Im Kraftwerk Mitte tickt eine Bombe!

Dresden - Es tickt und klopft in leicht maroden Gängen, unheilvoll schimmert eine nagelneue Bombe: In der alten Schaltanlage im Kraftwerk Mitte wurde eine Terrorzelle installiert! Muss man Angst haben? Nein, alles gehört zur Installation "Bang - Operating System Terror". Der Dresdner Künstler Dirk Großer (49) hat das provokante Projekt kuratiert.

Dirk Großer (49) zeigt die mit Schwefelwasserstoff gefüllte "Stinkbombe".
Dirk Großer (49) zeigt die mit Schwefelwasserstoff gefüllte "Stinkbombe".  © Steffen Füssel

Darf man mit den vielen Gesichtern des Terrors spielerisch umgehen? Unbedingt, findet Dirk Großer: "Wir zeigen zwar Terrorismus, der ist aber witzig gespiegelt." Sechs Künstler hat er eingeladen, mit neuen Arbeiten Terror zu hinterfragen. "Klar kann man sagen: Ganz schön heikel, was die da machen", sagt der Künstler, der einen Shitstorm erwartete. Die Befürchtung war unnötig: "Die Reaktionen sind positiv".

In der an Bunkergänge erinnernden Architektur entfaltet das Thema ungeahnten Reiz. Großer: "Ich möchte, dass man erkennt, wie nah die Bedrohung ist." Durch diese Nähe würde vieles seinen Schrecken verlieren. Ein Dialog soll entstehen, über Dinge, die uns Angst machen.

Neue Terror-Ausstellung "Bang"

In der mit Tic Tac tapezierten Installation "Sexbomb" von Silvie Zesch übertönt Tom Jones' Song das Ticken einer Zeitbombe.
In der mit Tic Tac tapezierten Installation "Sexbomb" von Silvie Zesch übertönt Tom Jones' Song das Ticken einer Zeitbombe.  © Steffen Füssel

Die gezeigten Arbeiten sind mal poppig, beklemmend oder philosophisch. Lebensgroße "T-Beutel" von Steffen Schiemann etwa sollen an abgelegte Bombenkoffer erinnern, es läuft ein Video mit dilettantischen Bombenbauern und an der Bin-Bar - eine Theke mit Osama-Drucken - gibt's Drinks "zum Abschießen".

Großer selbst beschäftigt sich mit Freiheit und Unfreiheit: Videos mit Interviews früherer Stasi-Häftlinge sowie fliehender Pferde aus Westernfilmen hängen vor einer Euro-Paletten-Wand in AfD-Blau - das muss man wirken lassen.

Die Ausstellung "Bang" im Kraftwerk Mitte, Halle 30, endet am Freitag, 22. November. Bis dahin geöffnet: Fr - So, 14 bis 19 Uhr, der Eintritt ist frei. hn

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