Islam-Debatte bei "hart aber fair": Komikerin Enissa Amani erntet viel Spott und Hohn

Berlin/Köln - "Islam ausgrenzen, Muslime integrieren - kann das funktionieren?", wollte "hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg am Montagabend von seinen Gästen wissen, ohne zu ahnen, welchen emotionalen und fragwürdigen Verlauf die Sendung damit nehmen würde.

Hochkarätige Gäste bei Frank Plasberg: Wenig ruhige Töne, dafür lautstarke Diskussion.
Hochkarätige Gäste bei Frank Plasberg: Wenig ruhige Töne, dafür lautstarke Diskussion.  © Imago

Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer (68, CSU) löste mit seiner Aussage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, aber wohl die Muslime, eine kontroverse Debatte in Deutschland aus, die am Montagabend im Berliner TV-Studio völlig abstrus weiter diskutiert wurde.

Vor allem die Schauspielerin und Komikerin Enissa Amani (36) stand dabei im Mittelpunkt, die mit ihren Äußerungen durchaus plausibel den Islam als Religion verteidigte, aber mit ihren unausgewogenen Argumenten im Nachgang einen Shitstorm gegen ihre Person auslöste.

Bereits im Vorfeld versprach die Runde samt Thema vielversprechend zu werden. Denn Deutschland ist ein Einwanderungsland und daher auf eine Integration der Migranten angewiesen. So wurden vielschichtige Gäste eingeladen, darunter Bundestagsabgeordneter Cem Özdemir (52, Grüne), der Bayerische Staatsminister des Inneren und für Integration, Joachim Herrmann (61, CSU) sowie der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (46), der im Verlauf der Sendung kein sonderlich großer Fan von Enissa Amani wurde.

Während die Komikerin ein friedliches Bild von Deutschland mit seinen Minderheiten und Glaubensgemeinschaften zeichnete, gab es in Richtung CSU-Politiker Herrmann eine Spitze gegen dessen Parteikollege Seehofer: "Ich bin sehr traurig, dass eine Partei mit dem C im Namen für eine solche Spaltung sorgt, da erwarte ich von Christen mehr".

IS-Attentäter werden als "islamistisch" gekennzeichnet, aber niemals als "psychisch gestört" bezeichnet

Schauspielerin und Komikerin Enissa Amani bei "hart aber fair".
Schauspielerin und Komikerin Enissa Amani bei "hart aber fair".  © Imago

Auch auf den jüngsten Vorfall in Münster kam Amani zu sprechen. So beklagte sich die 36-Jährige über die Meldungen, dass der Täter Jens R. als "psychisch gestört" bezeichnet wird, dies aber bei unzähligen Anschlägen des Islamischen Staates niemals verwendet wird.

So wird laut Amani ein IS-Attentäter stets als "islamistisch" gebrandmarkt, aber niemals als "psychisch gestört". Aber eben aus ihrer Sicht ist ein IS-Attentäter psychisch krank.

Und auch ein Tötungsversuch gegen eine 17-Jährige, die als Flüchtling aus Libyen nach Deutschland gekommen war, wurde zum Thema. Denn die Schauspielerin verpasste dieser abscheulichen Tat wieder den Stempel "psychisch gestört", statt in irgendeiner Form eine Verbindung zur Religion und den dahinter steckenden Ehrenmord zu erwähnen.

Politikwissenschaftler und Autor Abdel-Samad hat genug von Amani gehört

Deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler und Autor Hamed Abdel-Samad.
Deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler und Autor Hamed Abdel-Samad.  © Imago

Es war definitiv nicht der Abend von Amani, die immer tiefer in die Misere rutschte und mit ihren Argumenten und Vergleichen vor allem den deutsch-ägyptischen Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (46) gegen sich aufbrachte.

"Es ärgert mich, dass Sie alles klein reden", sagte der Islamkritiker in Richtung Enissa Amani. "Ihr Ton ist unerträglich, sie relativieren".

Ruhige Töne fanden am Ende nur selten den Weg in die Sendung. Auch nach 75 Minuten gab es keine konkrete Anwort auf die Eingangs gestellte Frage von Moderator Frank Plasberg. Denn was von der Runde - wieder einmal - übrig blieb, waren zwei Seiten, die unversöhnlich auseinander gingen.

Denn Özdemir sprach Kopftuch als Glaubensbekenntnis an, das nicht immer im freien Wille der Kinder und Jugendlichen geschehe. Amani ging darauf nicht ein und schwelgte stattdessen positiv im "neuen Deutschland".

"Sie haben genug geredet, wir waren bei einem Kind mit Kopftuch", keifte der 46-Jährige in Richtung Amani, die daraufhin konterte: "Ihr Buch werde ich ganz bestimmt nicht lesen".


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