Interview: Fritz Kalkbrenner über Techno, Heimat und stressiges Tourleben

Berlin - Der Name Kalkbrenner steht für Clubmusik im Großformat. Was die Brüder Paul und Fritz Kalkbrenner auf den Markt bringen, sorgt für Ekstase auf den Tanzflächen weltweit.

Fritz Kalkbrenner (37) ist gebürtiger Berliner, tourt seit etwa acht Jahren durch die Welt mit seiner Musik.
Fritz Kalkbrenner (37) ist gebürtiger Berliner, tourt seit etwa acht Jahren durch die Welt mit seiner Musik.

Fritz Kalkbrenner schaffte es zuletzt mit seinem markanten Gesang auch in die Radio-Hitlisten. Nun steht er am 8. Juli beim Click Clack am Dresdner Citybeach auf der Bühne. TAG24 sprach vorab mit ihm über Heimat, Karriere und das Leben auf Tour.

Du bist gebürtiger Berliner, warst also schon da, bevor dort der Techno-Hype ausbrach. Hast Du am Entstehen der Szene teilgenommen?

Sicher nicht von den ersten Tagen an. Aber ab Mitte und Ende der 90er war ich schon sehr gern in Clubs unterwegs. Mit 17 Jahren habe ich schon in dem ein oder anderen Laden gejobbt. Als Runner oder an der Tür. Es fügte sich alles so, dass ich Techno zeitig kennen und mögen gelernt habe.

Viele sind wegen der Kulturszene nach Berlin gezogen. Was bedeutet für Dich die Heimat?

Es gibt ganz klar eine Art Heimatgefühl in mir. Aber das wandelt sich auch immer mal. Genau wie die Stadt selbst. Vieles ist nicht mehr so, wie ich es früher kennen gelernt habe. Es gibt hier manche Ecken, die erkenne ich schon gar nicht mehr wieder. Alles verändert sich so schnell. Da lässt dann auch manchmal das Heimatgefühl etwas nach. Ich glaube, ich kann sagen, mit werdendem Alter wird die innige Bindung zu Berlin etwas weniger. Was aber auch nicht schlimm ist.

Das Dresdner Click Clack findet schon seit 11 Jahren am Citybeach an der Elbe statt.
Das Dresdner Click Clack findet schon seit 11 Jahren am Citybeach an der Elbe statt.  © Holm Helis

Seit knapp zehn Jahren bist Du als Artist unterwegs, hast nun schon fünf Alben rausgebracht. Aktuell das Album „Drown“. Bist Du so gern im Studio, dass es zu so viel Output kommt?

Das sind eher so Phasen. Die Musik selbst entsteht ja im Kopf. Und das geht überall. Ich kann also immer, wenn mir etwas einfällt oder mir der Sinn danach steht, Ideen am Laptop festhalten und skizzieren. Im Kopf weiß ich dann, was ich im Studio später noch ergänze und verändere. Dort findet dann auch die finale Phase statt, die einige intensive Wochen dauern kann.

Es fällt auf, das auf dem gesamten Album Deine markante Stimme nicht zu hören ist. Hat das einen Grund?

Nicht wirklich. Eine Gesangsnummer hatte sich einfach nicht aufgedrängt. Elektronische Musik kommt auch gut ohne Stimme aus. Mein neues Album geht also mehr zu den musikalischen Wurzeln zurück.

Nun bist Du viel unterwegs. Magst Du es, auf Tour zu sein?

Studioarbeit und Tour bedingen sich gut einander. Das eine mag ich so wie das andere. Und keines von beiden würde ich ausschließlich machen wollen. Nach monatelangem Unterwegssein, freue ich mich sehr auf Zuhause. Nach wochenlanger Studioarbeit liebe ich es, endlich wieder auf Tour zu gehen. Es ist wie mit allen Dingen im Leben: Zu viel ist nicht gut. Die Herausforderung ist es, immer das richtige Maß zu finden.

