Tötete der Zwickauer Amokläufer zwei Frauen im Wahn?

Edmund Wenske (83) kannte Nachbar Lutz L. nur flüchtig.
Edmund Wenske (83) kannte Nachbar Lutz L. nur flüchtig.

Von Ronny Licht

Zwickau - Auch eine Woche nach den schrecklichen Morden von Zwickau bleiben viele Fragen offen. Wie konnte ein unauffälliger Mann so plötzlich zum Mörder werden? Offenbar hat ihn der Wahn zu seinen Taten getrieben...

Ein sonniger Tag im Stadtteil Marienthal, kurz vor 17 Uhr. Rentner sitzen vor ihren Häusern auf Bänken, im Park spielen Kinder. Fast unbemerkt beginnt hier in der Jacobstraße 23 vergangenen Sonntag der Horror.

Seit mehr als zehn Jahren lebt hier Lutz L. (46), ein gebürtiger Bautzner. Erst vor vier Monaten zieht er in die Jacobstraße 23. Ein ruhiger Mann. Oft steht er in sich gekehrt im Unterhemd auf dem Balkon, raucht.

Nachbar Edmund Wenske (83): „Gegrüßt hat er nie.“

Lucien Zimmermann (24) versuchte das zweite Opfer noch zu retten, hatte aber keine Chance.
Lucien Zimmermann (24) versuchte das zweite Opfer noch zu retten, hatte aber keine Chance.

Im Haus selber hat der 46-jährige nur Kontakt zu Helga J., einer EU-Rentnerin (67), die das Papier der Nachbarn sammelt und über ihm wohnt.

Doch an diesem Tag ist alles anders. Wie in Trance greift Lutz L. zu einem Küchenmesser. Er klingelt bei seiner Bekannten. Als sie öffnet, sticht er wortlos zu. Immer und immer wieder.

Dann flüchtet er auf die Straße. Tötet wahllos eine weitere Frau (81), versucht, eine 28-jährige Krankenschwester zu erwürgen.

Währenddessen spielt sich im Haus ein Drama ab. Noch einen Tag später erzählen die Blutspuren die traurige Geschichte.

Helga J. lebt noch, schleppt sich blutend die Treppe in den zweiten Stock. Klingelt bei Nachbarn, doch niemand macht auf. Sie schwankt zwischen Geländer und Wand, barfuß, das Blut strömt weiter. Im Dachgeschoss, nach 36 quälend langen Treppenstufen, bricht sie zusammen.

Auch einen Tag nach der Tat wurden noch Spuren gesichert.
Auch einen Tag nach der Tat wurden noch Spuren gesichert.

Kurz darauf stellt der Notarzt den Tod der Rentnerin fest - Helga J. ist auf dem Treppenabsatz qualvoll verblutet.

Nur 80 Meter weiter liegt das zweite Opfer auf dem Fußweg. Kraftfahrer Lucien Zimmermann (24) kämpft um ihr Leben, Herzdruckmassage, Beatmung - umsonst.

Wenige Meter weiter sitzt der Mörder, bewacht von zwei Männern. Einer der beiden, ein 29-jähriger, erzählt später: „Er hat uns mit wirrem Blick angefleht, ihn zu stoppen.“

Im Verhör erzählt Lutz L., Satan habe ihm befohlen, Menschen zu töten. Am Donnerstag wurde der irre Killer von Marienthal in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Fotos: Uwe Meinhold


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