0,1 % vor CDU! AfD wird stärkste Partei in Sachsen

Jubel bei der AfD-Wahlparty in Dresden. Dort wurde 
etwas vorschnell der angebliche Sieg von Direktkandidat Jens Maier verkündet. 
Später wendete sich das Blatt.
Jubel bei der AfD-Wahlparty in Dresden. Dort wurde etwas vorschnell der angebliche Sieg von Direktkandidat Jens Maier verkündet. Später wendete sich das Blatt.  © Norbert Neumann

Dresden - Paukenschlag in Sachsen! Die AfD ist die stärkste Partei bei den Zweitstimmen. Zum ersten Mal überhaupt wurde damit die CDU-Dominanz im Freistaat gebrochen - von einer Partei weit rechts der Union.

Insgesamt kam die AfD auf 27 Prozent der Zweitstimmen und überholte damit die CDU.

Die Christlich Demokratische Union fuhr hingegen ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis ein. Wählten 2013 noch 42,6 Prozent aller Sachsen CDU, waren es am Ende 26,9 Prozent der Zweitstimmenwähler. Die SPD erreichte hingegen 10,5 Prozent der Stimmen.

Entsetzen auch bei der Linken: Das gute Abschneiden der AfD sorgte für lange Gesichter, die 16,1 Prozent der Zweitstimmen bedeuten ebenfalls einen Verlust im Vergleich zur letzten Bundestagswahl.

Jubel hingegen bei der FDP: Die Liberalen konnten 8,2 Prozent Zweitstimmenergebnis vorweisen - damit verdoppelte die FDP ihr Ergebnis von vor vier Jahren.

Die Grünen spielen in Sachsen so gut wie keine Rolle. Bereits bei der letzten Wahl schrammte die Öko-Partei mit 4,9 Prozent zumindest im Freistaat an der 5-Prozent-Hürde vorbei. Endstand gestern: 4,6 Prozent der Zweitstimmen.

Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen 2019 hat dieses Ergebnis wegweisende Wirkung. Eine Koalition von CDU und SPD hätte keine Mehrheit mehr. Die AfD könnte als stärkste Kraft theoretisch den Ministerpräsidenten stellen, was aber durch fehlende Koalitionspartner eher unwahrscheinlich ist.

Petry schlägt CDU-Urgestein Brähmig

AfD-Chefin Frauke Petry (42) bei der Stimmabgabe in Leipzig. Ihre Partei schnitt besonders in Sachsen stark ab.
AfD-Chefin Frauke Petry (42) bei der Stimmabgabe in Leipzig. Ihre Partei schnitt besonders in Sachsen stark ab.  © dpa/Sebastian Willnow

Seit der Wiedervereinigung galt es als unumstößliches Gesetzt: Wer in Sachsen für die CDU als Direktkandidat antritt, zieht auch in den Bundestag ein. Nicht so am Sonntag. Im ganzen Freistaat bangten CDU-Größen bis tief in die Nacht um ihren direkten Einzug in den Bundestag.

In Dresden blickten sowohl Arnold Vaatz (CDU) als auch Andreas Lämmel (CDU) bang auf ihre Wahlergebnisse. Vor allem Lämmel machte AfD-Richter Jens Maier zu schaffen. Maier sorgt im Wahlkampf immer wieder für Kopfschütteln, erklärte in seiner bundesweit für Empörung sorgenden „Watzke-Rede“ beispielsweise den deutschen „Schuldkult“ für „endgültig beendet“. Am Ende setzten sich Lämmel und Vaatz erstaunlich knapp durch (TAG24 berichtete).

Einige Wahlkreise wird die CDU aber verlieren.

In der Sächsischen Schweiz holte sich AfD-Chefin Frauke Petry das Direktmandat locker - sie lag deutlich vor CDU-Urgestein Klaus Brähmig.

CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer (42) lag im Wahlkreis Görlitz hinter Tino Chrupalla (AfD). Im Wahlkreis Bautzen I hatte Roland Ermer (53, CDU), Präsident des Sächsischen Handwerkstages, das Nachsehen.


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