Mesale Tolu aus Untersuchungshaft entlassen

Zahlreiche Journalisten warten am 18.12.2017 vor dem Frauengefängnis im Stadtteil Bakirköy in Istanbul auf die Freilassung von Mesale Tolu.
Zahlreiche Journalisten warten am 18.12.2017 vor dem Frauengefängnis im Stadtteil Bakirköy in Istanbul auf die Freilassung von Mesale Tolu.  © Can Merey/dpa

Istanbul - Mehr als sieben Monate nach ihrer Festnahme in der Türkei hat ein Istanbuler Gericht die Freilassung von Mesale Tolu aus der Untersuchungshaft unter Auflagen angeordnet.

Allerdings wurde Tolu am Montagabend nach dem Verlassen des Frauengefängnisses im Istanbuler Stadtteil Bakirköy auf einer Polizeiwache im Stadtteil Fatih festgehalten.

Der deutsche Botschafter Martin Erdmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Grund sei unklar und er versuche, diesen rauszufinden. Tolus Vater Ali Reza Tolu sagte, der Gefängnisdirektor habe die Abschiebung seiner Tochter trotz einer Ausreisesperre angeordnet.

Das Istanbuler Gericht hatte am Montagnachmittag die Freilassung von Tolu und fünf weiteren inhaftierten Angeklagten in dem Verfahren angeordnet und für alle eine Ausreisesperre verhängt. Außerdem soll sich die 33-Jährige jede Woche bei der Polizei melden.

Tolu sollte bis zu einem Urteil auf freien Fuß gesetzt werden. Das Verfahren gegen die Journalistin und 17 türkische Angeklagte wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation geht jedoch weiter.

Der aus Ulm stammenden Tolu drohen nach Angaben ihrer Anwälte bis zu 20 Jahre Haft. Die Angeklagten fordern ihren Freispruch.

Mesale Tolu arbeitete in Istanbul für die kleine linke Nachrichtenagentur Etha. Die Journalistin war am 30. April festgenommen worden.
Mesale Tolu arbeitete in Istanbul für die kleine linke Nachrichtenagentur Etha. Die Journalistin war am 30. April festgenommen worden.  © Stefan Puchner/dpa

Erdmann und Angehörige Tolus fuhren nach der Anordnung des Gerichts zum Frauengefängnis in Bakirköy, um Tolu in Empfang zu nehmen. Der Gefängnisdirektor hatte dem Botschafter einen persönlichen Empfang zugesagt. Stattdessen wurde Tolu jedoch in einem grauen Zivilfahrzeug mit getönten Scheiben aus dem Gefängnis gebracht.

Erst nach längerer Suche konnte der Botschafter den Aufenthaltsort der Journalistin ausfindig machen. Erdmann zeigte sich darüber empört und sagte: "Die spielen mit uns ein Versteckspiel."

Tolu sagte nach Angaben von Beobachtern am Montag bei ihrer Verteidigung vor Gericht: "Ich wurde verhaftet, weil ich Journalistin bin, und beabsichtigt wurde, Druck auf die Medien auszuüben. Der Druck auf die Medien wurde fortgesetzt, aber ich denke, dass die Justiz gerecht entscheiden wird."

Die meisten türkischen und deutschen Reporter waren am Montag von der Verhandlung ausgeschlossen.

Als Grund gaben die Sicherheitskräfte im zentralen Gerichtsgebäude in Istanbul an, der Saal sei voll. Größere Säle seien belegt.

Update 20.19 Uhr: Mesale Tolu aus Untersuchungshaft in Türkei entlassen

Mesale Tolu ist aus der Untersuchungshaft in der Türkei entlassen worden. Am Montagabend konnte Tolu in Begleitung ihrer Familie eine Polizeistation im Istanbuler Stadtteil Fatih verlassen. Dort war sie nach dem Verlassen des Gefängnisses hingebracht und festgehalten worden.

Mesale Tolu sitzt am 18.12.2017 nach ihrer Entlassung aus einer Polizeistation in Istanbul in einem Auto. Tolu ist inzwischen aus der Untersuchungshaft in der Türkei entlassen worden.
Mesale Tolu sitzt am 18.12.2017 nach ihrer Entlassung aus einer Polizeistation in Istanbul in einem Auto. Tolu ist inzwischen aus der Untersuchungshaft in der Türkei entlassen worden.  © Lefteris Pitarakis/AP/dpa
Vater Ali Riza Tolu wartet am 18.12.2017 vor dem Gefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy auf seine Tochter Mesale Tolu.
Vater Ali Riza Tolu wartet am 18.12.2017 vor dem Gefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy auf seine Tochter Mesale Tolu.  © Can Merey/dpa

Titelfoto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa


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