Infinus-Manager wegen Bandenbetrugs vor Gericht

Der Angeklagte Jörg Biehl (M.) und die Rechtsanwälte Ulf Israel (li.) und Alexander Hübner im Strafprozess um den Finanzdienstleister Infinus.
Der Angeklagte Jörg Biehl (M.) und die Rechtsanwälte Ulf Israel (li.) und Alexander Hübner im Strafprozess um den Finanzdienstleister Infinus.

Von Eric Hofmann

Dresden - Drei Staatsanwälte, sechs Angeklagte, zwölf Anwälte: Am Montag kam mit dem Infinus-Skandal einer der größten Wirtschaftskrimis der deutschen Geschichte vor Gericht.

Die sechs Manager sollen 21.895 Anleger um über 300 Millionen Euro geprellt haben.

Das Who-is-who der Dresdner Strafverteidiger-Szene hatte sich neben den einstigen Topmanagern der Infinus-Gruppe auf der Anklagebank eingefunden, kein winziges Detail entgeht diesen Advokaten - und so musste der Prozess bereits vor der Verlesung der Anklage zweimal unterbrochen werden.

Anwalt Ulf Israel rügte die Besetzung der Richterbank, wollte diese in einem 51-seitigen Antrag für unzuständig erklären lassen.

Der Angeklagte und ehemalige Infinus-Topmanager Jens Pardeike (M.) und die Rechtsanwälte Thomas Zeeh (li.) und Stefan Heinemann.
Der Angeklagte und ehemalige Infinus-Topmanager Jens Pardeike (M.) und die Rechtsanwälte Thomas Zeeh (li.) und Stefan Heinemann.

So musste Richter Hans Schlüter-Staats (53) sich mit den Beisitzern und Schöffen zurückziehen und beschließen, dass dieser Antrag erst nach der Anklageschrift verlesen wird.

Der Kölner Anwalt Rainer Brüssow forderte Unterlagen, die belegen, dass weder Schöffen noch Richter Verwandte hätten, die Geld bei der Infinus-Gruppe angelegt hätten. Das lehnte Schlüter-Staats ab.

Schließlich konnte die Anklage doch verlesen werden: Jörg Biehl (54), Rudolf Ott (54), Kewan Kadkhodai (49), Jens Pardeike (48) und Siegfried Bullin (49) wird vorgeworfen, ein Schneeballsystem betrieben zu haben.

Sie sollen durch Versicherungsgeschäfte innerhalb der Infinus-Gruppe Scheingewinne vorgespielt haben, mit denen sie Anlegern Zinsen von bis zu acht Prozent versprachen.

Stattdessen sollen Anleger lediglich mit den Einlagen anderer Anleger bezahlt worden sein - ein System, das irgendwann zusammenbrechen musste. Für Juristen bandenmäßiger und gewerbsmäßiger Betrug! Der Manager Andreas Kison (46) ist der Beihilfe angeklagt.

Rechtsanwalt Michael Stephan sieht das anders, erklärt: „Eine Insolvenzreife der einzelnen Gesellschaften lag selbst zum Zeitpunkt der Durchsuchungen nicht vor, die Gesellschaften kamen ihren Pflichten auch gegenüber den Anlegern in der Vergangenheit stets nach.“

Bevor aber über die Sache selbst entschieden werden kann, müssen sich die Richter erstmal mit Rechtsanwalt Israels Zuständigskeits-Antrag beschäftigen. Eine Stunde erklärte er, warum eigentlich andere Richter auf der Bank hätten sitzen müssen:

„Der Richter Theile wurde in das Verfahren herein manipuliert“, so einer seiner Vorwürfe. Das belegte er unter anderem durch Zitate aus internen Mails der Richter untereinander! Er sei ein Wunschrichter des Vorsitzenden Hans Schlüter-Staats, und das sei rechtswidrig. Der Prozess geht am Nachmittag weiter.

Die sechs Manager sollen 21.895 Anleger um über 300 Millionen Euro geprellt haben.
Die sechs Manager sollen 21.895 Anleger um über 300 Millionen Euro geprellt haben.

Fotos: Ove Landgraf, imago/Robert Michael, dpa


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0