Infinus-Verfahren: Welche Rolle spielt die Bank-Aufsicht?

Bei der Razzia im November 2013 wurden auch Bilder, Fahrzeuge und teuere Uhren 
beschlagnahmt
Bei der Razzia im November 2013 wurden auch Bilder, Fahrzeuge und teuere Uhren beschlagnahmt  © Bruno Satelmajer

Dresden - Seit 20 Monaten wird verhandelt. Ein Ende im Infinus-Prozess am Landgericht Dresden ist nicht in Sicht. Und ausgerechnet die Aufsichtsbehörde BaFin, auf sich die Anklage stützt, macht eine schlechte Figur.

Sechs Ex-Managern (48 bis 56 Jahre) des Dresdner Finanzdienstleisters wird Betrug vorgeworfen. Sie sollen 21.895 Anleger um mindestens 155.917.950 Euro gebracht haben.

Ihre riskanten Geschäfte wurden demnach mit Eigenverträgen innerhalb der Firmen-Gruppe abgewickelt. Kurz: Im Schneeballsystem.

Vor allem Ex-Vorstand Jörg Biehl (55) beteuert, dass die Aufsichtsbehörde BaFin nie Mängel fand.

Sprich: Wenn der Behörde kein Fehler im System auffällt, könne den Angeklagten kein Vorwurf gemacht werden.

Die sechs Ex-Manager mit ihren insgesamt zwölf Verteidigern.
Die sechs Ex-Manager mit ihren insgesamt zwölf Verteidigern.

Eine große Hilfe war der BaFin-Mitarbeiter (53), der schon zwei Mal als Zeuge aussagte, wahrlich nicht: Er erklärte, die Behörde habe schon 2007 von Eigenverträgen gewusst. Konkrete Gegenmaßnahmen gab es aber nicht.

Sogar als 2010 eine Abteilung der BaFin feststellte, dass mit Eigenverträgen Millionen bei Infinus umgesetzt werden!

Das hätte laut Zeuge keine Relevanz für andere Abteilungen gehabt. Zum Beispiel für die Abteilung, die regelmäßig die Prospekte von Infinus prüfte, genehmigte und somit der Finanzgruppe korrektes Arbeiten bescheinigte...

Noch bis Ende 2013 agierte Infinus so unter den Augen der BaFin. Dann gab es eine anonyme Anzeige. Es folgten Razzien in Büros und Privathäusern, Infinus brach zusammen, die Manager kamen in U-Haft...

Der Zeuge soll erneut gehört werden. Aber erst nach der Sommerpause. Für drei Wochen ist der Prozess unterbrochen.


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