Aufsehen.  © PR/Kinostar Filmverleih

Diese Geschichte hat Regisseur Frank Coraci ("Klick", "Der Zoowärter", "Das Schwergewicht") gut umgesetzt.

Dass der Film trotz einiger Klischees und einer vorhersehbaren "Läuterungsdramaturgie" trotzdem fesselt, hat er vor allem seinen Schauspielern zu verdanken.

Coogan ("Philomena", "Tropic Thunder") wirft sich mit Verve in seine Rolle als Arschloch vom Dienst. In einer echten Gratwanderung gelingt es ihm, seiner Figur eine unsympathische, aber auch charismatische Wirkung zu verleihen und sie vor den Augen der Zuschauer glaubwürdig zu entwickeln.

Dazu tragen auch Campbell ("House of Cards") und Russell ("Escape Room") ihren Teil bei. Die drei spielen sich die Bälle klasse zu, die Chemie zwischen ihnen stimmt erkennbar.

Besonders die erst 15-jährige Russell begeistert und legt ihren Charakter kraftvoll und gleichzeitig verletzlich an.

Dank dieses Trios sieht man auch über die ein oder andere Drehbuchschwäche und wenig überraschende Wendungen hinweg, weil der Film das Herz am rechten Fleck hat und in seinen besten Momenten sogar lebensweise ist - ohne sich dabei aufzudrängen.

"Hot Air" legt Wert auf interessante, eigenwillige Figuren

Lionel Macomb (l., Steve Coogan) ist äußerst schlagfertig. Eine Eigenschaft, die auch seine Freundin Valerie Gannon (Neve Campbell) wertschätzt. (Bildmontage)
Lionel Macomb (l., Steve Coogan) ist äußerst schlagfertig. Eine Eigenschaft, die auch seine Freundin Valerie Gannon (Neve Campbell) wertschätzt. (Bildmontage)  © PR/Kinostar Filmverleih

So gibt es einige menschlich nachvollziehbare Szenen, in denen eine emotionale Sogwirkung entsteht.

Dennoch überzeugen nicht alle Aspekte der Storyführung, weil diese nicht perfekt ausgewogen ist. Trotzdem muss man sich wundern, dass "Hot Air" in den USA untergegangen ist und verrissen wurde.

Mit der richtigen PR hätte dieses grundsolide, vielleicht etwas spröde Drama mit Sicherheit sein Publikum gefunden.

Schließlich legt es Wert auf im positiven Sinne eigenwillige Protagonisten, die auch tiefschürfende Sequenzen spendiert bekommen. Zwar fehlt auch hier manchmal die Balance, doch das Hauptziel wird erfüllt: Man kommt den Charakteren nahe.

Dazu wissen auch die schönen, detailreichen Locations und die dynamische Kameraführung zu gefallen. Das gilt ebenfalls für die gelungene deutsche Synchronisation. Coogan wird beispielsweise von Richard Geres Stammstimme Hubertus Bengsch genial vertont.

So ist "Hot Air" ein interessantes Drama geworden. Zwar werden einige Klischees erfüllt und fehlt es der Geschichte an unvorhersehbaren Wendungen, doch die starken schauspielerischen Leistungen und die menschlichen Momente erweisen sich als große Stärken, weshalb sich ein Kinobesuch durchaus lohnt.

Titelfoto: PR/Kinostar Filmverleih

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