45 Jahre "Polizeiruf 110"! Kommissarin über Jubiläums-Fall

Beruflich: Die Kommissare Doreen Brasch und Dirk Köhler haben ihre Schwierigkeiten.
Beruflich: Die Kommissare Doreen Brasch und Dirk Köhler haben ihre Schwierigkeiten.

Von Heiko Nemitz

Magdeburg - Am 27. Juni 1971 flimmerte der erste „Polizeiruf 110“ über die Bildschirme. Nach 45 Jahren kommt am Sonntag die Jubiläumsfolge „Endstation“ aus Magdeburg.

Claudia Michelsen (47) ist darin zum sechsten Mal als toughe Kommissarin Doreen Brasch zu sehen. Sie muss sich nach dem Weggang von Jochen Drexler (Sylvester Groth, 58) nun mit ihrem neuen Kollegen Dirk Köhler (Matthias Matschke, 47) arrangieren.

MOPO24 sprach mit der Dresdnerin über den Jubiläums-Fall.

MOPO24: Frau Michelsen, Ihre Figur der Doreen Brasch im Magdeburger „Polizeiruf 110“ ist eine ungewöhnlich raue, einzelgängerische Kommissarin. Was reizte und reizt Sie an dieser Figur?

Claudia Michelsen: Ich empfinde Brasch nicht als rau, sie ist eine sehr verletzliche, sehr weiche Figur, die sich nach außen anders gibt, sich schützt, um nicht angreifbar zu sein. Durch ihre Geschichte ist der Beruf ihre Rettung, ihr Halt, ihre Struktur. All das hat mich natürlich gereizt.

MOPO24: Hatte es nach dem Ausstieg von Sylvester Groth Überlegungen gegeben, Sie solo weiterermitteln zu lassen? Trotz der Einführung von Matthias Matschke gehört „Endspiel“ doch größtenteils Ihnen…

Claudia Michelsen: Ja, es gab kurzzeitig diese Überlegung. Aber ich glaube an Teamkonstellationen, da es viel mehr Möglichkeiten zulässt.

Privat: Anders als ihre Charaktere harmonieren die Schauspieler Claudia Michelsen (47) und Matthias Matschke (47) prächtig.
Privat: Anders als ihre Charaktere harmonieren die Schauspieler Claudia Michelsen (47) und Matthias Matschke (47) prächtig.

MOPO24: Ein Neustart, bzw. eine Änderung des ursprünglichen Konzeptes war nicht geplant? Dirk Köhler ist ebenfalls wieder als - meistenteils - rationaler Gegenpart zu Doreen Brasch angelegt.

Claudia Michelsen: Ich empfinde Dirk Köhler als einen sehr emotionalen, aber sehr korrekten Menschen, im Gegenteil. Er geht nur anders damit um. Brasch erkennt das und vielleicht ist das ihre Verbindung. Mal sehen, wo uns die Geschichten noch hinführen.

MOPO24: Köhler hat es zunächst sehr schwer mit seiner neuen Kollegin - was Matthias Matschke famos retourniert! Wie ist Ihre Zusammenarbeit mit ihm?

Claudia Michelsen: Großartig. Er ist sehr genau, Beliebigkeit existiert nicht und trotzdem haben wir viel Spaß miteinander. Und auch Frau Brasch wird das langsam erkennen.

MOPO24: Zum Ende hin deuten Sie ihm aber Respekt an. Kommen sich die Figuren künftig näher, oder bleibt die Reibung erhalten?

Claudia Michelsen: Das kann und möchte ich nicht vorwegnehmen. Ich sag nur so viel: Reibung ist großartig, nur dann ist ja auch Nähe spannend.

MOPO24: Das Thema ‚gestörte Familien‘ eskaliert in drastischen Szenen, die viel vom harten Stil des alten „Polizeirufs“ aus DDR-Zeiten besitzen. Stehen die Magdeburger Fälle bewusst in dieser Tradition?

Claudia Michelsen: Im Moment würde ich das bejahen. Aber mal sehen, wo uns das noch hinführt. Alles ist möglich, auch andere Themen.

MOPO24: Gibt es generell noch etwas „Ostdeutsches“ im „Polizeiruf“?

Claudia Michelsen: Ich glaube, so langsam sollten wir uns von Ost und West lösen.

MOPO24: „Endspiel“ gilt nun als Jubiläums-Folge für 45 Jahre „Polizeiruf“. Ist das für Sie etwas Besonderes oder nervt es eher?

Claudia Michelsen: Natürlich ist das was Besonderes, zumal ich eine große Verehrerin der anderen Polizeirufe bin. Und gerade in München sind in den letzten Jahren so besondere Filme entstanden, die vielleicht erst mal nicht direkt an den Polizeiruf denken lassen, man könnte auch sagen, er ist in 45 Jahren wirklich gewachsen.

Fotos: MDR/Andreas Lander, MDR/Christine Schoeder

Titelfoto: Import


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0