"Intrige": Eine gewaltige Verschwörung, die die Welt für immer verändern sollte

Deutschland - Gegen alle Widerstände! Im Historiendrama "Intrige" von Regisseur Roman Polanski ("Chinatown") steht Colonel Georges Picquart (Jean Dujardin) im Mittelpunkt einer großen rassistischen Verschwörung.

Colonel Georges Picquart (l., Jean Dujardin) und Alfred Dreyfus (r., Louis Garrel) spielen bei der Intrige die Hauptrollen.
Colonel Georges Picquart (l., Jean Dujardin) und Alfred Dreyfus (r., Louis Garrel) spielen bei der Intrige die Hauptrollen.  © PR/© Guy Ferrandis

Zu Beginn sieht alles noch ganz eindeutig aus. Am 5. Januar 1895 wird von der Armee ein gewaltiger Schauprozess abgehalten, der zeigen soll, wie Frankreich mit Verrätern umgeht.

Alfred Dreyfus (Louis Garrel), jüdischer Hauptmann des 14. Artillerie-Regiments und Anwärter für den Generalstab der Armee, wird des Hochverrats für schuldig befunden.

Das Militärgerichtsurteil vom 22. Dezember 1894 beinhaltet, dass er degradiert- und auf die Teufelsinsel verbannt wird. Doch Dreyfus beteuert auch weiterhin seine Unschuld und kann nur mit Mühe die Fassung wahren.

Mit einem Fernglas beobachtet Picquart die Szenerie, während der Pöbel Dreyfus anfeindet. Picquart wird wenig später zum jüngsten Oberstleutnant der Armee befördert und übernimmt eine neue und leitende Stelle: im militärischen Geheimdienst.

Dort hatte bislang Sandherr (Eric Ruf) das Sagen, ist aufgrund seines Alters und einer schweren Krankheit jedoch keine Hilfe mehr. Nun muss sich Picquart mit dessen früherem Untergebenen Major Henry (Grégory Gadebois) auseinandersetzen, der gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern einige Dinge vor dem Neuzugang verbirgt.

Der ist jedoch nicht nur pflichtbewusst, sondern auch schlau und hat als Chef natürlich das Sagen. Er deckt einen Fehler der Armee auf, der die Welt für immer verändern wird. Je weiter er ermittelt, desto gefährlicher wird es für Picquart. Denn er macht sich immer mehr und vor allem mächtigere Feinde...

Roman Polanskis "Intrige" räumte bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2019 ab

Alfred Dreyfus (l., Louis Garrel) wird vom Militärgericht verurteilt. Später geht er in Revision.
Alfred Dreyfus (l., Louis Garrel) wird vom Militärgericht verurteilt. Später geht er in Revision.  © PR/© Guy Ferrandis

Diese auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte hat "Oscar"-Gewinner Polanski ("Der Pianist") herausragend umgesetzt.

Völlig zurecht wurde seine Perle auf dem renommierten Festival in Venedig gleich mit vier (!) Preisen ausgezeichnet und mit den meisten Nominierungen für den französischen Filmpreis "César" bedacht (zwölf). Denn der Altmeister demonstriert hier all seine Stärken als Regisseur.

Dabei kommt ihm auch seine jahrzehntelange Erfahrung zugute. So führt er die Zuschauer mit viel Fingerspitzengefühl durch eine lange, beeindruckend choreografierte Plansequenz in das Geschehen ein und gibt ihnen damit ein erstes Gefühl für das, was in den 132 Minuten passieren wird - das ist nämlich eine ganze Menge!

Er behandelt bedeutende universelle Themen wie Gerechtigkeit, Pflichtbewusstsein, Vertuschung, Enthüllung, Rassismus, Täuschung, Unterdrückung und vor allem Moral.

Trotz dieser Fülle überfrachtet der französische Filmschaffende sein Werk nicht. Im Gegenteil. Dank eines herausragenden, intelligenten Drehbuchs gibt er allen Aspekten viel Raum zur Entfaltung.

Letzteren gewährt er auch den exzellent dargestellten und entwickelten Charakteren. Deshalb kann man von der ersten Sekunde an in das spannende Geschehen mit klaren Botschaften gegen Faschismus, Diskriminierung und Vorurteile abtauchen. Denn die kraftvolle Handlung zieht einen in ihren Bann.

