Achtung! Hinter diesem Straßenspiel steckt organisiertes Verbrechen

Hütchenspieler treiben am der East Side Gallery in Berlin ihr Unwesen und ziehen ahnungslose Touristen über das Samtdeckchen.
Hütchenspieler treiben am der East Side Gallery in Berlin ihr Unwesen und ziehen ahnungslose Touristen über das Samtdeckchen.  © DPA

Berlin - Ein scheinbar einfaches Spielchen mit drei Streichholzschachteln und einer kleinen Murmel verspricht schnelles Geld. Obwohl jeder die Masche kennt, fallen nach wie vor Menschen darauf rein. Vor allem Berlin-Besucher sehen darin eine nette Quelle, um die Urlaubskasse aufzubessern, doch dabei ahnen sie nicht, dass sie dem organisierten Verbrechen auf dem Leim gehen, wie Der Tagesspiegel berichtet.

Die Masche gehört zum ältesten Trickbetrug der Welt: Ein Mann macht flinke Hände und dennoch durchschaut ein anderer das Spiel und gewinnt nach und nach ein paar zehn Euro-Scheine. Ein weiterer Glücksuchender stößt hinzu und gewinnt ebenfalls. Und dann noch einer.

Die Saat ist gesät. Massenhaft strömen Touristen um den kleinen Tisch und wollen ebenfalls ein paar Euros absahnen. Mehrere Menschen steigen ein und verlieren wie durch Geisterhand. Wohin ist auf einmal das Glück?

Glück war nie ein Faktor. Touristen fallen auf das organisierte Verbrechen rein, denn die vermeintlichen Gewinner seien Komplizen und das Ganze bei Weitem kein Glücksspiel.

"Man kann beim Hütchenspiel nicht gewinnen", sagt eine Polizeisprecherin dem Tagesspiegel. Wenngleich jedem das Spiel bekannt ist, steigt die Zahl der Strafanzeigen wegen Betrug im Zusammenhang mit Hütchenspieler, wie es aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine Parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten aus Neukölln, Joschka Langenbrinck hervorgeht.

"Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass Hütchenspieler in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten eine lukrative Einnahmequelle ist", so Langenbrinck und die Zahlen geben ihn recht. Seit 2015 hat sich die Anzahl der Anzeigen fast verdoppelt. So zählt die 2013 gegründete Ermittlungsgruppe (EG) Hütchenspielbetrug inzwischen 200 Personen zur Szene. 2015 waren es noch 160 Personen.

Wer Opfer von Hütchenspieler geworden ist, sollte Anzeige bei der Polizei erstatten.
Wer Opfer von Hütchenspieler geworden ist, sollte Anzeige bei der Polizei erstatten.

Doch woher stammen die Hütchenspieler? Darauf gibt die Innenverwaltung eine äußerst detaillierte Antwort:

"Primär handelt es sich bei den Hütchenspielern um reisende Täter aus Mazedonien und anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawien." Als Touristen getarnt reisen die Täter nach Deutschland ein und verbringen drei bis vier Monate in Berlin, wobei sie nicht zu Besuch sind, sondern allein "Geldverdienen" wollen.

Vor allem an den Touristen-Hotspots konnte Langenbrinck die "organisierte Banden-Kriminalität" selbst beobachten und findet dieses Umstand nicht akzeptabel. Das sei Betrug und "kein Freizeitbetrieb". Der SPD-Politiker setzt auf präventive Maßnahmen, um das Hütchenspieler-Problem in den Griff zu bekommen. "Berlin sollte sich ein Beispiel nehmen an Hamburg und München, wo sofort Platzverweise und Strafanzeigen gestellt werden."

Strafanzeige stellen sei laut Polizeisprecherin auch der richtige Weg als Opfer. "Sein Geld bekommt man wahrscheinlich nicht mehr zurück, aber ohne Anzeige können auch keine Täter ermittelt werden."

Titelfoto: DPA


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