Notstand! Millionen-Stadt entwickelt sich zu "Gaskammer"

Delhi - Die Luftverschmutzung in der indischen 19-Millionen-Metropole Delhi wird immer schlimmer - so schlimm, dass der Ministerpräsident zu drastischen Worten griff. Ein Expertengremium hat nun reagiert und den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Als Teil der Maßnahme wurden fünf Millionen Atemschutz-Tücher an Kinder verteilt.

Der Himmel über Delhi am 26. September (l.) und am 1. November. Hat die Ernte in den Nachbarstaaten wirklich so viel Schaden angerichtet?
Der Himmel über Delhi am 26. September (l.) und am 1. November. Hat die Ernte in den Nachbarstaaten wirklich so viel Schaden angerichtet?  © Twitter Screenshot @ArvindKejriwal

Schon im März dieses Jahres stellte Greenpeace in einer aufsehenerregenden Studie fest, dass Delhi weltweit an der Spitze der Städte mit der höchsten Luftverschmutzung steht.

Als sich die Dunstdecke über der Landeshauptstadt am Freitagmorgen intensivierte und der Luftqualitätsindex (AQI) auf einen katastrophalen Wert von 459 anstieg, entschieden sich die Behörden für einen drastischen Schritt.

Bis zum 5. November wurden alle privaten und staatlichen Schulen Delhis geschlossen, "um die Belastung der Kinder durch Umweltverschmutzung zu minimieren", wie Ministerpräsident Arvind Kejriwal twitterte.

Das Gleiche gilt auch für alle Bautätigkeiten: Heißmischanlagen und Steinbrecher wurden ebenfalls dicht gemacht.

Alle auf Kohle und anderen Brennstoffen basierenden Industrien, die nicht auf Erdgas oder Agrarrückstände umgestellt wurden, bleiben ebenfalls geschlossen.

Weiterhin beschuldigte Kejriwal die Nachbarstaaten Punjab und Haryana für das Chaos in der Metropole. "Delhi hat sich aufgrund des Rauches der Ernte in den Nachbarstaaten zu einer Gaskammer entwickelt. Es ist sehr wichtig, dass wir uns vor dieser giftigen Luft schützen", schrieb er.

Umweltminister kontert: Vor allem die Industrie sei für die Luftverschmutzung in Delhi verantwortlich

Gegenwind bekam Kejriwal von Bundesumweltminister Prakash Javadekar. Kejriwal habe nicht genug getan, um die Luftverschmutzung in Delhi einzudämmen, äußerte er.

"Anstatt Punjab und Haryana die Schuld zu geben, sollte Kejriwal über den Vorschlag von Premierminister Narendra Modi nachdenken, die von Industriebetrieben in fünf Bundesstaaten in der Nähe von Delhi erzeugten Schadstoffe einzudämmen", sagte Javadekar.

Um die Gesundheit der Jüngsten nicht weiter zu gefährden, wurden fünf Millionen Atemschutz-Tücher an Kinder der Hauptstadt verteilt. Zusätzlich wurde den Menschen geraten, sich nicht im Freien zu bewegen, bis die Umweltverschmutzung abgenommen hat. Kinder sowie ältere und schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen sollten besonders berücksichtigt werden.

Bleibt die Luftqualität weitere 48 Stunden in der Kategorie "schwer" oder "schwer plus", würden in Delhi weitere Sofortmaßnahmen wie das Verbot der Einfahrt von Lastkraftwagen in Kraft treten, kündigte die Regierung an.


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