Jean Dujardrin zeigt in "Intrige" seine beste Leistung seit seinem "Oscar"-Gewinn für "The Artist"

Colonel Georges Picquart (Jean Dujardin) deckt eine Verschwörung auf, die große politische und gesellschaftliche Folgen haben sollte.
Colonel Georges Picquart (Jean Dujardin) deckt eine Verschwörung auf, die große politische und gesellschaftliche Folgen haben sollte.  © PR/© Guy Ferrandis

Großen Anteil an dieser Sogwirkung haben auch die Schauspieler. Hier hebt sich vor allem Dujardin ("The Wolf of Wall Street", "Kleine wahre Lügen") heraus, der die beste Leistung seit seinem "Oscar"-Gewinn für "The Artist" vor acht Jahren zeigt.

Er fungiert als erdender Anker des Dramas und stellt seine Figur mit großem Facettenreichtum dar, arbeitet dabei sowohl Picquarts Stärken als auch dessen Schwächen heraus, was mit dazu beiträgt, dass man sich mit seinem Protagonisten identifizieren kann.

Außerdem werfen sein ehrenhaftes Verhalten, seine bedacht getroffenen Entscheidungen und sein starker innerer Konflikt einbindende Fragen auf, die dafür sorgen, dass man durchgehend bei der Stange bleibt, weil man sich schon während des laufenden Filmes seine Gedanken macht und auch anschließend noch über ihn sinniert.

Wie würde man sich selbst in solchen Situationen verhalten? Das ist die Frage aller Fragen, von der auch Dujardins Spiel profitiert.

Denn mit seiner Rolle wird dabei wohl fast jeder etwas anfangen könne. Er trägt den Film trotz aller Komplexität mit seiner Präsenz, seinem Timing und seinem Gespür problemlos. Dank der Nebendarsteller, die ihm die Bälle gekonnt zuspielen und selbst erstklassige Darbietungen zeigen, ist "Intrige" äußerst mitreißend geworden.

"Intrige" beeindruckt mit genialem Szenebild und einer großartigen Kameraführung

Der berühmte Schriftsteller Emile Zola sorgte mit seinem legendären Artikel "J’accuse" ("Ich klage an...!) für Zündstoff und spielte eine entscheidende Rolle in der Dreyfus-Affäre.
Der berühmte Schriftsteller Emile Zola sorgte mit seinem legendären Artikel "J’accuse" ("Ich klage an...!) für Zündstoff und spielte eine entscheidende Rolle in der Dreyfus-Affäre.  © PR/© Guy Ferrandis

Deshalb sieht man auch über kleinere Längen hinweg. Man hätte das Drama sicherlich ein wenig komprimieren können, doch Polanski kommt aus einer anderen Zeit, in der das Erzähltempo noch nicht so hoch war wie in vielen heutigen Produktionen.

Wer sich also auf eine etwas geruhsamer erzählte Story einlassen kann, der wird mit einem Ausnahmewerk belohnt.

Das liegt auch an den hintergründigen und schlagfertigen Dialogen, die viel zum guten Gelingen und Verständnis der Gemengelage beitragen.

Dazu sind die Schauwerte auch visuell dank der ruhigen, imponierenden Kameraführung von Pawel Edelman ("Das Massaker von Katyn") hoch. Mit ihm arbeitet Polanski schon seit "Der Pianist" zusammen, was sich hier auszahlt.

Denn Edelman kreiert mit großem Gespür für eine abwechslungsreiche Farbpalette reihenweise hochwertige cineastische Bilder voll poetischer Schönheit.

In Verbindung mit dem genialen Szenebild, der prunkvollen Ausstattung, den detailreich gestalteten, aufwendigen Kostümen und den wunderschönen Locations erleben die Zuschauer eine packende Zeitreise in das späte 19. Jahrhundert, für die sich ein Kinobesuch definitiv lohnt.

Die Reaktionen auf Zolas Brief sind extrem. Einige Menschen verbrennen seine Bücher (l.). Colonel Georges Picquart (Jean Dujardin) ist ihm hingegen dankbar für die Unterstützung.
Die Reaktionen auf Zolas Brief sind extrem. Einige Menschen verbrennen seine Bücher (l.). Colonel Georges Picquart (Jean Dujardin) ist ihm hingegen dankbar für die Unterstützung.  © PR/© Guy Ferrandis

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