Sorben wollen eigenes Parlament

So sind sie in weiten Teilen Deutschlands bekannt: Die Sorben als Osterreiter.
So sind sie in weiten Teilen Deutschlands bekannt: Die Sorben als Osterreiter.  © DPA

Bautzen - Ein eigenes Parlament der Sorben - nichts weniger will eine Lausitzer Initiative. Die Volksvertretung der Sorben soll am Montag in Bautzen feierlich gegründet werden.

Wenn es nach Martin Schneider (41) geht, haben seine Sorben ab Montag ein eigenes Parlament. Der promovierte Ingenieur aus Bautzen möchte nicht mehr nur reden, sondern "endlich Demokratie wagen".

Mit der Initiative "Serbski Sejm" hat er im Steinhaus Bautzen nach Jahren der Vorbereitung eine Versammlung initiiert, um politische sorbische Selbstbestimmung einzuleiten, die ihm bislang fehlt. 

Aufgerufen sind 60.000 Sorben in Sachsen und Brandenburg. Darüber hinaus rechnet Schneider mit jenen Hunderttausenden, "die Sorben im Herzen sind und ihre kulturelle Identität verloren haben".

David Statnik (33), Chef der "Domowina", kämpft seit Jahren für die Belange der slawischen Minderheit in Sachsen.
David Statnik (33), Chef der "Domowina", kämpft seit Jahren für die Belange der slawischen Minderheit in Sachsen.  © DPA

Ganz genaue Zahlen hat niemand: Aus historischen Gründen darf hierzulande die ethnische Zugehörigkeit von Minderheiten nicht eingetragen werden; Sorbe ist, wer sich bekennt.

Das Parlament möchte Aufgaben der derzeitigen sorbischen Institutionen übernehmen und mit vom Volk direkt gewählten Vertretern eine Neuordnung der Beziehungen zu Bund und Ländern, Anhörungs- und Vetorechte, eigene Verantwortung über Bildungs und Schulwesen, Kultureinrichtungen sowie wirtschaftliche Planungskompetenzen erhalten.

Autonomie aber werde nicht angestrebt. "Wir wollen politische Selbstbestimmung und im Konzert der Freien Völker Europas eine Stimme erhalten", sagt er gleichwohl.

Die sorbische Bundestagsabgeordnete im Sächsischen Landtag, Maria Michalk (66, CDU), ist skeptisch: "Als Demokrat verstehe ich die Initiative, halte aber nicht so viel davon. Es gibt kein schlüssiges Konzept, keine richtigen Antworten, was dadurch besser werden soll. Wir Sorben sind in allen deutschen Parlamenten vertreten und genießen eine hohe Legitimation und Kulturautonomie."

Der staatlich anerkannte Domowina-Verband wird noch deutlicher: "Bisher stellen wir fest, dass es der Initiativgruppe in nahezu fünf Jahren nicht gelungen ist, ein schlüssiges Konzept vorzulegen oder die Mehrheit der Sorben hierfür zu gewinnen." 

(Autoren: Torsten Hilscher/Markus Weinberg)

Martin Schneider (41) ist Anführer der Bewegung für ein Sorben-Parlament.
Martin Schneider (41) ist Anführer der Bewegung für ein Sorben-Parlament.  © Markus Weinberg

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