In diesem Land verkaufen verzweifelte Menschen ihre Organe

Teheran (Iran) - Seit Jahren hängen in Teheran beunruhigende Zettel, auf denen verzweifelte Iraner ihre Organe zum Verkauf anbieten. Es ist einer der letzten Versuche, in dem gebeutelten Land Geld zu verdienen.

Ein Zettel von Februar 2019: "Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten steht eine Niere der Blutgruppe A- (38 Jahre) zum Verkauf.(Telefon Nr.) Um Gottes willen zerreißen Sie das bitte nicht. Ich brauche das Geld wirklich."
Ein Zettel von Februar 2019: "Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten steht eine Niere der Blutgruppe A- (38 Jahre) zum Verkauf.(Telefon Nr.) Um Gottes willen zerreißen Sie das bitte nicht. Ich brauche das Geld wirklich."  © Screenshot/Twitter/HeshmatAlavi

Die verzweifelten und verarmten Iraner verkaufen ihre Organe, wie andere ihre ausgemusterten Kinderwagen per Kleinanzeigen im Supermarkt. Auf kleinen Angebotszetteln bieten sie ihre Organe für das beste Gebot an.

Kurz und knapp geben sie - neben den zu verkaufenden Organen - auch noch ihre Blutgruppe, ihr Alter, ihr Geschlecht und ihre Telefonnummer an. Mehr braucht es im Iran seit Jahren nicht, um seine Organe feil zu bieten.

Besonders beliebt für einen Kaufabschluss ist die sogenannte "Kindney-Street" (Nieren-Straße). Aber auch an einem verlassenen Gebäude gegenüber eines Krankenhauses und anderorts hängen immer wieder Zettel mit den kruden Angeboten. Illegal ist das im Iran nicht.

Kann man einen Notstand in einem Land deutlicher ausdrücken, als so? Wahrscheinlich nicht.

Gründe für diese vorherrschende Armut im Iran und die dadurch resultierenden Verzweiflung, gibt es wahrscheinlich viele.

Einer soll das harte Durchgreifen der USA und deren Sanktionen gegen den Iran sein, so die "New York Post".

Druck und Sanktionen aus den USA verschlimmern die Lage im Iran

Ein weiteres Angebot: "Dringend Niere zu verkaufen. Blutgruppe 0+ weiblich, 23 Jahre alt. Um Gottes willen, bitte zerreißen Sie das nicht. Ich brauche das Geld wirklich. Bitte verstehen Sie meine Situation."
Ein weiteres Angebot: "Dringend Niere zu verkaufen. Blutgruppe 0+ weiblich, 23 Jahre alt. Um Gottes willen, bitte zerreißen Sie das nicht. Ich brauche das Geld wirklich. Bitte verstehen Sie meine Situation."  © Screenshot/Twitter/MostafaMe4

Seit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran 2018 (TAG24 berichtete), versuchen die Amerikaner das Land mit einer "Kampagne maximalen Drucks" und vielen wirtschaftlichen Sanktionen in die Knie zu zwingen, so die Deutsche Presseagentur.

Natürlich sei dabei auch der iranische Ölsektor betroffen. Aber nicht nur. Auch der Handel strauchelt dadurch gewaltig.

Mit einem der durch die politischen Streitigkeiten zwischen dem Iran und den USA verarmten Opfer sprach "The Sunday Times of London".

Ansgahr (37) spricht aus Erfahrung. Er hat schon selbst einen Zettel mit einem Organ-Angebot an eine Wand gehängt. Auf dem ist zu lesen: "Ich bin ein 37-Jähriger, der bereit ist, seine Niere aufgrund von Schulden und finanziellen Problemen zu verkaufen."

Gerne hat er das natürlich nicht getan. Es ist sein verzweifelter Versuch, aus einer wohl ausweglosen Situation zu gelangen. Der Textilarbeiter hat einfach kein Geld mehr. Seine Firma zahle keine Gehälter mehr, weil die produzierte Kleidung nicht mehr verkauft werden könne. Hoch war das letzte Gebot jedoch nicht. Gerade einmal umgerechnet knapp 1800 Euro wollte man ihm zahlen. Kein Einzelfall.

Wie immer trifft es bei politischen Disputen, die am stärksten, die sowieso schon alles verloren haben. Aber nicht nur. Auch wohlhabende Iraner geraten immer mehr in die Bredouille.

Aufgeben wollen die Menschen in Teheran aber nicht. Sie kämpfen weiter, obwohl es kaum Jobs gibt, die von einer rosigeren Zukunft in dem verarmten Land erzählen.

"Wir leiden und es wird immer schlimmer. Aber wir versuchen, hart zu arbeiten, in der Hoffnung, dass ein guter Tag kommen könnte", so der Ladenbesitzer Amir Hussein.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0