Insider packt aus: So werden die deutschen Charts manipuliert

Netz - Hacker manipulieren die deutschen Charts! Ihr wundert Euch, warum plötzlich vor allem Deutsch-Rapper aus dem Nichts Millionen Aufrufe bei Spotify bekommen und so die Top10 erobern? Ein Hacker packt nun aus, wie das funktioniert.

Der Hacker "Kai" (re) erzählt dem Journalisten, wie er vorgeht.
Der Hacker "Kai" (re) erzählt dem Journalisten, wie er vorgeht.  © Youtube: Y-Kollektiv

"Es ist mega einfach aus dem Nichts in die Charts zu kommen", sagt der Hacker dem Journalisten Ilhan Coskun des Y-Kollektivs. "Die erfolgreichsten deutschen Rap-Musiker machen das so. Aber das müssen die nicht mal wissen. Denn oft beauftragen nur die Manager mich."

In dem Youtube-Video erklärt der Hacker, wie es geht.

Er nennt sich "Kai" und verhüllt sein Gesicht. Er möchte nicht erkannt werden. Schließlich sind seine Methoden nicht ganz legal. Wie es funktioniert, erklärt er recht simpel: "Ich habe 250.000 deutsche Spotify-Accounts. Die lasse ich dann die Lieder meiner Auftraggeber streamen. Und das nonstop. Ich erstelle Playlisten, jede Playlist ist mehrere Tausend Follower groß."

Der Hacker hat die Anmeldedaten von Tausenden bereits existierender Accounts. Darunter auch zahlreiche Familien-Accounts. Wie er an die Zugangsdaten gekommen ist, verrät er nicht. Außerdem hat er etliche "Mitarbeiter", die im Grunde dasselbe machen wie er: In hunderten Browser-Tabs die Spotify-Accounts öffnen und Tracks streamen lassen. 24 Stunden am Tag.

Um ein Lied effizient und schnell in die Charts zu bekommen, ist es von Vorteil, wenn er kurz ist. So um die 2 Minuten und 30 Sekunden etwa. Denn umso kürzer, umso öfter kann man ihn am Tag streamen. "Jede Sekunde ist da kostbar", so Kai.

Klicks und Spotify-Streams werden gekauft

Der Hacker an der Spotify-Oberfläche. Er hat Zugriff auf 250.000 Accounts.
Der Hacker an der Spotify-Oberfläche. Er hat Zugriff auf 250.000 Accounts.  © Fotos: Youtube: Y-Kollektiv

Schafft es der Track dann in eine berühmte Playlist, wird das ganze zum Selbstläufer. Die Anzahl der Spotify-Streams wirkt sich direkt auf die deutschen Charts aus.

Für Hacker "Kai" ein lukratives Geschäft. Denn er lässt sich für diesen Service gut bezahlen. Was so etwas kostet, möchte der Journalist wissen. "Das kommt darauf an, was du haben willst. Willst du 10 Mio. Streams, dann rechne ich aus, wie teuer das ist."

Bis zu 100.000 Euro verdient der Hacker damit im Monat. Muss davon aber auch sein Netzwerk an Helfern bezahlen. Die Mitarbeiter-Zahlungen zeigt er dem Journalisten auf Online-Auszügen. Es sind Honorare im vierstelligen Bereich.

Und den Geldfluss nutzen einige Auftraggeber auch um Geld zu waschen, so der Hacker. Schließlich lässt sich der Hacker bar bezahlen. Die Einnahmen kommen aber dann den Musikern durch Auszahlungen von Spotify auf legalen Weg zurück. Ein Beispiel macht es deutlich. "Hat ein Track bei Spotify knapp 70 Mio. Streams, bekommt der Künstler 256.000 Dollar dafür. Für ein Lied, auf nur einer Plattform", so Kai, nachdem er kurz das Beispiel an einem bekannten deutschen Rapper durchgerechnet hat.

Warum er das alles erzählt, fragt der Journalist am Ende des Videos. Kai sagt, er packt aus, weil er nicht korrekt bezahlt wurde. Und er ergänzt: "All das funktioniert nur, weil wir Teil eines dummen Systems sind."

Titelfoto: Youtube: Y-Kollektiv


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