Kritik an Autoindustrie verboten? Frankfurts OB darf nicht auf IAA sprechen

Frankfurt am Main - Diesel-Skandal, Verkehrswende und Klimakrise, die Autoindustrie hat mit einigen Problemen zu kämpfen. Bei der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) am heutigen Donnerstag in Frankfurt wollen die Manager aber offenbar nicht daran erinnert werden.

Das Foto aus dem März 2018 zeigt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).
Das Foto aus dem März 2018 zeigt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).  © Andreas Arnold/dpa

Der Oberbürgermeister von Frankfurt, Peter Feldmann (SPD), wird bei der Eröffnung der IAA nicht sprechen.

Wie die Frankfurter Rundschau (FR) schreibt, wurde das ursprünglich vorgesehene Protokoll geändert – Frankfurts Oberbürgermeister wurde also faktisch ausgeladen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA), welcher die Automesse in Frankfurt ausrichtet, ist an der Rede des SPD-Politikers offenbar nicht mehr interessiert. Wahrscheinlich hat dies mit den geplanten Inhalten der Rede zu tun.

Denn offenbar wollte der Frankfurter Oberbürgermeister deutliche Kritik an der Autoindustrie üben.

Wie die FR schreibt, wollte der 60-jährige Oberbürgermeister von der Automobilindustrie eine "Mobilitätswende" einfordern, um den "den Klimawandel aufzuhalten".

Protest-Aktionen bei der IAA angekündigt

Die IAA in Frankfurt gilt als eine der größten Automobilfachmessen.
Die IAA in Frankfurt gilt als eine der größten Automobilfachmessen.  © Boris Roessler/dpa

Den Diesel-Skandal wollte der SPD-Politiker anscheinend ebenfalls ansprechen.

Laut Rundschau wollte Peter Feldmann in Anspielung auf den Skandal "eine Automobilindustrie verlangen, 'die sich gesetzeskonform verhält'. Die deutsche Innovationskraft dürfe sich nicht darin ausdrücken, gesetzliche Vorgaben zu umgehen, sondern die umweltschonendsten und zukunftsfähigsten Produkte zu entwickeln", heißt es in dem FR-Artikel.

Zudem plante Peter Feldmann offenbar, in seiner Rede auf der IAA ausdrücklich die Demonstranten zu würdigen, welche die Autoausstellung mit Protesten begleiten wollen.

Das Bündnis "Sand im Getriebe" will die Automesse in Frankfurt mit Aktionen des zivilen Ungehorsams vom 13. bis zum 15. September stören. Die Rede ist davon, die IAA zu blockieren.

Am Samstag ist zudem unter dem Motto #Aussteigen eine große Demonstration und Fahrrad-Sternfahrt in Frankfurt für eine Verkehrswende und den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor geplant.

Bei so viel anstehender Kritik an der Automobilindustrie wollte der VDA offenbar zumindest bei der IAA-Eröffnung vor unliebsamen Bemerkungen verschont werden. Zumindest kann gemutmaßt werden, dass die Rede von Peter Feldmann aus diesem Grund gestrichen wurde.

Eine Stellungnahme zu dem Bericht der Frankfurter Rundschau gibt es von dem Verband jedenfalls nicht, wie die FR schreibt.

Peter Feldmann veröffentlicht IAA-Rede auf Facebook

Update, 12.45 Uhr: Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann hat die Rede, die er nicht auf der IAA halten durfte, auf Facebook veröffentlicht. Zu den angekündigten Protesten rund um die Automesse heißt es darin wörtlich:

"Begreifen wir den Einsatz, vor allem auch vieler junger Menschen, gegen den Klimawandel nicht als Bedrohung, sondern tatsächlich als große Chance. Als Oberbürgermeister bin ich allen, die sich an Demonstrationen beteiligen, dankbar, weil es ihnen nicht vorrangig um das eigene Wohl, sondern um eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel geht."

Zugleich mahnte der SPD-Politiker, dass die Protest-Aktionen der Aktivisten in jedem Fall friedlich ablaufen müssten.

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0