Alle Insassen bei Absturz gestorben: So alt war das Unglücks-Flugzeug bereits

Angehörige der Opfer des Flugzeugabsturzes trauern in der Nähe der Absturzstelle.
Angehörige der Opfer des Flugzeugabsturzes trauern in der Nähe der Absturzstelle.  © DPA

Teheran – Ein Flugzeugabsturz mit wahrscheinlich 66 Toten hat die Reihe schwerer Luftfahrtunfälle im Iran erneut verlängert. Auf einem Inlandsflug zerschellte am Sonntag eine aus Teheran kommende Maschine an einem Berg (TAG24 berichtete). Vermutlich kamen dabei alle 60 Passagiere und 6 Crew-Mitglieder an Bord ums Leben, wie ein Sprecher der Fluglinie Aseman Airlines am Vormittag mitteilte.

In den Stunden nach dem Unglück fanden Rettungskräfte des Roten Halbmonds in der schwer zugänglichen Region zunächst weder Wrackteile der Maschine noch Leichen von Insassen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna wurden die Rettungsarbeiten wegen der Dunkelheit unterbrochen. Es hätte keinen Sinn weiterzumachen, hieß es. Mit Tagesanbruch am Montag sollte die Suche nach der Maschine dann fortgesetzt werden.

Die Maschine des Typs ATR-72 war laut Aseman Airlines auf dem Weg vom Flughafen Teheran-Mehrabad nach Yassudsch im Südwestiran.

Dorfbewohner hörten eine Explosion

Dieses Bild tauchte auf Twitter auf. Zeigt es das Unglücksflugzeug?
Dieses Bild tauchte auf Twitter auf. Zeigt es das Unglücksflugzeug?

50 Minuten nach dem Start verschwand das Flugzeug vom Radar. Kurz vor der Kleinstadt Semirom prallte es demnach gegen den Dena-Berg. Die Einwohner des nahen Dorfes Bideh hätten eine Explosion gehört.

Ein Sprecher des Roten Halbmonds sagte dem Staatssender IRIB am Mittag, dass wegen eines heftigen Schneesturms am Dena-Berg die Rettungskräfte keinen Zugang zum Absturzort hätten. Daher sei das Flugzeug zunächst nicht entdeckt worden. Nach Angaben des Sprechers waren die Menschen an Bord aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Leben - sicher bestätigen könne man dies indes noch nicht.

Ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde wollte sich auch zur Unglücksursache nicht äußern. Eine genaue Analyse sei erst möglich, wenn der Flugschreiber der Maschine gefunden und ausgewertet sei. Die Maschine stamme aus dem Jahr 1993 und sei in den vergangenen 25 Jahren mehrmals modernisiert worden, sagte der Behördensprecher im IRIB-Interview.

Airline steht auf der Schwarzen Liste

Offenbar sind alle Insassen ums Leben gekommen.
Offenbar sind alle Insassen ums Leben gekommen.  © DPA

Zu dramatischen Szenen kam es nach dem Unglück am Flughafen Mehrabad. Dort versammelten sich Angehörige der vermutlich toten Insassen.

Sie fragten, warum die zivile Luftfahrtbehörde im Verkehrsministerium eine so alte Maschine mit 60 Passagieren starten lasse, wenn sie technisch nicht einwandfrei sei. Dabei sollen auch regimekritische Parolen gerufen worden sein. Ähnliche Szenen gab es offenbar auch im Zielflughafen Yassudsch.

Das Unternehmen Aseman Airlines steht auf einer aktuellen Schwarzen Liste unsicherer Fluggesellschaften der EU-Kommission. Im Iran gilt die Firma nach Iran Air, Mahan Air und Meraj Air aber noch als bessere Airline. In dem vorderasiatischen Land hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder schwere Flugzeugunglücke gegeben, für die häufig der schlechte technische Zustand der Maschinen verantwortlich gemacht wurde. In den vergangenen 15 Jahren kam es zu mindestens sechs schweren Crashs mit Hunderten Toten.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, reagierte am Sonntag wenige Stunden nach dem Unglück im Kurznachrichtendienst Twitter: "Das ist eine schreckliche Nachricht vom Flugzeugabsturz in den iranischen Bergen. Wir nehmen Anteil an der Trauer des iranischen Volks um die Menschen, die dabei ihr Leben verloren haben."


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