Immer mehr Schausteller bangen um ihre Existenz

Seit sechs Generationen ist die Familie von Thomas Bachmann im Schausteller-Geschäft tätig.
Seit sechs Generationen ist die Familie von Thomas Bachmann im Schausteller-Geschäft tätig.

Von Pia Lucchesi

Dresden - Das Vergnügen ist ihr Job. Trotzdem können die Schausteller heute kaum lachen: Viele fürchten um ihre Existenz.

In der Branche läuft schon lange nicht mehr alles rund. Events wie das Oktoberfest in München boomen. Doch viele kleine und mittlere Volksfeste leiden unter Besucherschwund. Immer weniger Menschen können und wollen sich den Luxus „Rummel“ leisten.

Die Stars der Festwiesen trifft die Entwicklung am härtesten. „Wir haben viele Insolvenzen, gerade was große Anlagen wie Achterbahnen angeht“, sagt der Schausteller und Spitzen-Funktionär Josef Diebold (50). In und um Dresden gab es vor zehn Jahren noch über ein Dutzend Betreiber großer Fahrgeschäfte.

Heute sind es nur noch halb so viele. „Strom, Personal, Versicherungen, Handwerker, Stellplätze - alles wird immer teurer. Auf die Fahrpreise kann man das kaum noch umlegen“, klagt Klaus Kunze vom Dresdner Schaustellerverband.

Für Ärger sorgt außerdem die neue EU-Sicherheitsnorm DIN EN 13814. Deutschland geht da einen Sonderweg. Während alle anderen Länder altgedienten Karussells Bestandsschutz gewähren, nimmt der TÜV hierzulande alle mobilen Attraktionen nun noch strenger unter die Lupe, fordert bis zu 100.000 Euro teure Nachrüstungen.

Thomas Bachmann (43) aus Dresden berichtet: „Ich musste meinen Musikexpress für über 5000 Euro nachrüsten.“ Aline Großmann besitzt einen Kettenflieger (Baujahr 1927). Der Oldie fuhr 80 Jahre unfallfrei, muss sich nun auch der neuen Norm stellen. „Alles ist in der Schwebe. Noch wissen wir nicht, was wir tun müssen.“

Auch Frank Urban (48) aus Radebeul besitzt einen betagten Kettenflieger. Er bezweifelt, dass das gute Stück eine Zukunft in Deutschland hat. Urban: „Vielleicht verkaufe ich den Kettenflieger ins Ausland.“

Jacky Walz (45) aus Blochwitz (bei Großenhain) plagen andere Sorgen. Der Schausteller möchte eine große Schaukel gebraucht kaufen, um damit auf Rummelplätzen Frohsinn zu stiften.

Walz frustet: „Ich finde keine Bank, die mir einen Kredit gibt. Eine halbe Million Euro kostet die Attraktion.“

Die Schießbude hat Winterpause. Schausteller Jacky Walz nutzt die kalte Jahreszeit, um die Gewehre und die Technik zu warten.
Die Schießbude hat Winterpause. Schausteller Jacky Walz nutzt die kalte Jahreszeit, um die Gewehre und die Technik zu warten.

Fotos: Thomas Türpe


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