HSV-Profi Jatta bricht sein Schweigen: "Ich wurde öffentlich an den Pranger gestellt!"

Hamburg - Die Vorwürfe wogen schwer. Im August 2019 veröffenlichte die SportBild einen Artikel über HSV-Profi Bakery Jatta und warf ihm vor, bei seiner Einreise nach Deutschland falsche Angaben über seine Identität gemacht zu haben.

Bakery Jatta wird von Mannschaft und Fans gefeiert.
Bakery Jatta wird von Mannschaft und Fans gefeiert.  © Friso Gentsch/dpa

Nach wochenlangem Hin und Her und weiteren Anschuldigen durch das Sport-Blatt stellte das Bezirksamt Hamburg-Mitte seine Ermittlungen gegen den 21-jährigen Gambier ein.

Es hätte keinerlei Hinweise gegeben, dass Jatta falsche Angaben gemacht hätte.

Im Stadionmagazin "HSV live" hat sich der Fußball-Profi nun über die schwere Zeit geäußert.

"Niemand kann sich vorstellen, wie ich mich in dieser Zeit gefühlt habe", gab Jatta zu. "Ich wurde öffentlich an den Pranger gestellt. Aber wofür?" Der 21-Jährige konnte die ganze Aufregung um seine Person nicht nachvollziehen.

"Doch ich wusste die ganze Zeit, dass nicht alle Menschen in Deutschland so denken, sondern dass es lediglich eine Zeitung war", sagte er. In dieser für ihn schweren Zeit konnte er sich allerdings auf die Unterstützung vieler Personen verlassen - Verein, Mitspieler, Fans, alle standen hinter ihm.

"Ich weiß bis heute nicht, wie ich diesen Menschen jemals das zurückzahlen kann, was sie mir gegeben haben. Hamburg und der HSV waren in dieser Zeit für mich wie Vater und Mutter für ein Kind", erklärte Jatta. Anstatt ihn von sich zu weisen, habe man ihn unterstützt und stand immer an seiner Seite. "So viele Menschen haben in diesen Tagen zu mir gehalten wie in einer richtigen Familie. Ich werde das niemals vergessen."

Der Gambier erinnert sich noch genau, wie es ihn am Tag der Artikel-Veröffentlichung ging. "Die Jungs fragten mich: 'Baka, ist alles gut?' Ich sagte: 'Ja, alles gut.' Aber natürlich war nicht alles gut. Es war schrecklich", beschrieb er seine Gefühle.

Mitspieler setzen nach Anschuldigungen Statement

Nach seinem Tor gegen Hannover 96 bedankte sich der 21-Jährige bei Trainer Dieter Hecking für die Unterstützung.
Nach seinem Tor gegen Hannover 96 bedankte sich der 21-Jährige bei Trainer Dieter Hecking für die Unterstützung.  © Christian Charisius/dpa

Unmittelbar darauf setzten seine Mitspieler emotionale Statements in den sozialen Netzwerken ab und stärkten ihm damit den Rücken.

Der damalige Höhepunkt folgte im Heimspiel gegen Hannover 96. Jatta erzielte in der 75. Minute das Tor zum 3:0-Endstand - ein Moment, in dem die Welt einen Augenblick lang still stand. Der 21-Jährige rannte sofort zu seinem Trainer Dieter Hecking, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Nur wenige Sekunden später folgte das gesamte Team. Es herrschte Gänsehaut-Atmosphäre.

Und für die sorgten die HSV-Fans auch vor zwei Wochen beim Heimspiel gegen den Karlsruher SC. Im Hinspiel wurde Jatta bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Er selbst zeigte im Rückspiel auf dem Rasen eine entsprechende Reaktion, die Anhänger nach der Partie auf den Rängen.

Jatta wurde frenetisch gefeiert, musste sich in die erste Reihe vor die Mannschaft stellen. Dabei ist der 21-Jährige nach eigenen Angaben nicht der Typ, der gerne im Mittelpunkt steht. "Da bin ich etwas schüchtern. Vor 50.000 Zuschauern Fußball spielen? Kein Problem. Aber allein vor so vielen Menschen und einer solch riesigen Tribüne stehen und alle schauen auf mich – das fällt mir nicht so leicht."

Weil die Fans aber immer weiter seinen Namen sangen und seine Mitspieler in nach vorne schubsten, konnte er nicht anders. "Dann macht das etwas mit dir. Deshalb bin ich gern nach vorn gegangen und habe mich bedankt", erklärte Jatta.

Erste Trainingseinheiten zeigten Wirkung

Der Verein um Sport-Vorstand Jonas Boldt hielt zu seinem Profi.
Der Verein um Sport-Vorstand Jonas Boldt hielt zu seinem Profi.  © Andreas Arnold/dpa

Es sind Momente, an die sich der Fußball-Profi wahrscheinlich noch sein Leben lang erinnern wird. Genauso, wie die an seinem ersten Tag beim HSV. "An dem Tag wurde direkt zweimal trainiert – und ich wusste nach dem ersten Training nicht, wie ich das zweite auch noch überstehen soll", erinnerte sich Jatta.

Nach der ersten Einheit sei er so müde gewesen, dass er sich in der Kabine in einer Ecke hinter der Sauna gelegt habe und eingeschlafen sei. Als ich wieder aufwachte, waren meine Beine so schwer und mir war so unglaublich kalt, dass ich mich kaum bewegen konnte. Ich habe dann Wärmesalbe in meine Stutzen geschmiert, um meine Füße wieder zu spüren", sagte er.

Nach seinen Angaben habe der Gambier erst kürzlich wieder Bilder davon gesehen. "Die Zeit verfliegt so schnell und diese Bilder erinnern mich daran, wie mein neues Leben begann." Und seitdem hat sich vieles verändert - auch außerhalb des Platzes.

"Mittlerweile habe ich meinen Führerschein gemacht, habe eine eigene Wohnung, eine Freundin und bin selbstständig geworden", sagte Jatta stolz. Seine neue Heimat Hamburg und den HSV nennt er sein Zuhause. "Zuhause ist da, wo man Frieden findet. Und ich habe hier meinen Frieden gefunden", erklärte der 21-Jährige.

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