Eltern verlieren Kind in Millionen-Stadt, dann wird ein Bahnfahrer zum Helden

Prag (Tschechische Republik) - Inmitten von 1,3 Millionen Einwohnern und Hunderttausenden Touristen verlor eine Familie seinen Sohn im Urlaub.

Als der Straßenbahnfahrer anhielt, rannte das Kind zum Fahrer und erklärte die Situation.
Als der Straßenbahnfahrer anhielt, rannte das Kind zum Fahrer und erklärte die Situation.  © Screenshot/Twitter/JChodounsky

Seit 12 Jahren fährt Josef Chodounský schon Straßenbahnen in der tschechischen Hauptstadt Prag.

Einen Fall wie diesen hat er jedoch noch nicht zuvor erlebt: Ein kleiner Junge ging verloren, weil er träumte, als seine Familie in einen Bus stieg.

Chodounský war kurz vorm Stadtzentrum, als er den Jungen am Straßenrand entdeckte. Dieser stand einfach nur da und zeigte mit einer Hand auf den Fahrer.

"Als ich seinen verzweifelten Gesichtsausdruck sah, musste ich anhalten und fragen, was los ist", schrieb Chodounský in dieser Woche auf Twitter. So legte der besorgte Bahnfahrer einen zusätzlichen Stopp zwischen zwei Haltestellen ein.

"Er weinte und versuchte mir auf Englisch zu sagen, dass er seine Eltern verlor", so der Straßenbahnfahrer weiter.

Für ihn war klar, dass er handeln musste. Sofort nahm er sich der heiklen Angelegenheit an und lud den Jungen in den Führerstand ein.

Eltern machten das Richtige

Die Eltern des Kleinen bliesen ihren Ausflug vorerst ab und stiegen an der nächsten Haltestelle wieder aus. Dort warteten sie auf ihren Sohn, der schon auf dem Weg zu ihnen war.

Während der Fahrt versuchte der pflichtbewusste Straßenbahnfahrer das Kind zu beruhigen. Sie unterhielten sich soweit es die sprachlichen Barrieren zuließen.

Als der Tscheche in die nächste Haltestelle fuhr, sprang der Junge auf, winkte zur Scheibe heraus. Die Eltern entdeckte er nämlich noch, bevor die große Straßenbahn zum Stehen kam.

Der Fahrer freute sich über die schnelle Familienzusammenführung und verabschiedete den Jungen ganz schnell, damit er sofort zu seiner Familie konnte.

Fahrer befürchtete Strafen

Josef Chodounský schrieb auf Twitter, dass er eine Weile überlegte, ob er das Video der Fahrt hochladen sollte.

Er befürchtete, dass irgendwelche Leute etwas finden würden, das gegen die Regeln verstoßen könnte. "Aber weißt Du was?", schrieb er. "Es ist Weihnachten und jede Hilfe für Mitmenschen ist umso erfreulicher. Meine Stimmung kann keine mögliche Bestrafung verderben."

Das Video erreichte natürlich auch das städtische Verkehrsunternehmen. Doch von denen hatte der Fahrer nichts zu befürchten - ganz im Gegenteil: "Jetzt können wir verraten, dass wir eine intensivere Zusammenarbeit mit Josef Chodounský vorbereiten", schreibt das Unternehmen auf Twitter. "Für Dich. Für soziale Netzwerke. Du kannst Dich darauf freuen."

Was es damit genau auf sich hat, lässt der Verkehrsbetrieb offen. Aber eine Strafe scheint es sicher nicht zu sein.

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