Vor Tausenden spielt Fritz Kalkbrenner jedes Wochenende, weltweit ist er unterwegs.
Vor Tausenden spielt Fritz Kalkbrenner jedes Wochenende, weltweit ist er unterwegs.  © Facebook: Fritz Kalkbrenner / PR

Bist Du gern auf Reisen?

Naja. Alles jenseits der Show kann man schon als Stress bezeichnen. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. 22 Stunden Flug für 2 Stunden Show zum Beispiel sind schon hart. Man muss da seinen Weg finden. Ich lese gern Bücher, wenn ich unterwegs bin. Das vertreibt etwas die Zeit.

Was bedeutet das Tourleben für Dein privates Umfeld? Wirst Du noch zu Geburtstagen von Freunden eingeladen, die an Wochenenden stattfinden.

Ne. Das wird man dann tatsächlich nicht mehr. Weil ich ja eh nicht kommen kann. Man sozialisiert sich als Künstler, der am Wochenende unterwegs ist, mit der Zeit anders. Ich treffe mich gern die Woche über mit Freunden. Die meisten davon sind auch Djs und Musiker, die den ähnlichen Rhythmus haben wie ich.

Die Stimmung beim Click Clack ist immer sehr ausgelassen und familiär.
Die Stimmung beim Click Clack ist immer sehr ausgelassen und familiär.

Wie ist der Kontakt zu Deinem Bruder Paul? Und gibt es eventuell mal wieder eine Zusammenarbeit?

Wir hören uns regelmäßig. Aber er ist natürlich auch sehr busy. Eine Zusammenarbeit steht nicht an und ist auch nicht in Aussicht. Dazu sind wir beide zu ausgelastet.

Du hast in so vielen Ländern gespielt. Lässt sich die Crowd in der Art ihres Feierns unterscheiden?

Ja, tatsächlich manchmal. In der Schweiz zum Beispiel feiern die Leute zurückhaltender als in Italien. Dort sind sie sehr impulsiv. In Deutschland sind die Leute sehr herzlich. Wenn ich hier spiele, werde ich immer sehr gut aufgenommen. Wie auch in Dresden, wo ich in Kürze beim „Click Clack“ bin. Da ist es immer sehr familiär.

Kann Techno auch außerhalb von dunklen Clubs bei Tageslicht gut funktionieren?

Unbedingt. In den Niederlanden zum Beispiel ist das ganz normal, dass Events von 10 bis 22 Uhr stattfinden. Das ist doch auch viel gesünder. Da raubt man dem Körper nicht so viel Schlaf und man kann am nächsten Tag mehr mit sich anfangen als nach einer durchzechten Nacht. Techno und Tageslicht schließen sich nicht aus. Ich spiele gern tagsüber.

Fritz Kalkbrenner beim Sputnik Springbreak.
Fritz Kalkbrenner beim Sputnik Springbreak.  © Imago

Bei etwa drei Gigs in der Woche, erinnerst Du Dich noch an Special-Locations?

Schon. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel auf der Chinesischen Mauer gespielt. Sowas bleibt hängen.

Mit was würdest Du heute Geld verdienen, wärest Du kein Musiker geworden?

Schwer zu sagen. Ich war damals freischaffender Journalist für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Ich habe TV-Beiträge für diverse Sendungen gemacht. Ob mich das heute noch glücklich machen würde, wer weiß das schon.

Bist Du denn heute glücklich?

Das kann ich schon behaupten. Ich bin gesund. Alles ist dran. Und alles was ich tue, mach ich wirklich gern. Das muss man auch mit Demut sehen, denn es ist nicht selbstverständlich. Umso zufriedener macht es mich.

Das Gespräch führte Sebastian Günther.

Fritz Kalkbrenner tritt am 8. Juli 2018 in Dresden beim „Click Clack“ am Citybeach auf. Tickets (ab 29,90 Euro) gibt es im Vorverkauf. Außerdem dabei: Robag Wruhme, Recondite, Dominik Eulberg, Super Flu und viele mehr.


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