73-Jähriger will Streit schlichten und wird von Auto überrollt

Ibbenbüren - Nach dem tragischen Tod eines 73-jährigen Mannes, der einem verprügelten Mann zur Hilfe kommen wollte (TAG24 berichtete), beginnt am Freitag (09.30 Uhr) der Gerichtsprozess.

Ein Justizbeamter steht beim Prozessauftakt nach dem Tod eines Streitschlichters vor dem Sitzungssaal. Zwei Angeklagte müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Ein Justizbeamter steht beim Prozessauftakt nach dem Tod eines Streitschlichters vor dem Sitzungssaal. Zwei Angeklagte müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten.  © DPA

Wegen fahrlässiger Tötung ist beim Amtsgericht Ibbenbüren im Münsterland ein Brüderpaar angeklagt. Die Männer sollen im März 2017 so lange auf einen damals 25-Jährigen eingeschlagen haben, bis dieser in Panik mit seinem Auto flüchten wollte.

Beim Zurücksetzen überrollte er den 73-Jährigen, der hinzugekommen war, um einzugreifen. Der Mann erlag sofort seinen Verletzungen.

Gegen den Fahrer selbst war das Ermittlungsverfahren eingestellt worden, weil er die Gefahr seines Rückwärtsmanövers nicht habe erkennen können, hieß es bei der Staatsanwaltschaft (TAG24 berichtete). Er soll stattdessen im Prozess als Zeuge aussagen.

In seinen Vernehmungen bestritt einer der Beschuldigten alle Tatvorwürfe. Er gab an, "lediglich schlichtend in die Auseinandersetzung zwischen seinem Bruder und dem Fahrzeugführer eingegriffen zu haben."

Außerdem habe er den 73-Jährigen, der später tödlich verletzt wurde, mehrfach aufgefordert, sich nicht einzumischen. Angeblich, so die Behauptung des Tatverdächtigen, habe er dem 25-Jährigen nach dem Sturz des Schlichters noch zugerufen, er solle nicht fahren, da der Mann am Boden läge.

Für den Prozess sind insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt.

Update, 12.53 Uhr: Die beiden Angeklagten im Alter von 26 und 25 Jahren räumten am Freitag ein, den 25 Jahre alten Fahrer geschlagen zu haben. Sie hätten aber nicht absehen können, dass der Streitschlichter in derartige Gefahr gerate.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Männer in der Verantwortung, weil sie den Autofahrer mit massiver körperlicher Gewalt in eine panische Flucht getrieben hätten. Der Fahrer habe die Gefahr bei seinem Wendemanöver mit dem Auto nicht erkannt.

Er überrollte den Senioren, der noch an der Unglücksstelle starb. Gegen den Fahrer selbst war das Ermittlungsverfahren aus diesem Grund eingestellt worden. Im Zeugenstand sagte er aus, er habe einfach nur weggewollt.

Die Angeklagten im Prozess nach dem Tod eines Streitschlichters sitzen im Sitzungssaal nebeneinander.
Die Angeklagten im Prozess nach dem Tod eines Streitschlichters sitzen im Sitzungssaal nebeneinander.  © DPA
Einer der Angeklagten sitzt beim Prozessauftakt nach dem Tod eines Streitschlichters mit Handschellen im Sitzungssaal.
Einer der Angeklagten sitzt beim Prozessauftakt nach dem Tod eines Streitschlichters mit Handschellen im Sitzungssaal.  © DPA
Der Rentner erlag sofort seinen Verletzungen, nachdem das Auto ihn überfahren hatte. (Symbolbild)
Der Rentner erlag sofort seinen Verletzungen, nachdem das Auto ihn überfahren hatte. (Symbolbild)  © 123RF

Titelfoto: 123RF


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