Ist die Meldung über den toten Lageso-Flüchtling unwahr?

Zahlreiche Flüchtlinge stehen am 27. Januar vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin.
Zahlreiche Flüchtlinge stehen am 27. Januar vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin.

Berlin - Es ist das Alptraum-Szenario: In Berlin soll ein junger Flüchtling gestorben sein - und wieder spielt dabei das inzwischen bundesweit für Verwaltungsversagen berüchtigte Landesamt für Soziales und Gesundheit (Lageso) eine Rolle.

Zwar gibt es im Laufe des Tages Zweifel am Tod des Flüchtlings, doch die Nervosität der Berliner Politik rund um die Problem-Behörde wächst: Wenn das wahr ist, hat die Landesregierung ein Problem, ist gleich zu hören. Am Abend Entwarnung: Der tote Flüchtling ist offenbar die Erfindung eines Helfers. Was war passiert?

Erst warteten Flüchtlinge tage- und wochenlang in Hitze oder Kälte auf ihre Registrierung. Dann schlugen Heimbetreiber Alarm: Die Menschen müssten hungern, weil die Behörde mit den Zahlungen der Lebenshaltungskosten nicht hinterherkam. Am Mittwochmorgen folgte die Nachricht des Flüchtlingshelfers von einem ersten toten Flüchtling, die aber stundenlang niemand verifizieren konnte.

Zunächst gab es nur den Eintrag des Helfers bei Facebook. Demnach soll der 24-jährige Syrer tagelang am Lageso gewartet und hohes Fieber bekommen haben. Deshalb habe der Helfer den Flüchtling mit zu sich nach Hause genommen und schließlich einen Krankenwagen gerufen. Auf dem Weg ins Krankenhaus habe der Syrer einen Herzstillstand erlitten.

Der Facebook-Eintrag von "Moabit hilft".
Der Facebook-Eintrag von "Moabit hilft".

Später löschte der Helfer den Facebook-Eintrag. Am Nachmittag verbarrikadierte er sich in seiner Wohnung und ließ alle rätseln. Die Sozialverwaltung fragte viele Kliniken ergebnislos ab. Auch Feuerwehr und Polizei konnten den Tod eines Flüchtlings nicht bestätigen.

Eine Sprecherin des Vereins "Moabit hilft" hatte noch am Nachmittag erklärt, derzeit nicht an den Angaben des Helfers zu zweifeln. Am Abend erklärte eine Polizeisprecherin nach einer ersten Befragung des Helfers: "Wir haben keinen toten Flüchtling. Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass an dem Sachverhalt, den er veröffentlicht hat, etwas dran ist."

Der Flüchtlingshelfer habe "die ganze Republik verrückt gemacht" - aber eine Straftat sei sein folgenreicher Internet-Eintrag nicht.

Unabhängig von den Zweifeln, die im Laufe des Tages auftauchten, verbreitete sich die Nachricht vom angeblichen Tod eines Syrers wegen der langen Wartezeiten vor dem Lageso im Internet.

Das Amt kommt aus der Negativ-Spirale nicht heraus. Der zuständige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) steht seit langem am Pranger. Die Opposition fordert seit Wochen von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) seinen Kopf.

Czaja konnte am Abend erst einmal aufatmen. Die Situation am Lageso habe sich enorm verbessert, sagt er im RBB-Fernsehen.

Fotos: imago, Facebook


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0