Erdogan ruft Deutsch-Türken zu Wahlboykott auf: Will er Merkel stürzen?

Nennt deutsche Parteien "Türkeifeinde": Präsident Recep Tayyip Erdogan (63).
Nennt deutsche Parteien "Türkeifeinde": Präsident Recep Tayyip Erdogan (63).  ©  Depo Photos/Depo Photos via ZUMA Wire/dpa

Istanbul - Am Freitagmorgen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (63) in einem Fernsehinterview Stimmung gegen deutsche Parteien gemacht.

Er sagte, dass deutsche Parteien den Türken "weh tun" würden und sogar "Feinde der Türkei" seien. Deshalb sollen die Türken in Deutschland nicht zur Bundestagswahl gehen und den Parteien eine Lehre erteilen.

"Ich fordere alle meine Landsleute in Deutschland auf, nicht den Fehler zu begehen und die zu unterstützen, weder die Christdemokraten noch die SPD noch die Grünen", polterte Erdogan.

Die in Deutschland lebenden Türken sollten stattdessen Parteien unterstützen, die sich der Türkei gegenüber nicht feindlich verhielten.

Erneut forderte Erdogan die Bundesrepublik zur Auslieferung mutmaßlicher Putschisten auf.

Außenminister Sigmar Gabriel (57) schaltet sich mit scharfer Kritik ein.
Außenminister Sigmar Gabriel (57) schaltet sich mit scharfer Kritik ein.  © Michael Kappeler/dpa

"Genauso wie Deutschland seine Bürger von uns zurückhaben möchte", erwarte die Türkei, die "sich dort aufhaltenden Terroristen" ausgehändigt zu bekommen.

Zudem wolle Deutschland "Kriminelle" zurück, während die Türkei "Terroristen" ausgeliefert haben wolle, so Erdogan.

Fährt der türkische Präsident insbesondere eine Strategie gegen Angela Merkel (63, CDU)? Auffällig viele türkische Zeitungen richten sich am Freitagmorgen gegen die deutsche Bundeskanzlerin.

"Erdogan hat seinen Medien den Marschbefehl gegeben, Merkel zu attackieren“, twitterte der regierungskritische türkische Journalist Abdullah Bozkurt, der zur Zeit im schwedischen Exil lebt, am Donnerstagabend.

Mehrfach legte er auf Twitter am Freitag nach und postete Fotos von den entsprechenden Zeitungen. An dieser Stelle kann man nur abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.

Update 18.30 Uhr: Außenminister Gabriel schaltet sich ein

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (57, SPD) hat die versuchte Einflussnahme des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die Bundestagswahl scharf kritisiert.

Dessen Aufruf an die Deutschtürken, keine "Türkeifeinde" zu wählen, sei "ein bislang einmaliger Akt des Eingriffs in die Souveränität unseres Landes", sagte Gabriel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

"Ich rufe alle Menschen in Deutschland dazu auf, diesem Versuch entgegenzutreten."

Der Aufruf Erdogans zeige, "dass er die Menschen in Deutschland gegeneinander aufhetzen will", sagte der Bundesaußenminister. Gabriel bat die türkischstämmigen Wahlberechtigten, an der Bundestagswahl teilzunehmen und eine demokratische Partei zu wählen.

"Zeigen wir denen, die uns gegeneinander ausspielen wollen, dass wir dieses böse Spiel nicht mitmachen", sagte Gabriel.

In Deutschland fänden alle Menschen jedweder Herkunft das, "was Erdogan in der Türkei zerstören will: Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie".

Titelfoto: Depo Photos/Depo Photos via ZUMA Wire/dpa


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